
- Traditionelle Ölmalerei - Andrea Weber
Die Profitänzerin Carola Peter aus München, die seit sechs Jahren mit ihrer Familie in Ammerland am Starnberger See lebt, drückt ihre Kreativität nicht mehr nur mit ihrer Körpersprache sondern mehr denn je mit der Pinselsprache aus und schafft Collagen aus Malerei, Fotografie und Naturmaterialien.
Es gibt Momente, die nie vergehen dürfen, findet Carola Peter und hält solche mit ihrer Kamera für immer fest. „Der Augenblick ist mir sehr wichtig“, bestätigt sie, und ist sich der Vergänglichkeit dabei voll bewusst. Deshalb sammelt sie stimmungsvolle Orte auf ihren Reisen, wie kürzlich in Istanbul, als sie die mystische Lichtstimmung der unterirdischen Zisterne aus der spätrömischen Zeit Konstantinopels fotografierte. Früher war Carola Peter auf der ganzen Welt zuhause, als sie, nach ihrer Ausbildung in klassischem und modernem Ausdruckstanz in Paris, an der Seite der bekannten Tänzerin und Choreografin Carolyn Carlson arbeitete. „In dieser Zeit war ich wie ein Zigeuner“, erzählt sie.
Was sie damals an kreativem Potential in graziler Bewegung zum Ausdruck brachte, bringt sie, inzwischen sesshaft geworden, in ihrem Atelier zuhause am Starnberger See auf die Leinwand. „Heute tanze ich quasi mit dem Pinsel“, sagt sie. Auf ihren Collagen verbindet die Künstlerin ihre für immer fixierten Fotomomente mit der Vergänglichkeit der Natur, sprich, sie gestaltet aus Naturmaterialien wie Sand oder Baumrinde haptische Strukturen mit Acrylfarben versetzt und arbeitet darin, nur noch bruchstückhaft erkennbar, ihre Fotografien ein. So entstehen Collagen in schmalen Langformaten, die sie meist als Triptychon konzipiert. Auch zum Thema Aktfotografie versteckt sie die Bilder nackter Haut unter der Oberfläche hauchdünn geschnittener Baumrinden, die mit Acrylfarben gestaltet, fast an einen metamorphischen Zustand sich schälender Haut erinnern.
Sylvia Friedrich-Rust erzählt Geschichten aus ihrem Leben in Öl
Sylvia Friedrich-Rust kann von außergewöhnlichen Begegnungen in ihrem Leben berichten, zum Beispiel, wie sie als Kind Walt Disney persönlich kennenlernen durfte, weil sie als Fernsehquiz-Gewinnerin eine Reise zu Disney World unternahm. Jahre später begegnete sie als Wissenschaftlerin an der Bergischen Universität in Wuppertal dem deutschen Designer und Journalisten Willy Fleckhaus, der für seine klassisch-schlichten Umschlag-Entwürfe der Buchreihen des Suhrkamp-Verlags bekannt wurde.
Wer viel erlebt, der kann viel erzählen und das tut die promovierte Kunsthistorikerin heute als Autodidaktin mit Pinsel und Farbe. Waren es einst in Wuppertal, alte Fabrikgebäude, deren Patina auf Dächern und Fassaden sie inspirierten – „weil es Pfeiler einer Epoche sind und in der Gegenwart nur noch Momente ihrer selbst“, findet die Künstlerin – , und waren es in den Neunzigerjahren ihre Eindrücke, die sie von ihren Reisen in die Weltmetropolen Tokio und New York mit nach Hause nahm, wo das Leben in den Straßenfluchten pulsiert, malt die Künstlerin, die heute im Münchner Süden bei Icking lebt, gerne Menschen in Gesellschaft. Noch nass ist die Farbe ihres neuesten Werkes, einer Caféhaus-Szenerie, bei der man den Duft vom frischgebrühten Kaffee riechen kann und hört wie das Stimmengewirr durch den Raum wabert. „Für mich hat das Bild eine anonyme Sinnlichkeit darin verborgen.“
Will man nun den künstlerischen Stil von Sylvia Friedrich-Rust bestimmen, so liegt man nicht verkehrt, ihn als eine Mischung aus Realismus und Expressionismus zu bezeichnen. „Ich male nicht nur nackte Gebäude, sondern erfinde immer eine Geschichte dazu, die den Betrachter als Teilnehmer förmlich ins Motiv führt.“ Die dominanten Farben ihrer Bilder haben gerne einen bedrohlichen Unterton in den sich doch immer wieder helle Lichtmomente mischen und so Spannung erzeugen.
Beide Künstlerinnen zeigen ihre Arbeiten auf der diesjährigen Wolfratshauser Kunstmeile.
