Neben Klausuren und Hausarbeiten gehören auch Referate als Prüfungsleistung an Universitäten beinahe zum Alltag. Wie viel Aufwand Sie für das jeweilige Referat betreiben müssen, um eine Note zu bekommen, hängt dabei nicht nur von Ihnen ab, sondern auch von der Anzahl der Credit Points, die für das jeweilige Seminar ausgeschrieben sind. Jedoch gibt es auch bei Referaten, wie bei allen anderen Prüfungen, denen Sie sich in Ihrem Studienleben unterziehen, einige Punkte, durch deren Beachtung Sie selbst Ihre Note beeinflussen können.
Der Titel
Schon durch einen gelungenen Titel können Sie sowohl Ihre Mitstudenten als auch den Dozenten auf das Einstimmen, was sie in den durchschnittlich 20 Minuten, die ein Referat in Anspruch nimmt, erwarten wird. Es empfiehlt sich immer, nicht nur das Thema des Referats im Titel zu verarbeiten, sondern auch im Untertitel anzugeben, worauf genau Sie sich in Ihrem Vortrag beziehen werden.
Ein Beispiel: Sie wollen ein Referat über Exilliteratur halten. Ihr Titel lautet aus praktischen Gründen "Die Exilliteratur". Da das Thema der Exilliteratur zu vielschichtig ist, um es in einem Referat gesamt zu behandeln, müssen Sie sich vorher auf einen Aspekt dieses Themas festlegen, den Sie dem Plenum näherbringen wollen. So könnte der Titel Ihres Referates etwa "Die Exilliteratur – deutsche Literaten um René Schickele im französischen Exil" lauten.
Die Gliederung
Wie bei einer Hausarbeit, sollte auch ihr Referat die Gliederung "Einleitung", "Hauptteil" und "Schluss" aufweisen. Es ist jedoch nicht ratsam, seinen Punkten einfach diese Bezeichnungen zu geben, sondern sie mit direktem Bezug zu ihrem Inhalt zu benennen. Hier ist zu beachten, dass es immer nur dann einen Unterpunkt x.1 geben kann, wenn es auch einen Unterpunkt x.2 gibt.
Beispiel:
1 Einleitung: Was bedeutet Exilliteratur?
2 Schriftsteller im französischen Exil
2.1 Fokus auf Paris
2.2 Fokus auf Sanary-sur-Mer
2.3 Fokus auf Nizza
3 Die Flucht aus Frankreich 1938
4 Zusammenfassende Betrachtung
Die Einleitung
Die Einleitung jedes Referats soll den Zuhörer auf das Thema vorbereiten. Hier können Sie bei Referaten in geisteswissenschaftlichen Fächern Ihr Thema in einen größeren geschichtlichen Zusammenhang einbetten. Das sollte jedoch nicht ausarten, sondern dem Leser lediglich den Einblick geben, welche Ereignisse sich parallel zu Ihrem Thema vollzogen haben. Gestalten Sie Ihren Einstieg interessant, um Ihr Publikum vom ersten Moment an sich zu binden. Beten Sie keine Jahreszahlen herunter, sondern stellen Sie eine Frage an das Plenum, stellen Sie ein Zitat vor oder schauspielern Sie um die Zuhörer zu fesseln.
Ein Beispiel: Sagen Sie bei einem Referat über das Thema nicht, dass das Exil aufgrund der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten notwendig war. Erzählen Sie, dass Erich Kästner in Berlin am 10. Mai 1933 persönlich anwesend war, als man seine Schriften verbrannte. Davon ausgehend können Sie dann sagen, welche Schriftsteller noch von der Bücherverbrennung betroffen waren und später gezwungen waren, zu flüchten.
Der Hauptteil
Der Hauptteil des Referats ist dazu bestimmt, den Forschungsgegenstand an sich darzulegen. Sinnvoll ist es, den Hauptteil in zwei bis drei große Punkte zu gliedern. Zu viel Stoff sollten Sie nicht in Ihrem Referat behandeln, denn einerseits haben Sie lediglich 20 bis 25 Minuten Zeit, andererseits ermüdet es Ihre Zuhörer. Fragen, die Sie im Hauptteil behandeln sollten, sind:
- Wie ist die Quellenlage?
- Gibt es aktuelle Forschungsergebnisse?
- Stimmt die Meinung von Forschern, Autoren mit meiner überein?
Was auch immer Sie in Ihrem Referat hinterfragen: Es muss objektiv und präzise geschehen. Eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben, die Sie innerhalb des Hauptteils Ihres Referates zu bewältigen haben, ist die Auswahl. Beschränken Sie sich, wie schon angedeutet, auf die wichtigsten Punkte, da sonst die Gefahr besteht, dass sich Ihre Zuhörer langweilen. Die Aufmerksamkeit Ihrer Mitstudenten entscheidet oft mit über den Verlauf Ihres Vortrags. Bei längeren Referaten empfiehlt es sich zudem, immer wieder Orientierungshilfen zu geben.
Ein Beispiel: Sie befinden sich in Punkt 2.2 – „Fokus auf Sanary-sur-Mer“ – des Vortrags über die Exilliteratur in Frankreich und haben einleitend über Thomas Mann gesprochen. So können Sie sagen: „Auch Thomas Mann, den ich im ersten Punkt meines Referates schon näher vorgestellt habe, befand sich zwischen 1933 und 1938 im Küstenort Sanary-sur-Mer.“
Ebenso können Sie dem Plenum immer wieder mitteilen, welcher Punkt als nächster folgen wird, um ihr Plenum auf dem Laufenden zu halten. Empfehlenswert ist es, zu jedem Unterpunkt eine kurze Zusammenfassung zu geben. Abschließend können Sie im Hauptteil auch noch Forschungserkenntnisse, die Sie eventuell gemacht haben, einbringen und erwähnen, was Sie zu Ihrem Thema denken.
Der Schluss
Der Schluss eines jeden Referats dient dazu, zusammenzufassen. Sie greifen die wichtigsten Punkte Ihres Referats noch einmal auf und fassen diese für Ihre Zuhörer kurz zusammen. Für den Fall, dass Sie Ihren Zuhörern am Anfang eine Frage gestellt haben, bildet deren Beantwortung den Abschluss Ihrer Arbeit. Danach sollten Sie in eine Diskussion mit dem Plenum überleiten. Hierzu ist es ratsam, Fragestellungen zu formulieren, die mit dem Ziel Ihres Referats, das Sie in der Einleitung formuliert haben, in direktem Zusammenhang stehen.
Quelle:
Gerd Presler, Jürgen Döhmann: Referate schreiben – Referate halten. Ein Ratgeber. München: Fink 2004.
