Leonhard Frank - Gedenkjahr in Würzburg

Würzburg - Heimatstadt Leonhard Franks - Bernadette Schilder/pixelio.de
Würzburg - Heimatstadt Leonhard Franks - Bernadette Schilder/pixelio.de
Würzburg ehrt einen berühmten Sohn der Stadt, den Schriftsteller Leonhard Frank, in seinem 50. Todesjahr mit zahlreichen Veranstaltungen. Ein Überblick.

Das Verhältnis Leonhard Franks zu seiner Heimatstadt Würzburg war nicht immer reibungslos, aber seitens des Schriftstellers immer geprägt von einer aufrichtigen Zuneigung. Die unterfränkische Metropole am Main und ihre Umgebung bildeten oft den Hintergrund für seine zeitkritischen Erzählungen und Romane, mit denen er besonders in der Weimarer Republik zu einem der bekanntesten und auch engagiertesten Autoren wurde. Zu seinem fünfzigsten Todestag ehrt ihn die Stadt mit zahlreichen Veranstaltungen.

Autorentheatertage "Nacktes Leben" 16./17. Juni 2011

Im Mainfranken-Theater Würzburg werden szenische Lesungen von drei Dramen gegeben, die sich für das Finale des ausgeschriebenen Leonhard-Frank-Preises qualifizieren konnten. Der Preis ist mit 4.000 Euro dotiert und wird zum fünften Mal vergeben. Die Veranstaltung findet statt in den Kammerspielen, Oeggstraße 2, 97070 Würzburg. Der Eintritt ist frei, Beginn 20 Uhr.

Schreibwettbewerb "Jungsein in Würzburg" 4. Juli 2011

Sicher ganz besonders im Sinne Leonhard Franks, der sich für die Rechte von Jugendlichen und Schülern einsetzte, ist die schöne Idee, einen Schreibwettbewerb für Haupt- und Mittelschulen zu organisieren. Die Stadt übernahm die Schirmherrschaft, das Mainfranken-Theater, die Stadtbibliothek und die Leonhard-Frank-Gesellschaft halfen mit. Am Montag, dem 4. Juli, werden nun um 11 Uhr im Theater die Ergebnisse präsentiert. Die Gewinnertexte werden später von der Leonhard-Frank-Gesellschaft veröffentlicht. Ort: Kammerspiele, Oeggstraße 2, 97070 Würzburg. Eintritt frei.

Lesung mit Prominenten im Sommer

Der genaue Termin steht noch nicht fest, doch der Ort, das gemütliche Café der Würzburger Stadtbücherei und die Einführung von Hans Steidle wie auch die musikalische Begleitung durch das Duo Schwander-Goltz, versprechen jetzt schon eine ganz besondere Unterhaltung. Die Stadtbibliothek ist am Marktplatz 9 in 97070 Würzburg, erbeten wird ein kleiner Obolus von 5 Euro, der einem guten Zweck zugeführt wird.

"Die Räuberbande" als Schauspiel, Premiere 29. Juli 2011

Bestes Beispiel für die schon erwähnte Liebe zur Jugend ist - neben der Erzählung "Die Ursache" - Franks später Roman "Die Räuberbande", die Geschichte einer Jugendbande in einem längst untergegangenen Würzburg. Die Zeiten haben sich geändert, die Gefühle der Jugend sind ähnlich geblieben. Eine spannende Neuinterpretation des Romans als Schauspiel bietet das Theater am Neunerplatz ab dem 29. Juli. Dieses befindet sich am Adelgundenweg 2a (Eingang Schulhof) in 97082 Würzburg.

Weitere Aufführungen auf der Homepage des Theaters.

Auf den Spuren Leonhard Franks - Ausstellung September/Oktober 2011

Gezeigt werden Aufnahmen aus Würzburg zur Zeit Leonhard Franks - eine Welt, die durch die schwere Bombardierung der Stadt kurz vor Kriegsende so gut wie völlig verschwunden ist.

Zu sehen in der Volkshochschule Würzburg vom 12. September bis 28. Oktober, Münzstraße 1, in der dortigen Galerie im Flur. Der Eintritt ist frei.

"Ohne zu zögern" - Ausstellung im Rathaus September/Oktober 2011

Im Rathaus findet parallel eine Ausstellung statt, die sich mit der Situation der deutschen Künstler im Exil 1933-1945 befasst. Im Mittelpunkt steht dabei der amerikanische Journalist Varian Fry, der zahlreichen deutschen Exilanten in den USA behilflich war, darunter - neben Leonhard Frank - auch Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann oder Franz Werfel. Die Ausstellung wird von zahlreichen Veranstaltungen begleitet und bietet auch Material und Führungen für Schulen an. Ort: Rathaus, Oberes Foyer, 97070 Würzburg. Der Eintritt ist frei. 19. September bis 7. Oktober, jeweils Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, Freitag von 8 bis 14 Uhr.

Filmvorführungen im Oktober 2011

Gleich zwei Verfilmungen von Leonhard Frank zeigt das Central Programmkino im Oktober:

  • "Heimkehr" nach Franks berühmter Novelle "Karl und Anna". Der deutsche Stummfilm von 1928 (Regie: Joe May) wird von Klaviermusik begleitet. Termin: 7. Oktober, 20 Uhr, Eintritt 8 Euro, ermäßigt 7 Euro.
  • "Niemandsland", zu dem Leonhard Frank selbst das Drehbuch verfasste, Regie hatte Victor Trivias, die Besetzung war international, die Musik stammte von niemand Geringerem als Hanns Eisler. Termin: 9. Oktober, 20 Uhr. Eintritt 6 Euro, ermäßigt 5 Euro.

Beide selten gezeigten Filme sind ein besonderes Schmankerl auch für Cineasten. Das Central Programmkino ist in der Maxstraße 2 (Eingang Hofstraße).

Literatur und Politik. Das Beispiel Leonhard Frank. Vortrag 26. Oktober 2011

Von Beginn an verstand Leonhard Frank sein literarisches Schaffen immer auch als poltitisches Engagement. Sein berühmter Erzählungsband "Der Mensch ist gut" war ein pazifistischer Aufruf zu einer Zeit nationaler Verhärtungen mitten im 1. Weltkrieg, ihn interessierte das Schicksal der Arbeitslosen, misshandelter Schüler, falscher Moral, der Kampf gegen die Todesstrafe und für Versöhnung. Frank machte aus seiner linken Einstellung keinen Hehl und sich dadurch nicht immer beliebt. Der Vortrag an der Volkshochschule geht diesem Phänomen der Verbindung von Kunst und Politik nach. Begleitet wird er wieder vom Duo Schwander-Goltz. Vhs Würzburg, Münzstraße 1, Großer Saal, Beginn 19.30 Uhr. Eintritt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.

Den Veranstaltungen sind viele Besucher zu wünschen, Anhängern Leonhard Franks, aber auch neugierige und hoffentlich viele zukünftige LeserInnen eines Autors, der mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Als Lesetipps empfehlen sich die kurze Novelle "Karl und Anna" (Reclam) oder der Roman "Die Räuberbande" (als Taschenbuch im Aufbau Verlag).

Mehr Informationen bietet die Leonhard-Frank-Gesellschaft.

Bild: Bernadette Schilder - pixelio.de

Benedikt Grimmler, B.Grimmler

Benedikt Grimmler - Jahrgang 1980, Kulturwissenschaftler. Geboren im Frankenwald, seit Jahren am Bodensee. Freut sich über Anregungen und ...

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