Kreativität im Legoland Deutschland

Ein Freizeitpark mit hohem Anspruch an sich selbst

Ablenkung beim Warten gibt es überall - Elvira Lauscher
Ablenkung beim Warten gibt es überall - Elvira Lauscher
Eine ganz eigene Freizeitpark-Welt, in der Fantasie, Kreativität und spielerisches Lernen wichtiger sind als Fahrattraktionen.

Wenn man durch Legoland Deutschland schlendert, dann herrscht hier ein Sprachgewimmel wie am Frankfurter Flughafen und nicht wie in einer kleinen schwäbischen Kreisstadt mit knapp 20.000 Einwohnern. Denn tatsächlich ist einer der weltweit nur vier Freizeitparks von Legoland in einem Städtchen wie Günzburg, gelegen im Bundesland Bayern, erbaut worden. Das nähere Umland wie Ulm, Heidenheim und Augsburg freuen sich, denn nicht nur ein toller Park für die besser verdienenden Süddeutschen ist da entstanden, auch die Tourismusbranche profitiert ordentlich von dem niederländischen Baustein-Prinzip. Wer sich rar macht, der macht sich interessant. Und so zieht der einzige Park in Deutschland Besucher aus der Schweiz, Österreich, Polen, Tschechien, Niederlanden und vielen anderen europäischen Ländern an. Kein Wunder, denn der nächste Park ist in Billund, Dänemark, oder in Windsor in der Nähe von London. Eine weitere Alternative ist „Legoland California“, der erste Park außerhalb Europas, der mit seinem pädagogischen Konzept auch die Amerikaner überzeugen will.

Liebevoll bis ins Detail

Wer nur auf Achterbahn, Achterbahn und Achterbahn aus ist, der wird im Legoland nicht auf seine Kosten kommen. Hier gibt es keine höchste, schnellste und tollste Superlative – hier gibt es Spaß, Spiel und Kreativität und das an jeder Ecke im Park. Lego-Schlangen schlängeln sich durch das Gebüsch, Papageien krächzen, Mann hohe Figuren laden zum Sitzen auf der Bank ein und hin und wieder spaziert auch eine Lego-Figur aus Fleisch und Blut durch den Park, um sich mit den Fans fotografieren zu lassen. Ein besonderes Highlight ist natürlich das Legoland-Miniland, bei dem man auch beim 10. Besuch noch Neues entdecken kann. Dabei gibt es so einiges zu Schmunzeln, wie zum Beispiel über den kleinen Legomann, der in der schwäbischen Dorflandschaft von der Badewanne aus im Klo einen Fisch angelt, die Stewardess, sie sich im aufgeschnittenen und halbierten Flieger (mit Blick auf Kabinen und Gepäckräume) gerade in einer heißen Umarmung mit dem Pilot befindet oder auch der Mann mit rotem Legostein-Sonnenbrand, der neben dem Schwimmbad liegt.

Stolze Preise für Qualität

Billig ist etwas anderes. Das muss klar sein, wenn man ins Legoland geht. Stolze 30,- Euro (Saison 2009 sind es 34,- Euro minus 10 % bei Internetbuchung) zahlt ein Erwachsener für die Tageskarte. Ein Kind (das allerdings im Legoland nur bis einschließlich dem 11. Lebensjahr Kind ist) ist wie Oma und Opa mit 26,- Euro (Saison 2009 mit 28,- Euro) dabei. Dazu kommen noch 4,- Euro (Saison 2009 5,- Euro) Parkticket für den Legoland eigenen Parkplatz. Da darf man sich dann schon mal wundern. Auch so manche extra Aktion wird noch im Park berechnet, wie das Gold waschen „im Tausch“ gegen eine Medaille mit aufgeprägtem 8-er Legostein. Das „Gold“ muss man übrigens wieder abgeben. Alle Fahr-Attraktionen sind allerdings frei.

Auch Essen und Trinken haben knackige Preise. Allerdings – auch das muss gesagt werden – die Portionen sind üppig und auch recht schmackhaft. Ein bisschen den Geschmack raubt allerdings im Sinne eines umweltbewussteren Konsums das viele Plastik und die Pappmaché. Die Spülmaschine ist doch schon erfunden und so fragt man sich, warum die Verköstigung nicht mit richtigen Tellern möglich ist. Für den schnellen Hunger zwischendurch gibt es eine große Auswahl an günstigerem „Fast Food“ vom Hot-Dog über die Waffel mit Zimt und Zucker oder Popcorn, Waffelschwertern, Donuts, Eistüten, Hamburgern ...

Freundlich und übersichtlich

Ein weiterer Pluspunkt ist die Schnelligkeit und die Freundlichkeit des Personals. Das gilt für die meisten Restaurants und für fast alle Lego-Angestellten, bei denen viele den Eindruck vermitteln, als ob ihnen das tatsächlich Spaß machen würde, kleine und große Legofans hinter Achterbahn-Sicherheitsbügel zu klemmen oder Kleinkinder auf Plastik-Pferde zu setzen.

Die Übersichtlichkeit des Parks und die genaue Beschriftung ist sicherlich auch recht hilfreich, um die Besucher milde gegenüber den oft langen Wartezeiten zu stimmen. Vor jeder Attraktion steht eine Tafel, an der die genauen Warteminuten angezeigt werden und dazu ist eine Messlatte angebracht, bei der das Kind unmissverständlich und ohne große Diskussion erkennt, wenn es von der Größe her noch nicht das Grün erreicht hat und diese Attraktion daher nicht fahren darf. Das spart familiäre Energie und Kraft. Dazu gibt es immer etwas zu sehen, auch wenn man in der Warteschlange steckt. Zum Beispiel ein Feuer speiender Legodrache auf dem Dach bei der kleinen „Drachenjagd“-Achterbahn oder allerhand kriechendes und fleuchendes Lego-Getier bei der gemütlich schaukelnden Safari-Tour.

Wer Lust auf einen kreativen Tag in einem Freizeitpark hat, auch mal gerne selber was zusammenbaut und sich an liebevollen Kleinigkeiten erfreuen kann, der wird im Legoland Deutschland auf seine Kosten kommen.

Elvira Lauscher, Elvira Lauscher

Elvira Lauscher - Schreiben ist meine Leidenschaft, mein Beruf und meine Berufung. Ich war 28 Ausgaben für ein Ulmer Magazin Chefredakteurin und habe ...

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