Kernaussage des Konstruktivismus ist, dass jeder Mensch sich sein Wissen und seine Welt selbst konstruiert. Nicht die reale Welt bestimmt, was jeder einzelne wahrnimmt, sondern seine eigene innere Struktur ist maßgeblich. So konstruiert das Gehirn auf der Grundlage von Sinneseindrücken und Wahrnehmung seine individuelle Realität.
Dies zeigt sich sehr gut in den zahlreichen Beispielen zur optischen Täuschung. Dazu zählen Kontrast-Täuschungen. Ein Beispiel hierzu sind Bilder, in denen zwei unterschiedliche Bilder verborgen sind. Ein bekanntes Beispiel ist ein Bild, welches eine junge und eine alte Frau zeigt. Je nachdem auf welches Bild man sich konzentriert, sieht man das eine oder andere.
Radikaler Konstruktivismus
Der Radikale Konstruktivismus besagt, dass alles Wissen allein den Köpfen der Menschen existiert und dass der Mensch dieses Wissen allein auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrung konstruiert. Konstruktivisten gehen davon aus, dass Wissen und Erkenntnis zudem durch eigenes Handeln entsteht. Als Pionier der konstruktivistisch orientierten Kognitionsforschung wird Jean Piaget gesehen, der mit seinem Entwicklungsstufenmodell einen Teil des Kognitivismus abdeckt. Auch das von Maria Montessori entwickelte Konzept selbstbestimmten Lernens baut hierauf auf.
Konstruktivistisches Lernen erfolgt durch
- Lernen durch Lehren
- Situiertes Lernen
- Projektorientiertes Lernen
- Problemorientiertes Lernen
- Forschendes Lernen (selbst erfahren, ausprobieren und experimentieren)
Aus der konstruktivistischen Lerntheorie ergibt sich, dass sich Lernen aus Handeln entwickelt. Handeln erfolgt in sozialen Situationen. Denken erfolgt also im situativen Kontext. Denken und Wissen ist subjektiv und lässt sich im Gegensatz zum Kognitiven Lernen nicht in starre Kategorien einordnen. Im Konstruktivismus erfolgt Lernen nicht linear, sondern wird als Prozess gesehen und findet als Lernen in Wissensgemeinschaften und kontextbezogenen Lernwelten statt.
Der Erfolg eines Lernprozesses ist abhängig vom Vorhandensein eines möglichst umfassenden Repertoires an Lernstrategien und der Fähigkeit, diese angemessen einsetzen zu können. Dabei führen Lernprozesse bei jedem Lerner zu unterschiedlichen Ergebnissen. Für den praktischen Unterricht lässt sich das konstruktivistische Lernen in drei Stufen einteilen:
- Konstruktion (Erfinden): Selbst erfahren, ausprobieren, experimentieren
- Rekonstruktion (sammelnde Wiedergabe): kulturelle Leistungen, historische Entwicklungen, Erfindungen und Erkenntnisse gemeinsam re-konstruieren
- Dekonstruktion (Kritisieren): Kritik an den gewonnenen Erkenntnissen üben
Kooperatives Lernen
Unter Kooperativem Lernen versteht man Partner- und Gruppenarbeit. Die Partner oder Gruppenmitglieder arbeiten mittels synchroner oder asynchroner Kommunikation an einer gemeinsamen Lösung eines Problems. Andere Begriffe für Kooperatives Lernens sind: Gruppenunterricht, Gruppenarbeit, Lernen in Gruppen, collaborative learning und cooperative learning. Kooperatives Lernen fordert und fördert die direkte Kommunikation und Interaktion der Lerner. Der gemeinsame Erfolg wird schneller erreicht werden, wenn man das Lernen gemeinsam plant, Ressourcen teilt und sich gegenseitig hilft, ermutigt und lobt. Kooperatives Lernen eignet sich gut für eLearning-Arrangements. Die Lernen kommunizieren über Chat und Foren und arbeiten mit kooperativen Werkzeugen.
Quelle: "Didaktische Modelle", Werner Jank, Hilbert Meyer, Cornelsen Verlag 1991, S. 286ff. ISBN: 978-3-589-21566-9
