
- Lernen ohne Schlaf ist nicht möglich - Gerd-Altmann/Pixelio
Wer viel lernen muss, der schlägt sich schon einmal einige Nächte um die Ohren, in der Hoffnung, sich so besser auf Prüfungen vorzubereiten. Leider tritt der erwünschte Effekt nicht ein. Im Gegenteil: Schon eine Nacht ohne Schlaf führt zum Verlust von Wissen.
Die Bedeutung der Schlafphasen
Nach den Erkenntnissen der Schlafforschung benötigt das Gehirn sowohl den Tiefschlaf als auch die Traumphasen, um Informationen zu verarbeiten. Im Schlaf werden Informationen gespeichert, neu organisiert und verknüpft. Dabei werden Verbindungen, die unnötig erscheinen, auch gekappt. Das betrifft etwa Informationseinheiten, die über den vorangegangen Tag nebenbei aufgenommen wurden, etwa die Farbe von Möbelstücken in einem fremden Büro oder auch die Namen von Personen, die man auf einer Party kennen gelernt hat. Um effizient arbeiten zu können, entledigt sich das Gehirn scheinbar überflüssiger Gedächtnisinhalte.
Doppelt genäht hält besser
Dabei wird nicht selten eine Information gelöscht, die wir eigentlich behalten möchten. Um das Kappen einer neuronalen Verbindung zu verhindern, die am Tag entstanden ist, sollte man die gewünschte Information wiederholen. Dadurch "erkennt" das Gehirn sie als wichtig und sorgt dafür, dass sie gespeichert wird. Wie oft eine Information wiederholt werden sollte, um dauerhaft zur Verfügung zu stehen, das lässt sich an der so genannten Ebbinghauskurve ablesen. Danach ist es unumgänglich, Wissen sowohl am ersten Lerntag als auch an den folgenden Tagen zu wiederholen, um es im Gedächtnis zu verankern.
Schlaflosigkeit als Lern-Hemmnis
Wer vor einer Prüfung steht, ist nicht selten nervös und besorgt. Entsprechend schwierig ist es dann, sich zu entspannen und einzuschlafen. Oft wird der Schlaf auch bewusst geopfert, um länger über dem Lernstoff sitzen bleiben zu können. In beiden Fällen kann Gelerntes nur bedingt gespeichert werden. Besonders der Tiefschlaf dient der Neuorganisation von Informationen. In dieser Phase kommen neue Verbindungen zustande, die es erst ermöglichen, vom neu erworbenen Wissen kreativ Gebrauch zu machen.
Die Forschung konnte zeigen, dass erst nach einer Tiefschlafphase komplexe Problemlösungen aus dem Gelernten abgeleitet werden konnten. Daher sollte man vor Prüfungen keinesfalls Schlaf opfern, um zu lernen. Bei Schlafstörungen aufgrund von Prüfungsangst kann es sinnvoll sein, sich mithilfe von Homöopathika oder milden Naturheilmitteln helfen zu lassen. Verschreibungspflichtige Schlafmittel sind wenig geeignet, denn sie können die Speicherung und Verarbeitung von Informationen im Schlaf beeinträchtigen.
Folgen lang anhaltender Schlafschwierigkeiten
Da Wissen im Schlaf neu bewertet und gespeichert wird, erleben Menschen, die häufig schlecht schlafen, oft Beeinträchtigungen der Merk- und Lernfähigkeit. Sie vermuten dann unter Umständen fälschlich eine altersbedingte Gedächtnisschwäche. Einen Zusammenhang gibt es dabei: Da ältere Menschen oft weniger schlafen und daher auch weniger Delta-Schlafphasen (Tiefschlaf) haben, steht ihnen auch weniger Zeit zum Verarbeiten von Informationen zur Verfügung.
Das Nickerchen als Lern- und Lebenshilfe
Wer viel lernen muss, braucht besonders viel Schlaf, mindestens die empfohlenen acht Stunden pro Tag. Wenn zwischen Lernen und Schlaf jedoch viel Zeit verstreicht, etwa weil man zur Entspannung noch einen Film sieht, können inzwischen Informationen verloren gehen oder überlagert werden. Um das zu verhindern, kann ein Nickerchen nach dem Lernen schon genügen.
Kurzschlaf als Methode, Kraft zu schöpfen und Informationen zu verarbeiten, genießt in Japan hohe Wertschätzung. Dort gilt es nicht als anstößig, wenn Geschäftsleute oder Studenten ein kurzes Nickerchen halten. Dieser Inemuri genannte kurze Schlummer ist in Japan ein alltägliches Phänomen.
Quellen:
Matthew MacDonald, Dein Gehirn, Köln, 2009
http://www.dasschlafmagazin.de/Text_7_2006.html
Lesetipp: Brigitte Steger, Inemuri, Hamburg, 2007
