Lese- und Rechtschreibschwäche

Ursachen und Therapie mit der Legasthenie

Legasthenie - Public Domain
Legasthenie - Public Domain
Die Lese- und Rechtschreibschwäche, auch Legasthenie genannt, ist eine seltene Störung. Mit dem Wissen, um diese Schwäche, kann dem Betroffenen geholfen werden

Das Hauptmerkmal ist nach der ICD-10 eine umschriebenen und bedeutsame Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten, die nicht alleine durch Entwicklungsalter, Seh- und Hörstörungen oder unangemessene Beschulung erklärbar ist. Eingeschränkt sein können das Leseverständnis, die Fähigkeit zum Wiedererkennen und Vorlesen einmal bereits gelesener Worte und schließlich Leistungen, für die Lesefähigkeit nötig ist. Bei umschriebenen Lesestörungen sind Rechtschreibstörungen häufig. Diese bleiben oft auch dann bestehen, wenn Fortschritte im Lesen gemacht werden. Nur etwa 4 Prozent der Menschen sind von Legasthenie betroffen. Diese Lernstörungen sind immer mit mindestens normaler bis überdurchschnittlicher Intelligenz verbunden.

Ursachen der Legasthenie

Die Ursachen für Legasthenie sind vielfältig, aber im Grunde nicht geklärt. Es werden physiologische Einflüsse angeführt (genetischer Einfluss, minimale Hirnschäden, ungenügende Reifung des Zentralnervensystems) und psychologisch-kulturelle Ursachen genannt (rabiate Umstellung von Linkshändern auf das Schreiben mit der rechten Hand, Konzentrationsstörungen).

Charakteristische Merkmale der Legasthenie auf verschiedenen Altersstufen

  • 6-9 Jahre (1.-2.Klasse): Unspezifische Frühphase. Unfähigkeit, dem Lautzeichen den richtigen Laut zuzuordnen. Verwechslung von ähnlichen Buchstaben und von „harten“ und „weichen“ Lauten. Lesen der Buchstaben in falscher Reihenfolge (am-ma; ei-ie). Beim Rechtschreiben zeigt sich Vertauschung von Buchstaben (d-b; g-p), Auslassen von Buchstaben beim Diktat, Verwechslung von „harten“ und „weichen Konsonanten.
  • 8-13 Jahre (2.-6. Klasse): Spezifische Hauptprobleme. Lesen: Erfindungen von Buchstaben, Auslassungen von meist kurzen Wörtern, Zusätze (Wörter werden frei erfunden). Pausen (Satzzeichen) werden kaum gemacht, langsames Lesetempo, Reste der Frühphase. Rechtschreiben: Verwechslungen von Zwielauten (au-eu; eu-ö;ei-eu), insgesamt erheblich mehr Fehler als bei „normalen“ Kindern.
  • 12-15 Jahre (ab 6. Klasse): Unspezifische Restsymptomatik. Völliges Verschwinden der Legasthenie wird selten erreicht. Es bleiben: beim Lesen keine Rücksicht auf Betonung oder Pausen, viele Fehler in der Groß- und Kleinschreibung.

Diagnostik der Lese- und Rechtschreibschwäche

Nach ICD-10-Kriterien ist für die Diagnose ein Intelligenzquotient von über 70 notwendig; die gestörte Teilleistung sollte mindestens 1,5 bis 2 Standardabweichungen unter dem Wert der allgemeinen Intelligenz liegen. Neben der Anamneseerhebung wird daher ein mehrdimensionaler Intelligenztest durchgeführt. Die Lese- und Rechtschreibfertigkeiten werden durch einen gesonderten Test diagnostiziert. Diese können erst gegen Ende des zweiten Schuljahres zuverlässig normiert durchgeführt werden. Zeugnisse, Noten und Einschätzungen des Lehrers sollten einbezogen werden. Anamnestisch bedeutsam kann auch ein deutliches Absinken der Lernmotivation nach anfänglich guter Lerneinstellung sein. Medizinisch sind neurologische Erkrankungen und Beeinträchtigungen des Sehens und Hörens auszuschließen.

Therapie der Legasthenie

Im Rahmen eines individuell gestalteten Therapie- und Förderangebotes können verschiedene Interventionsebenen unterschieden werden.

  • Schulische wie außerschulische Förderung der Fertigkeiten und Fähigkeiten des Kindes: spezifische Rechtschreibprogramme, Lerntherapie;
  • Schulische Sonderbehandlungen, die dem Kind eine Nachteilsausgleich ermöglichen: Befreiung von der Rechtschreibbenotung, Zeitzuschläge, mündliches Abfragen, Vorlesen von Aufgaben, Zulassen besonderer Hilfsmittel;
  • Familien- und kontextorientierte Maßnahmen: Elternberatung, Elterncoaching, Lehrergespräche.