Legasthenie und Dyskalkulie – Hilfe und Rat

Die Teilleistungsstörungen in Fakten gepackt und erklärt

Der Artikel beschreibt die Teilleistungsstörungen Legasthenie und Dyskalkulie in Entstehung, Therapie und Ursachen. Ergänzt wird der Text durch Tipps für Eltern.

Viele Kinder und Jugendliche haben Probleme mit der Rechtschreibung oder der Mathematik. Oft wird ihnen vorgeworfen, sie würden sich nicht genügend bemühen. Vielleicht sträuben sie sich gegen die Aufgaben, die sie im jeweiligen Fach erledigen müssen. Unter Umständen werden sie sogar aggressiv oder schwänzen den Unterricht.

Oft ist es aber nicht das Desinteresse an einem Fach oder ein mangelndes Bemühen der Zöglinge. Das Verhalten kann nämlich auch die Folge einer sogenanten Teilleistungsstörung sein.

Was sind Teilleistungsstörungen?

In den gängigen Klassifikationssystemen wie dem ICD 10, das Ärzte zur Einordnung von Erkrankungen benutzen, gibt es diesen Begriff nicht mehr. Verwandt wird das Wort heute fast nur noch in Lehrbüchern der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Gemeint sind damit partielle Lernbehinderungen, also solche, die sich auf ein einzelnes Fach beschränken. Das Wort Behinderung ist hierbei nicht als geistige Behinderung aufzufassen. Die Intelligenz ist mindestens im normalen Durchschnitt, oftmals sogar überdurchschnittlich. Auch die Sinnesorgane arbeiten ohne Störung, so dass die Beeinträchtigung nicht auf Probleme mit dem Hören oder Sehen zurückzuführen ist.

Ursachen der Teilleistungsstörungen

Die Medizin geht davon aus, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Familien- und Zwillingsstudien zeigten, dass innerhalb einer Familie eine Legasthenie oder Dyskalkulie gehäuft auftritt. Durch diese genetische Ursache kommt es zu einer Beeinträchtigung der Informationsverarbeitung im Gehirn. Diese sind größtenteils die Folge einer biologischen Fehlfunktion.

Häufigkeit von Legasthenie und Dyskalkulie

Die Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie) betrifft drei bis sieben Prozent der Schulkinder. Jungen sind dabei vier- bis zehnmal häufiger betroffen als Mädchen. Auch diese Häufung spricht für eine genetische Veranlagung. Abzugrenzen ist hiervon allerdings die sogenannte Isolierte Rechtschreibstörung. Hierbei besteht eine Beeinträchtigung in der Entwicklung von Rechtschreibung. Eine Lesestörung ist allerdings nicht gegeben. Diese Kinder haben Beeinträchtigungen im Bereich des mündlichen Buchstabierens und Wörter korrekt zu schreiben. Lesen ist im Gegensatz zur Legasthenie allerdings kein Problem. Hier beträgt die Häufigkeit in etwa zwei Prozent aller Schulkinder. Bei der Rechenstörung (Dyskalkulie) sind vier Prozent aller Schulkinder betroffen.

Das Verhalten der Kinder und Jugendlichen mit einer solchen Störung

Am auffälligsten ist bei den betroffenen Kindern, dass sie keine Leistung erbringen wollen. Die Rückschläge und Negativerfahrungen spielen hierbei eine Rolle. Das Kind möchte nicht immer wieder in seinem Problemfach „versagen“. Oft entwickeln die Betroffenen eine Angstsymptomatik. Diese kann sich ausbreiten und eine vollständige Schulphobie werden. Die Angst beginnt dabei in dem „schwachen“ Fach. Viele der Kinder entwickeln eine depressive Verstimmung. Sie sind dann niedergeschlagen und denken, sie seien an allem Schuld. Nur einige von vielen Symptomen. Auch Aggressivität ist häufig zu bemerken. Kontaktstörungen, das heißt kein Kontaktaufbau zu anderen der Klasse, kommen ebenfalls häufig vor. Stottern und Poltern in der Sprache können als psychisches Symptom bei diesen Störungen ausgemacht werden.

Was tun, wenn das Kind Legasthenie oder Dyskalkulie hat?

Bei einer Legasthenie ist die Problemlage etwas leichter. Eltern sollten sofort nach der Diagnose beim zuständigen Kultusministerium die Anerkennung als Legastheniker beantragen. Ist der Schützling anerkannt, hat das Kind das Recht, dass seine Rechtschreibung nicht benotet wird. Meistens ist das entscheidend dafür, dass die Noten nicht zu schlecht werden.

Bei der Dyskalkulie gibt es eine solche Anerkennung bisher nicht. Dies erschwert vieles, denn Mathematik wird in vielen Naturwissenschaften gebraucht, so dass sich die Schwäche auch hier negativ auf die Noten niederschlägt. Eltern sollten nicht versuchen, ihr Kind selbst zu therapieren. Dies geht fast immer schief. Für die Teilleistungsstörungen stehen speziell ausgebildete Therapeuten zur Verfügung. Während dieser Therapien sind Verbesserungen der Störungen feststellbar.

Eltern und Schule sollten eng miteinander kooperieren, um für das Kind oder den Jugendlichen vorteilhafte Voraussetzungen zu schaffen. Sowohl die Schule als auch die Eltern müssen dem Kind Verständnis und Rückhalt entgegenbringen. Dadurch wird der Therapieerfolg in vielen Fällen überhaupt erst möglich. Unter Druck wird das Kind/der Jugendliche keine Fortschritte erzielen.

Eltern sollten einen betreuenden Psychiater und Therapeuten suchen, der Lehrer und Eltern unterstützt. Auch eine Krisenintervention kann mitunter notwendig sein. Auch hier zeichnet sich ein guter Therapeut dadurch aus, dass er dem Kind/dem Jugendlichen beisteht.

Heiko Sonnleitner-Seegmüller - Ich bin am 15.02.1974 geboren. Aufgewachsen in Hockenheim schrieb ich bereits im Alter von sieben Jahren meine ersten Geschichten. Nach ...

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