Lehrmethoden bei Erwachsenen: Fremdsprachenunterricht
Es gibt vier Hauptlehrmethoden beim Fremdsprachenunterricht in der Erwachsenenbildung. Diese sind Hörverstehen, Leseverstehen, Schreiben und Sprechen. Sie sind auch die vier Hauptkompetenzen, die beim Lernen einer Fremdsprache erworben werden sollen.
1. Hörverstehen
Hier handelt es sich bis heute um eine didaktisch-methodisch schwierige Aufgabe. Zum einen besteht ein Mangel an geeignetem Material und eine methodische Unsicherheit in einem effektiven Umgang mit den vorhandenen Materialien. Die Aufgabe des Hörenden die in der Decodierung flüchtig wahrgenommener Zeichen. Der konstruktive Prozess soll das Gehörte mit einem Sinn verbinden. Der Hörer muss aber auch sein außersprachliches Wissen aktivieren. Dies bedeutet, dass Hörverstehen erst ab einer bestimmten Sprachstufe realistisch möglich ist. Das Hörverstehen ist ein komplexer Prozess, zu dem es zwei vorhandene Modelle gibt. Das erste ist das formal orientierte, wissensbasierte Komponenten und Stufenmodell. Hierbei werden zuerst nur Laute und Phoneme in Übungen vermittelt und können dann zum Beispiel wiederholt werden. Dann kann der Hörer Schlüsselwörter und Wortfelder erkennen. Danach erkennt der Lernende grammatische Morpheme, syntaktische und grammatische Strukturen. Lerner auf der Stufe B1 und B2 sollten dann schon Diskursart und Sprechsituation eines Textes einordnen können und so einen Text im Globalverstehen entschlüsseln können. Beim Verhältnis von Produktion und Rezeption gilt es zu beachten, dass Hörtexte immer deutlich über dem Produktionsniveau liegen oder liegen sollten. Nur so erlernt der Lernende neue Vokabeln und neue grammatische Strukturen. Inferieren ergänzt Textinformationen durch aktiviertes Vorwissen, zieht Schlussfolgerungen und erstellt einen kohärenten Sinnzusammenhang. Am besten ist es von Beginn an Texte mit einem authentischen und normalen Sprechtempo zu verwenden und so zu vermeiden, dass der Erwachsene eine synthetische Sprache lernt, die nichts mit der natürlichen Welt der gesprochenen Sprache zu tun hat. Daraus ergeben sich verschiedene Übungstypen. Einem Lehrenden stehen dabei Übungen zur Lautdiskrimination, Wahrnehmungsübungen, Strukturierungsübungen, Übungen zum selektiven und zum totalen Hören zur Verfügung.
2. Leseverstehen
Genau die gleichen Prozesse finden auf der Ebene des Leseverstehens statt. Das was hier passiert, geschieht allerdings nicht auf der Ebene von Lauten, sondern auf der Ebene von Buchstaben. Zuerst erkennt der Lernende bei einem Text vielleicht nur einzelne Wörter. Bei einer Sprache, die keine lateinische Schrift hat ist dies sogar noch so, dass ein Lerner am Anfang ein komplett neues Alphabet lernen muss, wie zum Beispiel bei Russisch. Der Lerner kann dann nach einer gewissen Zeit Sätze erkennen und diese identifizieren zum Bespiel in einer Unterscheidung in Subjekt, Prädikat und Objekt. Mit zunehmenden Grammatikkentnissen, nimmt er die Syntax auf und kann diese Verstehen. Das führt dann zu einem Globalverstehen eines Textes. Unterrichtsmethoden können hierbei Aufgaben sein, bei denen es darum geht Fragen zu beantworten, einen Text in eigenen Worten zusammen zu fassen oder richtig und falsch bei Aussagen zu einem Text zu unterscheiden. Die Basis ist hierbei die gleiche wie beim Hörverstehen. Es muss ein Grundwortschatz und die Basis in der Grammatik vorhanden sein, um mit diesen zwei Kompetenzen beginnen zu können.
3. Sprechen
Dies kann man mit Erwachsenen üben, indem sie zu einem Thema einen Grundwortschatz erhalten und dann versuchen, diesen in einem Dialog einzusetzen. Ein Lernender kann hierbei auch Beispielsätze bekommen und muss die Struktur dieser dann auf sein Thema anwenden. Es ist günstig diese Komponente von Beginn an einzusetzen, damit der erwachsene Schüler neuen Wortschatz immer gleich in den Gebrauch übernimmt. Das setzt den Willen beim Lernenden voraus, in einer Sprache auch über Fehler zu einem Ziel zu kommen und diese durch Übung auszumerzen. Die Verantwortung des Lehrenden besteht darin, gehörte Fehler möglichst schnell zu korrigieren, damit sie nicht in das Gedächtnis des Lernenden falsch aufgenommen werden und dann immer wieder darauf zurückgegriffen wird. So schleichen sich Fehler ein, die auf höheren Niveaustufen immer wieder vorkommen und dann aber nur noch schwer zu beseitigen sind. Diese Komponente ist bei einem autodidaktischen Lernen von Sprache, diejenige die am schwersten zu überprüfen ist, da man hierbei einen Sprachpartner benötigt.
4. Schreiben:
Die Grundsätze des Schreibens kommen in ihrer Makrostruktur auch denen des Sprechens sehr nahe. Auch hier bewegen wir und allerdings nicht auf der Phonem – sondern auf der Graphemebene. Zuerst müssen Grapheme, dann Syntax und andere wichtige Bestandteile der Grammatik erlernt werden. Der erste Text, den man im Fremdsprachenunterricht häufig schreibt, ist der über sich selbst. Dazu ist es nötig die Vokabeln zu kennen und auch in der Lage zu sein Verben in der ersten Person Singular konjugieren zu können. Danach folgt eine Zunahme an Konjugationsformen einer Sprache. Auf den höheren Sprachstufen läuft dies aber ganz genauso. Man muss sich immer erst ein neues Vokabular erarbeiten und dann kann ein Lernender einen Text zu einem bestimmten Thema verfassen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich alle vier Kompetenzen oder Lehrmethoden von der Laut – oder Graphemebene zur Satzebene und dann zur Text – oder Globalebene bewegen. Ein Lernender muss diese Stufen durchlaufen, um eine Sprache sauber lernen zu können. Kinder lernen etwas anders. Beginnt der Fremdsprachenunterricht früh, lernen sie Bilder mit Worten zu verknüpfen. Erwachsene verknüpfen in allen vier Teilbereichen Wörter mit Wörtern.
Quellen:
Bausch, Karl-Richard; Christ, Herbert; Krumm, Hans-Jürgen (1997): Handbuch Fremdsprachenunterricht. 3.überarbeitete und erw. Tübingen: Francke.
http://www.glottopedia.de/index.php/Inferieren (zuletzt abgerufen: 23.05.2011, 14:00 Uhr)
