Lesementoren helfen nicht nur lesen lernen

William und seine Lesementorin  - Stefan Lieser
William und seine Lesementorin - Stefan Lieser
Ehrenamtliches Engagement: Auch der 11-jährige William profitiert von Lesementor Köln.

Lesementor Köln will mit der Unterstützung von Ehrenamtlern leseschwachen Kindern und Jugendlichen helfen. Weit mehr als 300 Kölner und Kölnerinnen ließen sich zum Start des Projektes Anfang des Jahres als Lesementoren registrieren. Fast 200 von ihnen wurden mittlerweile für die Arbeit an über 60 Schulen qualifiziert.

William zögert nur kurz. Diese Woche „Kochen mit der Maus“! Aus der gut gefüllten übersichtlichen Kinderbücherei der katholischen Grundschule St. Nikolaus in Köln-Zollstock zieht der 11-Jährige zielsicher das Buch aus dem Regal und setzt sich zu Dr. Marion Heister in die Leseecke mit den Kuschelsesseln. Sie ist seine Lesementorin, und sie ist in den folgenden 45 Minuten nur für ihn da.

Mehr als 550 Kinder brauchen einen Lesementor

William blättert kurz, bis er sein Lieblingsrezept gefunden hat: „Pfannkuchen“. Dann liest er laut die Zutaten vor: „Ein Ei, eine Prise Salz, 100 Milliliter Milch oder Wasser, 80 Gramm Mehl, Butter oder Butterschmalz.“ Das kommt flüssig, bis auf einen kleinen Moment des Zögerns beim Übersetzen der Abkürzung „ml“ für Milliliter. Jetzt geht es schon zur Kochanleitung, und am Ende seiner Lesementorstunde weiß William, wie er seine Pfannkuchen machen wird. Einfach gelesen und verstanden.

Dass das auch für William nicht immer so einfach ist, davon kann seine Klassenlehrerin Stefanie Wolff ein Lied singen. Alleine die St. Nikolaus-Schule hat Lesementor Köln 14 Kinder zwischen sechs und elf Jahren als dringend förderwürdig gemeldet. Für ganz Köln sind es an mehr als 60 Schulen aller Schulformen, die bisher mitmachen (Stand Oktober 2010), mehr als 550 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren. Sie alle brauchen dringend eine Stärkung ihrer Lese- und Sozialkompetenz. Nicht erst seit PISA. Geschieht dies nicht, können gesellschaftlicher Ausschluss und frühe Arbeitslosigkeit drohen. Das haben auch in Köln viele Lesehilfeprogramme erkannt. Lesementor Köln allerdings will die Hilfe professionalisieren und über Jahre kontinuierlich anbieten. Die Idee wurde 2003 vom Hannoveraner Buchhändler Otto Stender ins Leben gerufen, und zieht mittlerweile bundesweit Kreise – bis hin zum eigenen Bundesverband.

Lesementorstunden stärken Selbstbewusstsein

Die freiberufliche Lektorin Dr. Marion Heister hat ihren eigenen Kindern, als sie klein waren, vorgelesen und sie zum Lesen ermuntert: „Ich wollte schon immer ehrenamtlich arbeiten. Dann habe ich von der Gründung von Lesementor Köln gelesen, und mich gemeldet“, begründet sie ihr Engagement. Sie wurde wie alle Lesementoren für die Einzelbetreuung von der VHS der Stadt in Seminaren geschult und dann an ihren „Einsatzort“ vermittelt. Nur in der den Kindern vertrauten Lernumgebung und außerhalb des Unterrichts treffen Schüler und Lesehelfer zusammen. Zuvor müssen die Eltern der Kinder schriftlich ihr Einverständnis für das freiwillige und kostenlose Angebot gegeben haben.

Lehrerin Hanna Hermanns ist an Williams Schule für Kinder, Eltern und bislang vier Lesementorinnen da: „Die Mentorstunden sind ganz, ganz große Klasse. Das ist viel mehr, als nur lesen! Sie stärken das Selbstbewusstsein der Kinder. Für ein Kind ist es etwas Wunderbares, wenn sich ein Erwachsener eine Stunde Zeit nur für es alleine nimmt.“ Denn darum geht es bei Lesementor Köln: Zuneigung, Geduld, Aufmerksamkeit. Die Hochrechnung des tatsächlichen Lesehilfe-Bedarfs in Köln liegt bei 1.000 Kindern und Jugendlichen. Das ist die Untergrenze. Ebenso viele Lesementoren werden gesucht.

Ansprechpartner für Lesementoren in Köln ist Angelika Blickhäuser, Büro für Bürgerengagement der AWO Köln.

Stefan Lieser, Stefan Lieser - Internetredaktion.com

Stefan Lieser - Freier Journalist - mit Festanstellungsvorleben als Tageszeitungsredakteur. Zahlreiche Beiträge für regionale und bundesweite ...

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