
- Der Kampf gegen einander - ©Rike/pixelio.de
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Lehrer und Pädagogen scheinbar synonym verwendet. Sogar Johannes B. Kerner spricht seine lehrende Studiogäste mit den Worten „Sie als Pädagoge ...“ an. Auch die Lehrkräfte selbst bezeichnen sich gern als Pädagogen. Sogar der Schulamtsdirektor Carl Groß verwendete in einem Treffen des Arbeitskreis für Behinderte im August 2010 in Wiesbaden die Begriffe noch gleichbedeutend. Doch ist es wirklich das Selbe? Beiden Berufsgruppen täte man Unrecht, wollte man sie gleichsetzen.
Gemeinsame Wurzel
In früheren Zeiten wurde nicht zwischen Lehrern und Pädagogen unterschieden. Lehrer waren automatisch auch Pädagogen und erledigten entsprechende Aufgaben. Sogar über die 1950er Jahre hinaus war es üblich, dass Lehrkräfte auch Erziehungsaufgaben übernahmen und sozusagen die Schüler rundum betreuten.
Spätestens in den 1970er Jahren zeichnete sich aber ab, dass eine dezidiertere Arbeitsaufteilung erfolgen musste, um das steigende Lehrpensum noch erfüllen zu können. In dieser Zeit entwickelte sich die Erziehungswissenschaft als separates Studienfach und der Diplom-Pädagoge als eigenständiger Studienabschluss. Seitdem entstanden noch verschiedene Unterarten und Schwerpunkte, etwa der Sozialpädagoge oder der Erwachsenenbildner.
Wortbedeutung und Abtrennung
Lehrer sind in erster Linie Didaktiker. Dies bedeutet, dass sie ein bestimmten Fach von den Grundlagen bis ins Detail studieren und Methoden lernen, Inhalte an die Schüler zu vermitteln. Pädagogische Kenntnisse und Fähigkeiten werden nur sekundär in wenigen Seminaren oder entsprechenden Weiterbildungen vermittelt.
Pädagogen hingegen sind Erziehungswissenschaftler. Während ihres Studiums beschäftigen sie sich mit Erziehungs- und Lerntheorien und wie diese angewendet werden können. Spezielle Didaktik zu irgendwelchen Schulfächern lernen sie nicht. Häufig findet man den typischen Pädagogen als (Schul-)Sozialarbeiter wieder. Aber auch in Volkshochschulen und sozialen Einrichtungen sind sie anzutreffen. Beratung und Krisenbegleitungsind oft Arbeitsschwerpunkte.
Der Kleinkrieg zwischen den Professionen
Obwohl Lehrer und Pädagogen sich häufig das selbe Klientel – etwa Schüler – teilen, ist die Zusammenarbeit zwischen ihnen mitunter schwierig und wird von Vorurteilen und Misstrauen bestimmt. Lehrer formulieren oft die hinter Spaß getarnten Thesen, dass Pädagogen den ganzen Tag "rauchen, Kaffee trinken und Birkenstocksandalen tragen". Die Pädagogen hingegen beschreiben Lehrkräfte häufig als eine "Subkultur von Besserwissern", mit denen man nicht reden könne. Woher kommen diese Abneigungen und teilweise schon Feindseligkeiten? Es scheint das Verständnis für die Profession des anderen zu fehlen. Lehrkräfte können häufig nicht nachvollziehen, welche wissenschaftliche Grundlage hinter der Arbeit eines Pädagogen steckt. Diese wiederum unterstellen den Lehrern häufig, dass sie zu spezifiziert nur auf ihre Lehrinhalte achten und die individuellen Bedürfnisse der Schüler einfach ignorieren. Dabei wird klar, dass beide Berufsgruppe unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte vertreten.
Soziale Ungerechtigkeiten
Hinzu kommt noch, dass es ein Gefälle in der sozialen Hierarchie der beiden Berufsgruppen gibt. Lehrer werden meist höher angesehen, als ihre pädagogischen Kollegen. Auch die finanzielle Entlohnung weist gehörige Unterschiede auf. Verdient ein Lehrer durchschnittlich 4.000 Euro brutto im Monat, kann ein durchschnittlicher Pädagoge lediglich auf TvöD 9 hoffen, was rund 2.800 Euro brutto entspricht. Dies ist eine Situation, die vor allem den Pädagogen im Magen liegt, da sie unter den Akademikern sowieso schon zu denen zählen, die am schlechtesten verdienen.
Optionen für die Zukunft
Eine Angleichung der Gehälter ist natürlich nicht die Lösung, wäre aber schon einmal ein erster Schritt. Außerdem sollten gerade Vorgesetzte aktiv auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Pädagogen hinwirken. Supervision wäre hierzu ein passendes Mittel, welches gerade in der Schulsozialarbeit schon großen Anklang findet. Und natürlich wäre es nötig, die Medien über die unterschiedlichen Berufsgruppen aufzuklären, um in der Bevölkerung ein entsprechendes Verständnis entwickeln zu können.
