
- Für mehr Praxis: Schreiben in Cafés - Autorenhaus-Verlag
Dieses Buch ist schon mehr als zwanzig Jahre alt und immer noch hochmodern. In ihrem Bestseller, der bereits millionenfach verkauft wurde, legt die Autorin Natalie Goldberg weniger Wert auf technische Anleitungen. Viel Wichtiger sind ihr, Motivation und Anregung zum Schreiben zu vermitteln.
Schreibpraxis im Handumdrehen vermittelt
Die Stunde der ersten Gedanken ist unbezahlbar. Deshalb legt Goldberg gleich zu Anfang los mit dem Besten, das man ihrer Meinung nach als Schreiber tun kann, mit 10-Minuten-Schreibübungen. Wie geht das, was ist es? Man nehme sich zehn Minuten für ein Thema (zum Beispiel: "Über das Lesen", "Meine Aussicht aus dem Fenster", "Das Licht", "Meine Lieblingsspeise" etc.). Es ist dabei ganz egal, welches Thema man wählt.
Wichtig ist, dass die Hand immer in Bewegung bleibt, sei es mit dem Stift oder auf der Tastatur. Stockt der Fluss, so schreibe man den letzten Satz noch einmal. Weder kümmert man sich um die Rechtschreibung, die Grammatik, noch um etwas falsch geschriebenes.
Der Vorteil der ersten Gedanken
"Lassen Sie sich gehen, denken Sie nicht", empfiehlt Goldberg aus langjähriger Schreib- und Lehrerfahrung. Erlaubt ist ebenso, den "größten Schund" zu schreiben, die unlogischsten Zusammenhänge. Das sind auch schon die Regeln.
Goldberg spricht dabei vom "Überlisten des inneren Zensors". Nach und nach trägt man bereits unfruchtbar gewordene Bewusstseinsschichten ab, gelangt an Randbereiche seines Geistes und erforscht das Unbewusste. "Erste Gedanken sind vollkommen unbeeinflusst vom Ego, dem kritischen Mechanismus in uns", weiß die Schriftstellerin.
Essenz des Inneren
"Schreiben in Cafés" ist ein etwas anderes Schreibbuch mit Zitaten aus dem Zen-Buddhismus, die sich ganz leicht auch von Nicht-Buddhisten verstehen und umsetzen lassen. Interessanter ist beinahe die Tatsache, dass Schreiben zu etwas Religiösem wird, durch das man seine Stimme und Sprache endeckt.
Woran Goldberg liegt, ist, dass ihre Leser und Studenten mittels Schreiben "bis ins Mark vordringen". Dazu versucht sie verschiedene Ansätze zu vermitteln, um den Leser an sein individuelles Ziel zu führen. Ihre Flexibilität im Lehren äußert sich auch darin, dass man das Buch entweder von Anfang bis Ende lesen kann oder aber sich ein beliebiges Kapitel auswählt und damit beginnt.
Unmöglich, nicht zu schreiben
In 64 kurzen Kapiteln, die im angenehmen Plauderton verfasst sind und oft nur zwei bis drei Seiten lang, handelt die Verfasserin sämtliche Zentralgedanken ihrer Schreibmethodik ab und arrangiert ihre Wörter so, dass es zum Unmöglichen wird, während und nach der Lektüre des Buches nicht zu schreiben.
Die Autorin
Natalie Goldberg ist Dozentin und Schriftstellerin. Sie lebt in Taos, New Mexico. An Universitäten gibt sie Seminare und lehrt in Workshops Kreatives Schreiben.
Goldberg, Natalie: Schreiben in Cafés. Autorenhaus Verlag 2006. 199 Seiten. Euro 16,80.
