Lernstrategien für Kinder und Eltern

Lernen für Eltern und Kinder - Yogendra Joshi - flickr.com
Lernen für Eltern und Kinder - Yogendra Joshi - flickr.com
Lernen mit Spaß und Erfolg. Wie man Kindern hilfreiche Lernstrategien näher bringt und Lernfrust vermeidet.

Die ersten Jahre in der Schule dienen der Vermittlung grundlegender Fertig- und Fähigkeiten, Lernen soll den Kindern näher gebracht, Selbstdisziplin und Regeln der Gruppenarbeit kennengelernt werden. Jedoch kann schon während dieser ersten Schuljahre aus der anfänglichen Freude am Lernen, Lernfrust und Stress entstehen. Eltern stehen dieser Veränderung häufig rat- und hilflos gegenüber. Das muss aber nicht so sein. Die nachfolgenden Vorschläge sollen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, um die Lernfreude von Kindern zu erhalten oder wieder herzustellen.

Lernstrategien für Kinder: Wie das Lernen wieder Spaß macht.

Gestraffte Lehrpläne bedeuten weniger Zeit - für immer mehr Lernstoff. Neue Inhalte können nicht mehr ausreichend wiederholt werden, denn dafür reicht die Unterrichtszeit oft einfach nicht mehr aus. Auch das praktische Umsetzen von Neugelerntem bleibt häufig auf der Strecke. Dafür entstehen Hausaufgabenberge, die ein Kind allein kaum noch bewältigen kann. Die Folge sind schlechte Zensuren, Stress, Lernfrust und sinkende Motivation bei den Schülern. Viele Eltern versuchen dem in Form von Nachhilfelehrern beizukommen, schaffen Lernprogramme und –software an, ermahnen ihre Kinder dazu, häufiger und konzentrierter zu lernen und sehen dennoch keine Verbesserung der Noten.

Nicht zuletzt liegt das daran, dass Kinder gar nicht wissen, wie sie richtig lernen sollen oder können.

Um das Lernen wieder zu einem schönen und effektiven Erlebnis zu machen, können Eltern ihren Kindern durch ein paar einfache Tricks helfen. Am Anfang sollte ein Lernertypentest stehen, der sowohl dem Kind, als auch den Eltern eine erste Orientierung bei der Auswahl der geeigneten Lernstrategien bietet.

Geeignete Lernstrategien für visuelle, auditive, taktile und produktions- Lerntypen können nach der Durchführung des Tests in den Lernalltag des Kindes eingebaut werden. Dabei sollte jedoch nie die Konzentrations-/Aufmerksamkeitsspanne des Kindes überstrapaziert werden. Bei Grundschul-Schülern beträgt diese maximal 30Minuten. Demnach sollten die Lerneinheiten auch am heimischen Schreibtisch nicht länger dauern, bevor eine kurze Pause eingeschoben wird.

Lernmotivation für Kinder

Zusätzlich zum Anbieten von verschiedenen geeigneten Lernstrategien, kann ein motivierendes Belohnungssystem eingeführt werden. Dieses sollte sich nicht an den erzielten Noten orientieren, sondern an gelernten Inhalten. Dadurch vermeidet man unnötigen Leistungsdruck und steigert den Spaß am Lernen. Zudem sollte es individuell auf das Kind zugeschnitten werden, demzufolge als Belohnung auch etwas bereithalten, dass dem Kind Freude bereit.

Ein Beispiel für ein Kinder–Lern-Belohnungssystem:

Karl hat Probleme mit Multiplikationsaufgaben in Mathematik. Nachdem er viele Aufgaben nicht richtig lösen konnte und von Mitschülern ausgelacht wurde, hat er nun überhaupt keine Lust mehr, Mathematik zu lernen. Um diesen Frust abzubauen überlegen sich seine Eltern ein Spiel: für jede Aufgabe die er richtig löst, bekommt Karl einen Punkt auf einer sichtbaren Tafel/ einem Stück Papier. Hat er 100 Aufgaben richtig gelöst, wird ihm ein kleiner Wunsch erfüllt (z.B. Spielzeug-Auto, Ausflug an einen See, Eis essen gehen).

Dieses Beispiel, dient natürlich nur der Verdeutlichung wie einfach ein solches System aufgebaut werden kann. Je nach den individuellen Bedürfnissen, nach Lernproblemen und Vorlieben des Kindes kann das System abgewandelt und angepasst werden. Einfache Fragen, wie ‚Was hast du heute gelernt?‘ die täglich gestellt werden, helfen zusätzlich, das Kind zum Lernen zu motivieren. Vor allem wenn man auch als Elternteil erzählt was man gelernt hat. Wichtig ist dabei vor allem die Regelmäßigkeit der Anwendung. Beispielsweise kann dieses System beim gemeinsamen Vorbereiten des Abendessens erfolgen. Passend ergänzt werden, sollte dies durch entsprechende Lernstrategien.

Lernen durch Betrachten

Lernt das Kind am schnellsten durch das Betrachten von bildlich dargestellten Abläufen, Bildern und Begriffen, sind visuelle Lernstrategien zu empfehlen. Zeichnungen und Fotos aber auch Filme, also jegliches Anschauungsmaterial, kann und sollte in das tägliche Lernen integriert werden.

Lernen durch Zuhören

Manche Kinder lernen am Besten Lerninhalte die sie gehört haben. In unterhaltsame Geschichten und Reime verpackte Informationen, sollten daher zum privaten Lernplan der auditiven Lerntypen gehören. Genauso können selbstkomponierte Lieder als persönliche Lernstrategie genutzt werden.

Lernen durch Anfassen

Das taktile Lernen ist unter Kindern weit verbreitet. Etwas anfassen, berühren und betasten, um seine Eigenschaften näher kennenzulernen ist für sie wichtig. Ihnen sollte viel praktisches Lern- und Fühlmaterial geboten werden. Statt, zum Beispiel, nur über verschiedene Baumarten zu lesen oder Abbildungen von Ihnen zu sehen, sollten die verschiedenen Rinden- und Blattstrukturen befühlt werden können. Dies kann im Park, Wald oder Baumarkt geschehen. Weite Reisen sind also nicht notwendig.

Lernen durch Machen

Etwas zu lernen indem man es ausführt, ist einer der erfolgreichsten Lernkanäle. Praktisch ausgeführte Handlungen merkt sich das Gehirn besonders effektiv. Daher sollte man Kindern viele Möglichkeiten zum Handeln bieten. Ob das nun Kochen, Basteln, Bauen, Zeichnen oder das Schreiben eigener Texte ist, richtet sich nach dem aktuell zu lernenden Stoff.

Jessika Mueller, Jessika Mueller

Jessika Mueller - studiert Amerikanistik und Deutsch als Fremdsprache an der Universität Leipzigseit 2007 Lehrerin für autogenes Training und ...

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