
- Pythagoras - Gerd Altmann
Nicht immer ist der Verlauf der Kindheit für alles verantwortlich. Hinsichtlich des Lernens allerdings schon. Die Fähigkeit, schnell und effektiv zu lernen, entsteht bereits in allerfrühester Kindheit. Ein Kind lernt in einem Tempo, das von Erwachsenen kaum nachvollzogen werden kann. Der Grund ist recht einfach: Kinder lernen spielend. Sie sind von Natur aus wissbegierig und sie möchten alles ganz genau wissen. Darüber hinaus sind sie stolz auf alles, was sie schon können und noch stolzer auf alles, was sie noch dazulernen. Kinder sind kaum zu bremsen, wenn es ums Lernen geht. Sie müssen aber bereits in den allerfrühesten Phasen eine entsprechende Anregung erfahren. Immer wieder neue Anreize, die von Erziehenden vermittelt werden, Antworten auf die vielen tausend Fragen, die ein Kind stellt – und die Auffassungsgabe entwickelt sich immer schneller.
Fordern und fördern, aber nicht überfordern
Kinder nehmen jeden neuen Anreiz wahr. Sie möchten riechen, schmecken, fühlen, ertasten, die Dinge erkennen und herausfinden: Wie funktioniert das? Altersgerechtes Spielzeug und viel geistige Anregung, das ist es, was ein Kind braucht, um sich in großem Tempo zu entwickeln. Allerdings müssen Eltern auch darauf achten, ihr Kind nicht zu überfordern. Kinder wollen lernen, ja. Sie müssen auch in gewissem Maße lernen. Aber es gibt keinen Lehrplan, der eingehalten werden sollte. Es wird immer Kinder geben, die mit fünf Jahren schon lesen können, andere können bereits mit vier Jahren erkennen, wie spät es ist und ihren Namen schreiben. Und andere Kinder, die das Lesen erst in der Schule lernen und die Uhr sehr viel später erst begreifen. Kinder haben das Recht, sich individuell entwickeln zu dürfen und wenn sie etwas in einem bestimmten Alter noch nicht können, was das Nachbarskind vielleicht kann, dann ist das nicht schlimm – denn es wird im Gegenzug auch Dinge beherrschen, die das Nachbarskind vielleicht niemals begreifen wird. Eltern sollten von daher nicht darauf bestehen, dass das Kind bestimmte Fähigkeiten lernen muss – sondern dem Kind eher auf spielerische Weise die Gelegenheit geben, die Dinge lernen zu können.
Mehrsprachige Erziehung
Kinder lernen auch Sprache fast automatisch. In vielen binationalen Ehen wird versucht, die Kinder zweisprachig aufzuziehen: Der deutsche Elternteil spricht mit dem Kind Deutsch, der ausländische Elternteil kommuniziert mit dem Kind in seiner Landessprache – und das funktioniert in der Regel. Kinder können auch schnell einschätzen, mit welchen Verwandten sie Deutsch und mit welchen Verwandten sie die Sprache des anderen Elternteils sprechen müssen. Auch das Erlernen einer zweiten Sprache als Muttersprache neben der deutschen Muttersprache bedeutet ein großes Maß an Anregung für das Gehirn. Auch sollten sich Eltern darüber bewusst sein, dass gerade in frühestem Kindesalter die Wurzeln für die Zweisprachigkeit und grundsätzlich für das Erlernen von Sprachen gelegt werden. Gerade in den ersten Jahren lernt ein Kind eine zweite Muttersprache vollkommen selbstverständlich. In fortgeschrittenem Alter ist das zwar auch noch möglich, doch nicht mehr so einfach.
Die Kindergartenzeit
Die Zeit, die ein Kind im Kindergarten verbringt, stellt ebenfalls eine Lernphase dar. Das Kind lernt nicht nur viele neue Dinge hinzu, sondern lernt auch, sich in einem sozialen Umfeld, das nicht zur Familie gehört, zu integrieren, zu behaupten, sich zurechtzufinden. Nicht selten lernen Kinder hier automatisch auch Worte oder ganze Sätze einer anderen Sprache. Wenn die beste Freundin oder der beste Freund eine andere Muttersprache hat, ist das eine ganz normale Angelegenheit für ein Kind – denn die meisten Kinder saugen alles Neue auf wie ein Schwamm.
Die Schulzeit
In der Schulzeit, und hier ist die Rede von der Grundschule bis hin zu einem Hauptschulabschluss, Realschulabschluss oder auch dem Abitur, macht sich bemerkbar, wie intensiv ein Kind in den ersten Jahren gefördert wurde. Zweifelsohne gibt es Kinder mit Lernschwierigkeiten. In der Schulzeit stellt sich oft heraus, wenn ein Kind Schwierigkeiten mit einem bestimmten Fach hat. Gegen so manche Probleme kann man auch kaum etwas tun außer Nachhilfe und hoffen, dass der Groschen noch fällt. Grundsätzlich haben es aber Kinder in der Schule leichter, die schon in frühester Kindheit sehr gut gefördert wurden. Ihre Auffassungsgabe ist in den meisten Fällen viel höher und viele Schwierigkeiten tun sich erst gar nicht auf – Schwierigkeiten, die unter Umständen sogar Mutlosigkeit und ein inneres Aufgeben bewirken können.
Lebenslange Weiterbildung
Wer schon früh gelernt hat zu lernen, wird Freude am Lernen entwickeln und schon von sich aus neugierig bleiben. Das heutige Berufsleben stellt auch vollkommen andere Anforderungen an die Menschen als es noch vor dreißig Jahren der Fall war. Um heute im Beruf bestehen zu können, muss sich der Berufstätige lebenslang immer wieder neue Fähigkeiten und Qualifikationen erarbeiten. Nicht nur um weiterzukommen, sondern häufig schon, um überhaupt am Ball bleiben zu können. Alleine der rasante Fortschritt der Computertechnologie macht es notwendig, dass Menschen, die in einem entsprechenden Beruf arbeiten, sich immer wieder mit neuen Herausforderungen auseinandersetzen. Wer schon früh gelernt hat zu lernen, wird immer gerne lernen und vor allem: viel leichter als die Menschen, die irgendwann aufgehört haben, sich weiterzubilden.
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