Leistungsdruck, Nachhilfe und der Wunsch, ein Kind zu sein

Leistungsdruck, Nachhilfe, zusätzliche Übungen - damit wollen wir unsere Kinder fit machen für die Zukunft, doch es gibt auch andere Wege.

Haste was, biste was – diese banale Weisheit früherer Tage gilt heute mehr denn je. Aus diesem Grunde versuchen alle Eltern ihren Kindern ein erfolgreiches Leben zu ermöglichen. Dafür bedarf es grundsätzlich des Abiturs, einer tadellosen Biografie, einem Nebenjob, denn man muss sich ja früh daran gewöhnen, Geld zu verdienen. Sind die Erfolge dann nicht so, wie man sie sich vorstellt, so bleibt oft nur der Druck durch das Elternhaus, tagelanges Lernen, Reduktion der Freizeit.

Nachhilfe

Einen Ausweg bietet dabei der Besuch von Nachhilfeeinrichtungen. Diese verfügen meist über geschultes Personal, das den Lernschwierigkeiten der Kinder professionell begegnen kann, so dass sich mittelfristig Erfolge einstellen, womit langfristiges gutes und intensives Arbeiten gewährleistet wird. So kann aus einer glatten Fünf doch eine sichere Drei werden, und wer weiß, vielleicht reicht es eines Tages ja auch für ein Gut. Wichtig ist nur, dass die Förderung langfristig angelegt ist, wer auf schnelle Erfolge hofft, wird enttäuscht werden.

Übungsmaterialien

Doch Lern- und Bildungserfolg lässt sich nicht erzwingen, grundsätzlich müssen die Kinder bereit und gewillt sein, ihr Leben und ihre Zukunft in die Hand zu nehmen, ein gut gemeinter Rat von den Eltern kann dabei helfen, ersetzt aber nicht das persönliche Engagement der lieben Kleinen. Das ist es ja gerade, woran die privaten Übungsstunden scheitern, zwar werden mehr oder weniger professionell erstellte Übungsmaterialien angeschafft, doch als lästige Zusatzübung verbauen sie eher noch den Lernerfolg, anstatt ihn zu beflügeln. Gute Materialien findet man leicht, haben sich doch namhafte Verlage auf diesem Feld hervorgetan. Dennoch bleiben diese Materialien ohne die notwendige Eigeninitiative wirkungslos, weshalb andere Wege gegangen werden müssen.

Grundsätze für langfristigen Lernerfolg

Das A und O einer soliden Bildung bildet die persönliche Einstellung, weshalb hierin die Stellschraube für langfristigen Lernerfolg zu sehen ist. Doch wie kann eine solche, sicherlich von allen gewünschte Einstellung erreicht werden? Worin liegt der Schlüssel erfolgreichen Lernens? Die Antwort ist so einfach wie banal: Zeit. Um Kinder zu motivieren, braucht es Zeit. Ohne eine ansprechende Freizeitgestaltung verkommt der Schulalltag schnell zu einer ungeliebten Pflichtübung. Das Lernen wird als etwas Negatives gesehen, was die Kinder von dem eigentlichen Leben abhält. Deshalb sollte den Kindern Raum für die Entfaltung ihrer Persönlichkeit in der Freizeit gewährt werden. Gibt man ihnen Freiheiten, so werden sie auch mit größerer Motivation an ihre Pflichten gehen.

Nicht zuletzt braucht es aber auch Zeit und Muße, dass sich Gelerntes setzen kann, dass neue Verknüpfungen im Gehirn entstehen, welche für anwendbares Wissen unvermeidlich sind. Das heißt nicht, dass Nachhilfe und Übungen zu Haus nun generell verboten werden sollten, im Gegenteil. Aber es sollte nur in dem Umfang davon Gebrauch gemacht werden, wie es für die Kinder hilfreich ist. Vielleicht reicht ja ein Besuch der Nachhilfeeinrichtung, vielleicht können Matheprobleme auch auf literarischem Weg gelöst werden (etwa mit Enzensbergers Zahlenteufel), vielleicht stellt sich der Lernerfolg aber auch schon ein, wenn etwas mehr Ruhe im Leben des Kindes herrscht. Kinder wollen in erster Linie Kinder sein – und Kinder wollen lernen. Lassen wir sie.

Quellen: eigene Recherche (Erfahrungen aus dem Schulalltag und Gesprächen mit meinen Schülern)

Philipp Meischner, Philipp Meischner

Philipp Meischner - Ich bin mittlerweile30 Jahre alt und habe dabei schon in unterschiedlichen Regionen gelebt. Aus dem Gebirge kommend ging ich in die grauen ...

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