Lesen ist Kino im Kopf: Ein Plädoyer für das Buch

Lesen ist etwas Herrliches! - Volker Wollny
Lesen ist etwas Herrliches! - Volker Wollny
Lesen macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch Kreativität, Phantasie und die Fähigkeit zu eigenständigem Denken.

„Lies ein gutes Buch!“ bekam man als Kind oft von Erwachsenen zu hören, wenn man zum Beispiel über Langeweile klagte und der Fernsehappart ausbleiben sollte. Anders als viele der Sprüche, die es früher gab, wie den vom gesunden Spinat und den vom schädlichen Trinken, war dieser Rat nicht nur ein gut gemeinter, sonder tatsächlich ein guter – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Lesen ist tatsächlich etwas Herrliches. „Bücher sind Freunde“, hieß es früher öfter einmal, wenn man ein Buch schlecht behandelte. Und da ist etwas dran: Ein Buch kann einen fast überall hinbegleiten, wo es langweilig werden könnte. Es braucht weder einen Stromanschluss, noch einen Internetzugang und auch keine Mobilfunkzelle. Es muss lediglich hell genug sein zum Lesen, dann ist Freund Buch auch schon einsatzbereit um seinen Leser zu unterhalten

Lesen heißt, sein eigener Filmregisseur zu sein

Wer eine Geschichte liest, der dreht seinen eigene Film im Kopf: Der Leser bestimmt im Rahmen der Beschreibungen des Autors, wie der Schauplatz und wie die Akteure genau aussehen und auch, was in den Momenten geschieht, die der Verfasser nicht so genau beschreibt. Er bestimmt auch ganz allein das Tempo, indem die Geschichte voranschreitet: Wer hindert ihn, bei Passagen die ihm gefallen etwas länger zu verweilen und sie sich eingehender auszumalen und bei den langweiligeren schneller weiter zu lesen?

Alles dies sind kreative Leistungen, die bei einem Film bereits die Filmemacher erledigt haben. Mit dem Film bekommt man quasi ein vorgekautes Einheitsessen, während das Buch sozusagen die Zutaten für ein selbstgekochtes, leckeres Menü darstellt.

Bücher fördern Phantasie und Kreativität

Wer so mit Lesen seine eigene Phantasie und Kreativität fordert, der fördert diese Eigenschaften auch bei sich. Und das kommt ihm bei vielen andern Gelegenheiten zu gute. Das ist nun beileibe kein gefühlsmäßiges Argument für Bibliomanen, sondern eine Sache, die immer wieder untersucht wurde und stets zum gleichen Ergebnis führte: Leser sind kreativer, haben mehr Phantasie, sind geistig beweglicher, um nicht zu sagen: Sie sind gescheiter.

Wenn unsere Eltern und Großeltern auch lediglich aus dem Bauch heraus behaupteten, dass Fernsehen dumm mache, hatten sie dennoch recht. Auch das wurde mit wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt und kann erklärt werden: Wenn ein Mensch seine Informationen hauptsächlich durch (bewegte) Bilder bezieht, verliert er die Fähigkeit, mit Worten umzugehen. Er wird im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos.

Die Sprache jedoch ist das Instrument mit dem der Mensch denkt. Wer die Fähigkeit verliert, mit Worten umzugehen, verliert die Fähigkeit zu denken, kritisch zu hinterfragen und im Endeffekt sogar die, selbstbestimmt zu leben. Das ist die große Gefahr, die von Fernsehen und Video ausgeht: Sie sind ideale Manipulaitionsinstrumente, mit denen derjenige, der die Kontrolle über sie hat, die Masse lenken kann.

Natürlich funktioniert das nur bei Leuten, die Fernsehen und Video als hauptsächliche Medien, als überwiegende Quelle von Unterhaltung und Information benutzen. Ein guter Film dann und wann, eine Dokumentarsendung oder eine Fernsehdiskussion schadet sicher nicht. Aber man sollte das in Maßen genießen. Und sich im Zweifelsfalle lieber für das Buch entscheiden.

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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