Seiner Zeit war er stets voraus. Erst Jahrhunderte später konnten seine Vorstellungen von Maschinen und Kriegsgerät umgesetzt werden. Die Hochzeit der Renaissance (15./16. Jh.) stand unter dem Stern des Universalgelehrten Leonardo da Vinci.
Der Mensch da Vinci
Am 15. April erblickte in einem kleinen Ort unweit von Florenz Leonardo da Vinci das Licht der Welt. Sein Vater, Ser Piero da Vinci, erkannte früh das Talent des Jungen. Dessen Interesse an der Kunst war offensichtlich.
Aus diesem Grund zeigte Ser Piero die Entwürfe des Jungen dem bekannten Bildhauer, Maler und Goldschmied Verrochio.
Die Lehrjahre Leonardos begannen.
Als wichtigsten Lebensabschnitt des Italieners betrachtet man seine Ausbildung bei Verrocchio.
Nicht nur, dass er dort eine professionelle Ausbildung genoss; in diesem Atelier war es dem jungen da Vinci vergönnt, eigene Zeichenversuche und Experimente zu unternehmen.
Jugendwerke wie "die Taufe Christi" oder "Hieronymus" entstanden. Weiterhin lernte er unter anderem Botticelli kennen.
Sein Hauptaugenmerk legte er jedoch auf die Beobachtung der Natur. Ungewöhnliche Landschafts- formen, fremd wirkende Tiere und Pflanzen, mysteriöse Erscheinungen; diese Dinge faszinierten ihn.
Zahlreiche Skizzen zeugen von dem großen Interesse, welches der Künstler ihnen entgegenbrachte.
Und genau dies unterschied ihn von zeitgenössischen Künstlern.
Der Wissenschaftler im Künstler
Bis zu seinem Tod am 02.05.1519 bei Amboise beschäftigte sich da Vinci immer mehr mit der Planung und teiweise auch der Konstruktion von technischen Geräten sowie naturwissenschaftlichen Problemen.
Besonders seine sehr genau proportionierten anatomischen Skizzen sind weltbekannt. Durch das Sezieren von Leichen gewann Leonardo einen Einblick in die Beschaffenheit des menschlichen Körpers. Einige seiner Entwürfe dienen heute noch als Anschauungsmaterial für angehende Mediziner.
Waghalsig anmutende Flugapparate, welche an Helikopter erinnern, deuten auf den Wunsch hin, die damaligen Grenzen des Möglichen zu überschreiten.
Desweiteren liegt ein enormes Verständnis für die Wirkung physikalischer Gesetze vor. Bewegungs- und Hebelgesetze, die Reflexion von Wärmestrahlen, Tonschwingungen....
Eine Menge an nutzbringenden Erfindungen entstammen dem Geiste da Vincis. Druckpumpen, Brennspiegel, Taucherglocken, aber auch Kriegsmaschinerie stellen Ergebnisse seiner weitfassenden Schaffenskraft dar.
Schicksal eines Genies
Die bahnbrechenden Erkenntnisse des Universalgenies erweckten Neid und Furcht bei einigen seiner Zeitgenossen. Von seinen Auftaggebern, beispielsweise den Medicis, bewundert, bezeichnete ihn das Volk häufig als Hexer. Obwohl Leonardo okkulten Künsten abgeneigt gegenüber stand, erschienen seine Entdeckungen irreal, unmöglich.
So verbrachte da Vinci ein einsames, introvertiertes Leben. Über das Wesen des Italieners ist nicht viel bekannt. Während seiner Lehrzeit bei Verrocchio galt er jedoch als höflicher, freundlicher Schüler.
Die sexuelle Orientierung des Meisters ist unklar. Erwiesenermaßen musste eine Anklage wegen Homosexualität nur mangels Beweisen eingestellt werden. Weiterhin existiert die Theorie, bei der Mona Lisa handele es sich um ein Selbstportrait des Malers in femininer Kleidung.
Viele Geheimnisse ranken sich immer noch um den Ausnahmekünstler da Vinci. Darunter ebenso viele Unwahrheiten, wie Ungewissheiten.
Aber ist es nicht gerade dieser Nimbus des Geheimnisvollen, der eine wirklich große Persönlichkeit ausmacht?
