Die Wiederentdeckung älterer Kochbücher verrät einiges über die kulturellen Hintergründe einer Epoche und ihrer Gesellschaft sowie ihrer Esskultur, vor allem wenn den Rezeptbüchern eine Einleitung vorangestellt wird. Das unten beschriebene Rezept stammt aus dem Jahr 1973 und wurde als Picknick-Gericht vorgeschlagen. Das bedeutet zum einen, dass es sich um eine leicht transportierbare Spezialität handelte, die sowohl warm als auch kalt verzehrt werden konnte, ohne Schaden davon zu tragen, wenn zum Beispiel an heißen Tagen eine längere Anreise mit dem Auto zum Ausflugsziel geplant wurde. Zum anderen implizierte ein solcher Gerichtvorschlag - wie einige Zeilen der Einleitung zum Buch verraten -, dass auch eine rasch fertiggestellte, kalte Mahlzeit gesund sein und liebevoll zubereitet werden sollte.

Die Veränderung der italienischen Küche in den 1970er Jahren

Einige, neu hinzu gekommene Faktoren führen zur Veränderung des damaligen italienischen Kochverständnisses, das bis in die heutige Zeit reicht.

Vereinfacht dargestellt hat man es in jener Zeit mit zwei Frauendaseinsformen zu tun: auf der einen Seite steht die Hausfrau, die - zunehmend auf sich allein gestellt - , sich um Haushalt und Familienwohl kümmern muss; auf der anderen Seite sorgt das sukzessive Aufkommen der Berufstätigkeit der Frau außerhalb der eigenen vier Wände für eine begrenzte Kochzeit. Zeitmangel liegt beiden Frauendaseinsformen als problematischer Faktor zugrunde.

So entwickelt sich ein neues kulinarisches Phänomen, bei dem die komplizierten, reichhaltigen Speisen, die eine lange Zubereitungsphase erforderten (beispielsweise die Polenta), durch das Modell der schnell zubereiteten Mahlzeit ersetzt werden sollten. Wenn bis dahin das typische Dreigänge-Menu zu servieren war, so weicht dieses einer durch neue Kochmethoden - dem Grillen oder Dampfgaren- unkomplizierten, schnellen und leicht bekömmlichen Küche.

Erstmalig wird ebenso auf eine kalorienarme Ernährung unter Verwendung von saisonalen und regionalen Marktprodukten Wert gelegt, sahnehaltige Soßen werden durch fettarmere Varianten ersetzt, die Wiederentdeckung der Einfachheit wird zelebriert.

Auch die Verlage für Kochbücher richten sich nach diesem neuen Phänomen, indem sie sich auf unkomplizierte sowie kalorienarme Rezepte spezialisieren.

Durch äußere Einflüsse konditioniert werden die Wünsche von Ehemann und Kindern, die sich nicht mehr mit einem gewöhnlichen Sandwich als Ausflugsmahlzeit zufrieden geben, anspruchsvoller. Zeitmangel, diätetische sowie neumodische kulinarische Ansprüche erschweren somit der Hausfrau den Akt der leiblichen (und in jener Zeit auch wohl moralischen) familiären Versorgung.

Und hier bieten die neuen Rezeptbücher den Hausfrauen Abhilfe, jedoch immer unter der Prämisse, dass das Kochen und Zubereiten als ein „Akt der Liebe“ für die Familie, so wie es in der Einleitung zum Kochbuch klar zum Ausdruck kommt, verstanden wird.

Zucchini-Kuchen (Tortino di Zucchini) für 2-4 Personen

Zutaten für den Blätterteig (oder zur Not eine Fertigrolle aus dem Kühlregal):

  • 500 g Mehl
  • 4 EL Olivenöl
  • Salz
  • Etwas Wasser

Zutaten für die Füllung:

  • 600 g Zucchini
  • 2 Eier
  • 50 g geriebener Parmesan
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 Zwiebel
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Das Öl (3 EL) in der Pfanne erhitzen und die gewürfelte Zwiebel darin goldig anbraten. Die in dünnen Scheiben geschnittene Zucchini dazu geben, mit Salz und Pfeffer würzen und regelmäßig rühren, bis sie fast gar sind; dann vom Herd nehmen und abkühlen lassen.

In der Zwischenzeit die Eier in eine Schale schlagen und den Parmesan hinzu geben. Wenn die Zucchini fast vollständig abgekühlt sind, die Eier mit dem Parmesan darauf geben und gut vermischen.

Mehl, Salz und Öl mit lauwarmem Wasser anrühren. Den Teig mit einem Nudelholz glatt kneten und in eine eingefettete Auflaufform legen. Den Teig über den Rand der Auflaufform hängen lassen, die Zucchini darüber geben und die hängenden Teigränder über den Zucchini zu einem Kuchenrand formen. Zuletzt ein Schuss Olivenöl auf den Kuchen geben.

Die Form auf den Rost in den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen schieben und warten, bis der Teig eine goldig-braune Farbe annimmt.

Das Gericht kann sowohl warm als auch kalt serviert werden.

Quelle:

Garolla, Ada (Hg.): Cucina per le Vacanze. Cucinare Vol. 7. Istituto Geografico De Agostini - 1973