
- Bäcker mit Brot - Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks
Bereits 2007 zogen die Lebensmittelpreise stark an. Für Milchprodukte mussten knapp 40 Prozent mehr als noch 2006 hingelegt werden, für Geflügel 17 Prozent, für Eier und Brot über sieben Prozent.
Nun mag es ja richtig sein, dass Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern noch immer niedrigere Lebensmittelpreise hat, jedoch tröstet das den Verbraucher kaum. Für 2008 sind bereits weitere - wenn auch angeblich "moderatere" - Preiserhöhungen angekündigt, zumindest für Brot und Schweinefleisch.
Ursachen der Verteuerung
Die von der EU jahrzehntelang bezuschussten Milch- und Butterberge werden nach und nach abgetragen. Auch wenn die plötzlich erwachte Konsumlust der Chinesen an Milch und Käse für erhöhte Preise verantwortlich gemacht wird - so ist es nicht. Unsere Milch trinken sie mitnichten. Jedoch hat die weltweit größere Nachfrage das Gleichgewicht verschoben: Der Verbrauch steigt schneller als die Erzeugung - daher auch die höheren Preise.
Weitere Ursachen der Verteuerung waren schlechte Ernten, die höheren Energie- und Produktionskosten sowie der zunehmende Anbau von Energiepflanzen als Brenn- und Kraftstoff.
Getreide im Tank statt auf dem Teller?
Viele Experten sind mittlerweile der Meinung, dass es ökologisch zumindest äußerst fragwürdig ist, verstärkt auf Biodiesel zu setzen, da alleine seine Herstellung mehr Energie verbraucht als letztendlich eingespart würde.
Zunächst jedoch beschert es den Verbrauchern höhere Preise. Denn immer mehr Landwirte nutzen ihre Anbauflächen für die Produktion von Bioenergie. Das Geschäft mit Biodiesel und Bioethanol boomt und lohnt sich für sie.
Mittlerweile appelliert sogar das deutsche Bäckerhandwerk an die Regierung: Lebensmittel müssten Vorrang haben, es werde zuviel Getreide durch Biosprit entzogen. Derzeit werden etwa zwei Millionen Hektar in Deutschland für Biosprit genutzt, 2020 sollen es dann vier bis fünf Millionen Hektar sein - das wäre immerhin ein Drittel der gesamten Ackerflächen.
Zwar beschwichtigt die Bundesregierung, auch dann könne noch die ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln garantiert werden. Es stellt sich jedoch die Frage: Zu welchem Preis? Selbst die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht das kritisch und warnt vor steigenden Lebensmittelpreisen.
Hartz IV-Empfänger und Rentner
Auch wenn Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbands 2007 vor den Preiserhöhungen sagte: "Der Verbraucher muss sich daran gewöhnen, dass Lebensmittel teurer werden. Im Durchschnitt gibt eine deutsche Familie heute nur noch 12 Prozent ihres Einkommens für Ernährung aus - nach dem Krieg waren es über 50 Prozent", stellt sich doch die Frage, wie die Ärmsten unserer Gesellschaft damit umgehen sollen.
Es sind ja nicht nur Lebensmittel, die teurer geworden sind, sondern auch Energie, Medikamente, Kleidung und so weiter. Die Politik hat die Verpflichtung, die Hartz IV-Sätze der Inflation anzupassen. Dies wurde bisher vermieden und das ist ein Skandal, ebenso für die Rentner in Deutschland.
Den einen oder anderen Politiker schert das anscheinend doch. So sagte der SPD-Politiker Ottmar Schreiner der Bild-Zeitung im September 2007: "Wenn jetzt die Lebensmittelpreise überproportional steigen, verringert sich der reale Wert von Hartz IV stark. Deswegen muss jetzt erst recht eine Korrektur vorgenommen und Hartz IV erhöht werden."
Es ist zu hoffen, dass dies nicht der Ruf des einsamen Mahners in der Wüste bleibt.
