
- Grundsteinlegung für die neue Wohnstätte: Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Hallbauer, die künftige Heimleiterin Melanie Kluge sowie Architekt Gert Humburg (von links) beim Befüllen der Hülse - C. Henze
Der Spatenstich erfolgte, der Grundstein wurde gelegt für das Haus, in dem einmal 16 geistig und mehrfach behinderte Kinder vom ersten bis zum 21. Lebensjahr betreut werden. Als Träger dieser Wohnstätte hat der Vogtlandkreis die Lebenshilfe Auerbach zum Partner. 17 Prozent der rund 244.000 Vogtländer leben mit einer Behinderung, elf sogar mit einer schweren. Allein 500 Kinder sind darunter. "Ein solches Kind zu betreuen ist für Eltern nicht immer leicht. Solch ein Los müssen diese ein ganzes Leben lang tragen", sagt Vize-Landrat Rolf Keil.
Wenn die Kraft der Eltern nicht mehr reicht
Verständlich, wenn die Kraft nicht mehr reicht, das schwerstbehinderte Kind Tag für Tag und rund um die Uhr selbst zu betreuen. Oft kommen diese Kinder auch aus sozial schwachen Familien oder aus Familien mit nur einem erziehenden Elternteil, heißt es aus dem Sozialamt. Bisher wurden diese Kinder in Wohnstätten anderer Landkreise stationär untergebracht: Der Radius zog sich bis über hundert Kilometer weit bis Leipzig oder Johanngeorgenstadt. Nun entsteht ein eigenes Haus, in dem die Kinder je nach Bedarf wohnen dürfen: Manche ständig, andere fahren am Wochenende und in den Ferien zu Mama und Papa.
Buntes Schiff für eine Million Euro
Rund eine Million kostet der zweigeschossige Bau, der einmal einem bunten Schiff ähneln wird, so die Pläne des Oederaner Architekten Gert Humburg. 80 Prozent trägt der Freistaat Sachsen, je zehn Landkreis und Lebenshilfe. Ausgestattet wird das Haus sein mit Einzelzimmern, Räumen für Therapie, Entspannung, Spiel und Hobby. Im Garten wird es viel Grün geben, Raum zum Spielen und Toben - ja sogar einen Rodelhang.
Feuertaufe für Hochschulabsolventin
Neu wie die Kinder wird auch deren Heimleiterin sein: Für Melanie Kluge, eine frisch gebackene Hochschulabsolventin für Sonder- und Integrationspädagogik, ist die ihr angetragene Verantwortung ein besonderer Vertrauensbonus. "Eine solche Stelle ist für einen Hochschulabsolventen eine große Chance. Schon jetzt bei der Planung ist meine Meinung gefragt, und das freut mich sehr", sagt die junge Frau.
Neue Herausforderung: Behinderte im Rentenalter
Mit dieser noch im Bau befindlichen Wohnstätte betreibt die Auerbacher Lebenshilfe dann sieben Gebäude sozialen Charakters. Seit 1991 habe die Lebenshilfe rund zehn Millionen Euro in den Bau von Wohnheimen, Werkstätten und Betreuungsangeboten investiert, so Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Hallbauer. 160 Menschen mit Behinderung, vom Kind bis zur 73-Jährigen, werden bei diesem Träger betreut. Vor rund 20 Jahren hat die Lebenshilfe ihre Arbeit im Vogtland aufgenommen. Erstmals habe man es in den nächsten Jahren mit einer Behindertengeneration, die ins Alter gekommen sei, zu tun, erklärt Hallbauer. Das heißt: Zu dem Handicap einer Behinderung kommen zusätzlich noch Erschwernisse, die das Alter mit sich bringt. Auch auf diese Patienten müsse man sich nun verstärkt ausrichten.
