3D-Grafik für Einsteiger mit Bryce, DAZ Studio und Blender

Für Party gestylte Zwergin (DAZStudio und Blender) - Volker Wollny
Für Party gestylte Zwergin (DAZStudio und Blender) - Volker Wollny
Dank moderner kostenloser 3D-Grafiksoftware wie Bryce, DAZ Studio 3D und Blender kann mit etwas Kreativität praktisch jedermann zum Künstler werden.

Malen zu können ist wohl der Traum vieler Menschen, aber nicht jeder kann ihn verwirklichen. Um die räumliche Welt auf einer flachen Leinwand darzustellen, reicht es nicht, gute Ideen und einen Blick für Motive zu haben. Man muss sich mit Perspektiven auskennen oder ein angeborenes Gefühl dafür besitzen. Eine gut ausgebildete Feinmotorik gehört ebenso dazu und sicher noch ein paar andere Dinge, die sich unter dem Begriff „Talent“ zusammenfassen lassen.

Wer lediglich über die beiden ersten Eigenschaften verfügt, konnte sich bereits früher immerhin mit der Fotografie behelfen. Heutzutage ist die digitale 3D-Grafik hinzugekommen und ermöglicht es gewissermaßen, Dinge zu „fotografieren“, die gar nicht real existieren, sondern lediglich in einem virtuellen Raum digital modelliert wurden.

Mit der Metapher des Fotografierens lassen sich die Vorgänge beim Erzeugen digitaler 3D-Grafiken sehr gut erklären und verstehen: Beim so genannten Ray Tracing (etwa: „Strahlverfolgung“) wird der Weg der Lichtstrahlen von einer oder mehreren Lichtquellen durch das Objektiv auf eine virtuelle Bildfläche simuliert. Nach den Gesetzmäßigkeiten, die auch in der Realität gelten, ändern diese virtuellen Lichtstrahlen Richtung und Farbe, wenn sie auf Oberflächen auftreffen. Je aufwendiger der Ray Tracer programmiert ist, umso genauer werden die Gesetzmäßigkeiten der Optik berücksichtigt: Lichtbrechung in transparenten Körpern beispielsweise lässt sich genauso simulieren wie diffuse oder scharfe Reflexion auf matten oder glänzenden Oberflächen und dergleichen mehr. Wie in einem realen Fotostudio können dabei verschiedene Lichtquellen aufgestellt werden, um die Szene nach Wunsch auszuleuchten.

Gegenstände sind leicht zu modellieren

Bevor man jedoch etwas rendern (so heißt das Erstellen einer Abbildung eines digitalen Modells) kann, muss es virtuell vorhanden sein, Am Anfang der digitalen Kunst steht daher immer das Modelling, das Bauen einer Szene. Das Schöne dabei ist, dass man ein einmal erstelltes Objekt immer wieder verwenden kann – ähnlich wie in einem realen Film- oder Fotostudio oder auf dem Theater Requisiten wiederholt eingesetzt werden können. Oft muss man solche Requisiten auch nicht selbst erstellen, sondern kann im Netz etwas passendes finden. Da es bei guten 3D-Modellierprogrammen Import- sowie Exportfunktionen gibt und gängige Formate existieren, ist es kein Problem, Modelle zusammen zu verwenden, die in unterschiedlichen Programmen gebaut wurden.

Gegenstände wie Möbel, Gebäude, Geschirr und dergleichen sind relativ leicht zu modellieren: Sie sind in der Regel aus einfachen geometrischen Grundformen wie Quader, Kugel oder Kegel zusammengesetzt. Wenn man das einmal herausgefunden und gelernt hat, diese Grundformen zu erkennen, wird man recht schnell lernen, auf einfache Weise Tassen, Gläser, Häuser, Tische, Stühle, Hämmer, Feilen und vieles mehr herzustellen.

Ein sehr gutes 3D-Modellierprogramm ist Blender. Blender ist Open Source Software (Siehe Links am Ende des Artikels), kostet daher nichts, obwohl man damit nicht nur stillstehende Szenen, sondern auch Animationen und sogar dreidimensionale Computerspiele machen kann.

Lebewesen sind nicht so einfach zu bauen

Will man nicht nur Gegenstände, sondern auch Menschen und Tiere darstellen, wird es schon schwieriger. Die haben nicht nur fließende Formen, die sich nicht so ohne Weiteres aus geometrischen Grundkörpern zusammensetzen lassen, sondern sollen ja auch noch bestimmte Körperhaltungen einnehmen.

Natürlich lassen sich alle diese Dinge auch mit Blender lösen: Man kann mit diesem Programm praktisch jede beliebige Form herstellen, also auch menschliche Körper, Tiere und Pflanzen. Damit man nicht jede Pose (Körperhaltung) einer Figur gesondert modellieren muss, kann man seine Modelle mit Bones – Knochen, bei Blender heißen sie auch Armatures – versehen, denen bestimmte Bereiche der Oberfläche zugeordnet werden, Bewegt man dann die Bones, bewegt sich ähnlich wie bei einem realen Körper die Außenkontur mit.

Das alles ist jedoch relativ aufwendig und daher für den Anfänger nicht so gut geeignet. Es gibt jedoch eine einfache Lösung: Mit dem DAZ3D Studio kann man vorgefertigte Figuren anziehen, ausrüsten und posen (Körperhaltungen einnehmen lassen). Außerdem kann man Modelle von Gebäuden, Gebrauchsgegenständen und dergleichen importieren, die man zum Beispiel mit Blender gebaut hat, und so komplette Szenen gestalten und schließlich rendern.

Die Figuren im DAZ Studio lassen sich nicht nur posen, sondern zum Teil auch mit einer Art eingebauten Reglern im Aussehen verändern. Wenn das nicht reicht, gibt es auch ein mächtiges Werkzeug namens D-Form, mit dem sich die Figuren noch weiter verformen lassen: Knubbelige Zwergennasen, spitze Ork- und Elfenohren, Hörner, ausladende Brüste und Gesäße, Reißzähne und vieles mehr lassen sich so mit eine wenig Geschick und Erfahrung modellieren.

Das DAZ Studio ist zwar keine Open Source Software, aber es gibt eine kostenlose Version, die man sich bei DAZ3D herunterladen kann (siehe Links). Eine Grundausstattung an Figuren und allerlei Gegenstände gibt es ebenfalls umsonst. Weiteres Material muss man kaufen. Eine schlaue Geschäftsidee, aber man kann sie genauso schlaue unterlaufen, indem man im Netz nach kostenlosem Material sucht und/oder sich Dinge mit Blender selbst baut.

Spezialsoftware für Landschaften

Eine weiteres Spezialgebiet der 3D-Grafik sind Landschaften; auch sie kann man im Prinzip mit dem Alleskönner Blender bauen. Einfacher geht es jedoch mit einem speziellen Landschaftsgenerator wie etwa Bryce, der ebenfalls bei DAZ3D zu haben ist. Neben dem Modellieren und Texturieren der Bodenoberfläche bietet er Möglichkeiten zum Erzeugen von Steinen und Bäumen sowie vor allem auch Licht- und Wetterverhältnissen.

Diese Landschaften kann man dann entweder mit Figuren(gruppen) aus dem DAZ Studio und/oder Gegenständen aus Blender beleben oder rendern und als Hintergründe in DAZ Studio oder Blender einsetzen. Bryce ist ebenfalls keine Open Source Software, kann aber wie das DAZ Studio bei DAZ3D kostenlos heruntergeladen werden.

Zum Schluss kann man das gerenderte Bild noch mit einem Grafikprogramm nachbearbeiten: GIMP wäre hier eine kostenlose Lösung. Speziell mit GIMP lässt sich dem Bild auch das Aussehen eines Ölgemäldes oder eines Cartoons geben. Dadurch lässt sich ein Bild auch sehr gut "homogenisieren", wenn es Unterschiede im Realismusgrad der verwendeten Teile gibt.

Noch ein paar mehr Informationen zu diesen Programmen und Links zum Download von Blender, Bryce und dem DAZ Studio gibt es in diesem Artikel auf Fokkos Selbstversorger-Blog. Einige Beispiele für Bilder, die mit diesen Programmen erzeugt wurden, sind in der Rubrik „Fantasy-Kunst" auf Fokkos Fantasy-Blog zu finden.

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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