
- Zep live - Zippifoto
Gegründet im Sommer 1968 waren Led Zeppelin keine zwei Jahre später bereits weltweit Superstars. Grandioses Können als Live-Band überzeugte die Fans rund um den Globus. Drei LP-Veröffentlichungen und zwei gegen den Willen der Band herausgegebene Singles („Whole Lotta Love“ und „Immigrant Song“) wurden millionenfach verkauft. Mitte 1971 arbeiteten Led Zeppelin an ihrem vierten Longplayer.
Das Album ohne Namen
Da das Ende 1970 veröffentlichte Album „Led Zeppelin III“ sehr viel entspannte, folkloristische Musik offenbarte, sollte das nächste Werk wieder mehr rocken. Außerdem wollte man der Plattenfirma Atlantic die Veröffentlichung der Singles heimzahlen. Für gewöhnlich waren LP-Covers beschriftet; zu lesen waren immer der Name des jeweiligen Künstlers oder der jeweiligen Band und der Titel der betreffenden LP. Led Zeppelin waren aber der Überzeugung, dass ihre Fans intelligent genug wären, um die neueste LP der Band auch ohne Beschriftung im Handel zu finden. Atlantic Records war nicht angetan von dieser Idee, aber die Band blieb hart. Im Klappcover, ohne Beschriftung, erschien der vierte Longplayer im November 1971 und wurde dennoch sofort ein Verkaufsschlager. Dabei ist bis heute nicht geklärt, wie diese LP offiziell heißt. „Led Zeppelin IV“ wird am häufigsten verwendet. Einige Leute nennen es auch „The Untitled Album“, andere wiederum nennen es „Four Symbols“, nach den auf der Innenhülle gedruckten vier keltischen Symbolen, jedes für ein bestimmtes Bandmitglied, benannt. Wieder andere nennen die LP „ZoSo“, denn ein Symbol sieht wie dieses Phantasiewort aus. Wie auch immer: Diese LP gehört bei den Fans wie die zweite zu den Meisterwerken der Band. Die Songs „Black Dog“, „Rock And Roll“ und vor allem das epochale „Stairway To Heaven“ gehören zu den absoluten Klassikern der Heavyrocker.
„Houses Of The Holy“
Im Jahre 1972 waren Led Zeppelin fast ständig auf Tournee, und wenn für wenige Wochen mal nicht, dann wurde die freie Zeit für Plattenaufnahmen genutzt. 2003 erschien ein 3-CD-Set mit dem Mitschnitt eines Konzertes, aufgenommen am 25. Juni 1972 im L.A. Forum und am 27. Juni 1972 in der Long Beach Arena. Hier waren schon drei Nummern zu hören, die erst im darauf folgenden Jahr, also 1973, erscheinen sollten. Das fünfte Machwerk wurde zum Jahreswechsel fertiggestellt und erschien im März 1973. Die LP „Houses Of The Holy“ wurde wieder ohne Coverbeschriftung herausgegeben, Atlantic Records umging dieses Problem diesmal, in dem man die ersten paar Auflagen mit einer Banderole um das Cover herum versah, auf der Bandname und LP-Titel stand. Obwohl sich auch diese Platte erneut millionenfach verkaufte, wurde hier Kritik der Fachjournalisten laut, die „Houses Of The Holy“ als überproduzierten Egotrip der vier Musiker ansahen. Tatsächlich fehlte der Platte ein wenig der Druck des Vorgängers, obwohl Stücke wie „The Song Remains The Same“, die Boogienummer „The Ocean“ und dem sphärischen „No Quarter“ bis zuletzt Bestandteil einer jeden Live-Show wurden. Es folgte ein weiteres ausgedehntes Tourneeprogramm, wobei ein Konzert im Madison Square Garden von New York City gefilmt und auch audio mitgeschnitten wurde. Bänder und Filmrollen landeten danach erst einmal ins Archiv, man wollte das Material später noch überarbeiten.
Überarbeitete Outtakes und neue Nummern
Das Live-Projekt stellten Led Zeppelin auch zugunsten eines neuen Studioalbums zurück. Die Aufnahmesessions zu „Houses Of The Holy“ lieferten neben dem fertigen Album noch weiteres gutes Material, das unfertig herumlag und das zu schade war, im Archiv zu versauern. Also nahm sich die Band 1974 dieser Stücke an. Dazu gesellten sie noch eine handvoll neuer Kompositionen und das Ganze erschien dann Anfang 1975 auf zwei LPs unter dem Titel „Physical Graffiti“, auf dem inzwischen von der Band gegründeten Label Swan Song Records. Nach „Led Zeppelin II“ und „Led Zeppelin IV“ wird dieses Doppelalbum noch heute von vielen Fans als Meisterwerk der Gruppe angesehen. Als Restposten der 1972er Aufnahmen ist hier der geplante Titelsong der letzten Scheibe zu hören: „Houses Of The Holy“. Zu den Klassikern dieses Doppelpacks zählen das 11-minütige „In My Time Of Dying“, das rumpelnde „Custard Pie“, das zickige „Trampled Under Foot“ und das orientalisch klingelnde, sehr pompös arrangierte „Kashmir“. Als die Doppel-LP erschien, waren Led Zeppelin bereits wieder auf US-Tournee. Im Mai 1975 folgten fünf ausverkaufte Konzerte im Earls Court von London. Danach ging es in den Urlaub nach Griechenland. Dort wurden Sänger Robert Plant und seine Familie durch einen Autounfall schwer verletzt. Sämtliche Pläne der Band lagen nun für Monate auf Eis.
Zu diesem Zeitpunkt war ein Konzertfilm, der den Titel „The Song Remains The Same“ bekommen sollte, in Arbeit. Die Aufnahmen aus New York von 1973 bildeten das Hauptaugenmerk. Durch Robert Plants Unfall dümpelte auch dieses Projekt weiter vor sich hin. Wie und wann es weitergehen würde, wusste niemand zu sagen.
(Quelle: Led Zeppelin – Stairway To Heaven von Richard Cole/R. Trubo/Hannibal Verlag 1993/ ISBN 3-85445-084-2)
