Wenn prächtig geschmückte Pferde, Wagen, Reiter, Frauen und Kinder in bunten Trachten durch die Straßen ziehen, dann wird der Heilige Leonhard von Limoges geehrt. Der Ursprung der Leonhardifahrten geht wahrscheinlich auf die altgermanische Weihefahrt zu Ehren Wotans zurück, dem Vater aller germanischen Götter. Schon bei den Germanen galt das Pferd als heilig. Wie so viele, wurde auch dieser ursprünglich heidnische Brauch in das Christentum übernommen.

Benedektinerabt St. Leonhard von Limoges wurde zum Schutzpatron

Als Patron wählte das Volk den Benedektinerabt St. Leonhard, der im 6. Jahrhundert als Einsiedler bei Limoges in Frankreich lebte. Weil er sich den Armen, Verfolgten und Gefangenen annahm, wurde er oft mit einer Kette an der Hand abgebildet, die die Landbevölkerung als „Kuhkette“ interpretierte. Grund genug für das Landvolk, ihn als Schutzpatron aller landwirtschaftlichen Tiere zu verehren. Da die Pferde für die ländliche Bevölkerung als Last- und Arbeitstiere eine besonders wichtige Rolle spielten, wurde er insbesondere der Schutzpatron der Pferde. Ihm zu Ehren finden in Bayern und im westlichen Österreich noch immer bzw. wieder viele Leonhardifahrten und –ritte statt. Bei diesen Prozessionen ziehen prächtig geschmückte Wagen und Pferde durch die Orte. Ziel ist oft eine Kapelle, an der ein Priester die Tiere segnet und sie damit unter den Schutz von St. Leonhard stellt, damit dieser Tierseuchen und anderes Unglück von ihnen abwende. Die Tradition des Leonhardirittes bzw. Leonhardifahrt ist schon seit mehr als 500 Jahren bekannt. Aufzeichnungen über den Leonhardiritt in Leonhardspfunzen im Landkreis Rosenheim datieren diese Veranstaltung auf das Jahr 1436. Der erste urkundlich erwähnte Prozession zu Ehren St. Leonhards fand 1442 in Kreuth am Tegernsee statt. Von 1809 bis 1833 gab es solche Ritte und Fahrten nicht aufgrund eines staatlichen Verbotes, welches religiöse Umritte untersagte. Als 1833 dieses Verbot durch König Ludwig I. von Bayern aufgehoben wurde, waren viele Leonhardiritte- und fahrten in Vergessenheit geraten und lebten erst viele Jahre später wieder auf. In den letzten Jahren wurden einige Leonhardiritte wiederbelebt, wie z.B. in Leogang/Salzburg und in Meilenhofen. In anderen Orten wird die Tradition nur zu Jubiläen wieder aufgenommen, wie z.B. in Diepoldsberg bei Obing. Es gibt auch junge Leonhardiritte, die erst seit einigen Jahren veranstaltet werden, z.B. auf dem Brandlberg der Stadt Bogen im bayerischen Wald werden erst seit 1993 die Pferde im Rahmen einer Leonhardifahrt gesegnet.

Am 06. November ist der Gedenktag des St. Leonhards

Der traditionelle Gedenktag für den heiligen Leonhard ist der 6. November. Viele Prozessionen finden daher an diesem Tag oder einem benachbarten Wochenende statt. Der Termin spielt eine nicht so große Rolle, denn in einigen bayerischen Dörfern wird Leonhardi im Sommer gefeiert. Neben der Pferdeprozession, die meistens an einer Kapelle mit der Segnung der Tiere endet, findet zusätzlich ein weltliches Rahmenprogramm mit Bierzelt, Jahrmarkt und Tanzveranstaltung statt. Die Bauern und Pferdebesitzer spannen ihre Pferde vor Truhenwagen. Der Truhenwagen war das bessere Stück im Fuhrpark eines Bauernhofes mit massiven schrägen und im Vergleich zum Bretterwagen wesentlich höheren Bordwänden. Durch das große Ladevolumen war es das Gefährt für die größeren Betriebe, die damit Mehl und Getreide transportieren. Die Ausführungen unterschieden sich je nach eingespannten Vieh. Wurden sie von Pferden gezogen waren die Truhenwagen entsprechend größer, bei Ochsen etwas kleiner und bei Kühen wurden noch kleinere Wagen eingesetzt. Viele Truhenwagen sind durch reiche, aufwendige und bunt verzierte Schnitzereien, die biblischen Szenen zeigen, reine Augenweiden. Neben festlich geschmückten Pferden und Wagen sind auch zahlreiche Trachten zu sehen. Vielerorts ist es auch üblich, dass eine Figur des Heiligen Leonhard mitgeführt werden. Traditionell handelt sich bei den Reitern, die an der Prozession teilnehmen ausschließlich um Männer, während Frauen und Kinder gefahren werden. Bei manchen Ritten lebt diese Tradition heute noch.