Lesetipp: Angehörige zu Hause pflegen

Pflegehandlungen in Wort und Bild - aufbereitet für Pflege-Laien.

Lesetipp: Angehörige zu Hause pflegen - Bruno Seigel
Lesetipp: Angehörige zu Hause pflegen - Bruno Seigel
Wer sich entschließt, einen pflegebedürftigen Angehörigen zu versorgen, kann diese Herausforderung nicht unvorbereitet bewältigen. Ein Ratgeber erleichtert den Einstieg.

Steht man vor der großen Herausforderung, einen Angehörigen zu pflegen, dann sollte man sich gut darauf vorbereiten: einen Pflegekurs für Angehörige besuchen, sich schon frühzeitig nach Entlastungsangeboten umsehen.

Nicht selten aber wird man aber ganz plötzlich damit konfrontiert, ein pflegebedürftiges Familienmitglied versorgen zu müssen. Wenn nach einem Notfall oder Unfall der Betroffene nicht geheilt das Krankenhaus verlässt, sondern nach seiner Rückkehr aus der Klinik oder einer Reha-Einrichtung zu Hause auf vielfältige und intensive Unterstützung angewiesen ist, weil er sich für längere Zeit nicht selbstständig versorgen kann.

Besonders in solchen Fällen ist es notwendig, möglichst rasch die Wohnumgebung auf Pflege “umzurüsten” und sich darüber zu informieren, wie man sich selbst am besten vorbereitet auf die Pflege, kurz: Man braucht eine Art Crashkurs in Sachen Pflege.

Crashkurs in Sachen Pflege

Einen guten Einstieg bietet da das Ratgeberbuch „Angehörige zu Hause pflegen“ von Curd-Jürgen Bierhinkel. Der Autor weiß als Betreiber eines ambulanten Pflegedienstes nicht nur genau, wovon er spricht. Er kann es auch vermitteln, denn er bildet unter anderem Kursleiter aus, die Schulungen für pflegende Angehörige durchführen sollen – im Rahmen seiner Arbeit für den „Bundesverband Ambulanter Dienste und Stationärer Einrichtungen e.V.”

Das Buch zeichnet sich deshalb auch durch seine Praxisnähe aus: Kein Aspekt wird ausgelassen, alles ist anschaulich bebildert. Dabei bleiben die Informationen immer kompakt, kommen auch weitgehend ohne pflegespezifische Fachbegriffe aus und sind so formuliert, dass jeder Pflege-Laie problemlos damit zurechtkommt: Es geht um Körperpflege, Hilfe bei Ausscheidungen, vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor Folgeerkrankungen, bis hin zur Lagerung und Beobachtung des Pflegebedürftigen, der richtigen Ernährung und Medikamentengabe.

Gute Vorbereitung aber ist alles, und so befassen sich die ersten vier Kapitel ausschließlich damit

  • wie man sich für den Übergang vom Krankenhaus nach Hause mit allen notwenigen Informationen versorgen kann über Krankheitsbild, Pflegebedarf, gesetzliche Leistungen und ein Hilfe-Netzwerk
  • wie man einen Pflege-Ablaufplan entwickelt
  • wie man das Wohnumfeld so gestaltet, dass eine Pflege möglich ist
  • welche Hilfsmittel man für die Pflege braucht (z.B. Pflegebett)
  • und schließlich, wie man einen bewegungseingeschränkten Menschen sicher und rückenschonend hebt, ihn beim Aufstehen, umsetzen, gehen und stehen so unterstützt, dass man nicht selbst schon nach kurzer Zeit zum Pflegefall wird.

Erst dann wendet sich Bierhinkel den eigentlichen Pflegeaufgaben zu, nicht aber ohne ausführlich darauf hinzuweisen, dass gute Pflege nicht bedeutet, den Pflegebedürftigen so zu umsorgen, dass er gar nichts mehr selbst machen muss. Ganz im Gegenteil geht es darum, seine vorhandenen Fähigkeiten und seine Selbstständigkeit zu fördern (aktivierende Pflege).

Aber auch der pflegende Angehörige kommt bei ihm nicht zu kurz – zu viele hat er erlebt, die an ihre pysischen und psychischen Grenzen gestoßen sind. Er nennt die Warnsignale und gibt Tipps, wie man sich der Gefahren bewusst werden kann und wie man vermeiden kann, sich vollkommen zu überfordern.

Fazit: Ein Ratgeber, der praxisnah und kurz gefasst sämtliche Aspekte rund um die häusliche Pflege für Laien verständlich aufbereitet.

„Angehörige zu Hause pflegen - Pflegehandlungen in Wort und Bild“, Curd-Jürgen Bierhinkel, Urban & Fischer, München, 2008, ISBN: 978-3-437-28270-6, Preis: 19,95 Euro

Marion Seigel, (Foto: Martin Seigel)

Marion Seigel - Marion Seigel ist Fachjournalistin, PR-Beraterin und Referentin - sie betreibt das journalistische Handwerk, ...

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