Leichte Sprache für die Arbeit mit geistig behinderten Menschen

Geistig Behinderte brauchen die leichte Sprache - (c) Gerd Altmann / pixelio.de
Geistig Behinderte brauchen die leichte Sprache - (c) Gerd Altmann / pixelio.de
Lern- und geistig behinderte Menschen müssen in einer leichten Sprache unterrichtet und weitergebildet werden. Und diese leichte Sprache hat Regeln.

Wer mit lern- oder geistesbehinderten Menschen arbeitet, weiß, dass man ihnen Dinge nicht erklären kann, wie einem Informatikstudenten. Der Lernstoff muss für sie plausibel und somit leicht verständlich sein. Das verbietet automatisch den Gebrauch von Fremdwörtern oder verschachtelten Sätzen. Ihnen gegenüber muss man eine besondere Form des Ausdrucks anwenden – die leichte Sprache.

Die leichte Sprache ist nicht leicht zu sprechen

Im Studium hat der Akademiker gelernt, sein Wissen mit Fachwörtern auszuschmücken. Lange verschachtelte Sätze in Paarung mit Fachchinesisch – hierauf kommt es bei der Abschlussarbeit an. In der praktischen Arbeit müssen Grundschullehrer und Pädagogen, die mit geistig- oder lernbehinderten Kunden arbeiten, ganz anders kommunizieren. Sie müssen von ihrer wissenschaftlichen Sprache wieder umlernen auf einen Wortgebrauch, der sich stark an dem eines Grundschülers orientiert. Da sind schon Wörter wie quasi oder relativ fehl am Platz. Sätze müssen kurz und prägnant auf den Punkt gebracht werden. Das gilt nicht nur für das gesprochene Wort, sondern auch für Texte, Arbeitsblätter und Ähnliches.

Die Grundregeln der leichten Sprache

Die Wörter müssen kurz und leicht verständlich sein und dürfen nicht irgendein Fremdsprachen- oder Fachwissen voraus setzen. Menschen mit kognitiven Einschränkungen können kurze Wörter besser erfassen und ihnen eine Bedeutung zuordnen. So ist es besser, Tafel statt whiteboard oder Wörterbuch statt Duden zu sagen. Auch wenn die Wörter kurz und klar verständlich sein sollen, darf aber keine Ankürzungen in schriftlichen Texten benutzt werden. Vermerke wie usw. müssen als und so weiter ausgeschrieben werden.

Um den Lernstoff leichter verständlich zu machen, ist es wichtig, keine Synonyme zu verwenden. Die Sache sollte immer den gleichen Namen haben. So ist ein Stift immer ein Stift und nicht plötzlich ein Kugelschreiber. Der Wechsel der Begrifflichkeiten kann zu Verwirrungen fühlen, die der Lernende intellektuell oft selbst nicht bewältigen kann.

Auch grammatikalische Schnörkel sollten vermieden werden. Der Konjunktiv wird in den Medien und im Gespräch zwar gern benutzt, hat aber nichts in der leichten Sprache verloren. Der Lehrende sollte den Konjunktiv durch Wörter wie vielleicht oder möglich ersetzen. Statt also zu sagen morgen könnte es heiß werden, ist es besser morgen wird es vielleicht heiß zu formulieren. Die Möglichkeitsform bleibt dadurch gewahrt, ist aber leichter verständlich.

Die leichte Sprache sollte wenn möglich positiv formuliert werden. Aussagen wie Stefanie ist nicht hässlich sind nicht positiv belastet, obwohl sie etwas Positives aussagen. Für kognitiv beeinträchtigte Menschen ist es daher leichter verständlich direkt zu sagen Stefanie ist hübsch. Dadurch versteht sich von selbst, dass natürlich auch doppelte Verneinungen auszuschließen sind.

Wer mit kognitiv beeinträchtigten Menschen arbeitet, sollte die leichte Sprache erlernen

Die obigen Regeln sind nur ein kleiner Ausschnitt der geltenden Vorschriften der leichten Sprache und verdeutlichen, dass sie für den Anwender doch nicht ganz so leicht zu handhaben ist. Schon als Kind wurde uns beigebracht, immer ausgefallenere Wörter zu benutzen und die Sätze möglichst beeindruckend und stilsicher zu formulieren. Bis zum Erwachsenenalter haben wir dies mehr oder minder gut gelernt und vermeiden es, unsere Worte zu simpel zu formulieren. Das wirkt nach gesellschaftlicher Meinung plump und ungebildet.

Doch geistig- und lernbehinderte Menschen haben diese Entwicklung meist nie vollzogen. Sie sind sprachlich auf dem kindlichen Niveau stehen geblieben. Würde der Lehrer nun von ihnen erwarten, etwas Neues in der gesellschaftlich angemessenen Sprache zu lernen, würde er die Lernenden gleich vor eine doppelte Aufgabe stellen: Die für sie nicht erlernte Sprache und gleichzeitig den Lernstoff zu verstehen. Mit einer Lernbehinderung, geschweige denn geistigen Behinderung, ist dies nicht zu schaffen. Will der Lehrer also sicher stellen, dass der Unterrichtsstoff auch verstanden wird, ist eine leichte Sprache unabdingbar. Und auch nichtbehinderte Erwachsene würden sich sicher freuen, schwierige Sachverhalte endlich mal ganz anschaulich und simpel erklärt zu bekommen.

Quellen:

Kommunikation, Stefanie Vogel

Stefanie Vogel - Geboren wurde ich Anfang der 1970ern im Bundesland Hessen und bin nun im Rheingau Zuhause. Nach dem Abitur und einer mäßig ...

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