Lesung: Mario Vargas Llosa liest aus seinem neuen Roman

Vargas Llosa im Haus der Berliner Festspiele - Jeannine Hélène Teichert
Vargas Llosa im Haus der Berliner Festspiele - Jeannine Hélène Teichert
Im Rahmen des Internationalen Literaturfestival Berlin 2011 stellt der peruanische Literaturnobelpreisträger am 15. Oktober 2011 seinen neusten Roman vor.

Der Traum des Kelten nennt sich das bislang letzte Werk Mario Vargas Llosas. Aus der Retrospektive erzählt der irische Staatsmann Roger Casement, der zugleich der Protagonist des Romans ist, von seiner Reise in den Kongo, im Auftrag der britischen Regierung. Casement soll dort die Lebensbedingungen der farbigen Menschen analysieren und nach seiner Rückkehr der Regierung Bericht erstatten. Doch schon bald findet er sich im Kampf gegen Kolonialherren und menschenverachtende Offiziere wieder.

Weltstar zu Gast in Berlin

Kaum hat der Schriftsteller auf der Bühne im Haus der Berliner Festspiele Platz genommen und seine abendlichen Gesprächspartner begrüßt, wird er auch schon von seiner deutschen Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz vom Suhrkamp Verlag für seine bisherigen Werke hochgelobt. Sie hält ein schmeichelndes Plädoyer auf Vargas Llosa als Idealisten und Kämpfer für demokratische Bedingungen in Lateinamerika, zeichnet aber auch das Bild eines großartigen Schriftstellers, der schon lange mit dem deutschen Verlag zusammenarbeitet.

Lesen und lesen lassen - Fantasie und Wirklichkeit vereint

Eingerahmt zwischen dem Journalisten Jens Jessen, der Dolmetscherin und dem Schauspieler Matthias Brandt, genießt Vargas Llosa sichtlich die Aufmerksamkeit, die ihm zuteilwird. Matthias Brandt fungiert an diesem Abend als deutsche Stimme des Autors. Er trägt einige Passagen aus der Übersetzung des Romans vor, während Jessen mit journalistischer Neugier Fragen an Vargas Llosa richtet. Dieser antwortet in deutlichem Spanisch, mal amüsiert über den Vergleich zu seinem lateinamerikanischen Kollegen Fuentes, mal vehement, wenn es um die Literatur als Politikum geht. Denn diese, so Vargas Llosa, sei der Motor der Veränderung, den die Jugend in Bewegung setzt. Vargas Llosa selbst liest ebenfalls aus seinem Roman, in der Originalsprache Spanisch.

Politische Inhalte in Romangestalt verpackt

Mit dem Traum des Kelten will Vargas Llosa auf die Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufmerksam machen, die vom damaligen belgischen König Leopold II. begangen wurden. Ihm wurde auf der Berliner Konferenz 1895 der Kongo als persönliches Geschenk übergeben. Auf der Suche nach Kautschuk für die Industrie ließ der König daraufhin schematisch das zentralafrikanische Land ausbeuten. Zwar basiert der Roman auf einer wahren Begebenheit, so ist er doch mit viel Fiktion geschmückt, so Vargas Llosa, der nicht die Absicht hegte, ein historisches Buch zu schreiben. Lediglich sollte die Willensstärke und Tatkraft Casements zur Veränderung der damaligen Gegebenheiten nicht in Vergessenheit geraten.

Der Autor

Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Arequipa, Peru, wuchs in Bolivien, Nord Peru und Lima auf. Der studierte Literaturwissenschaftler und Jurist promovierte in Madrid. Oft wird er mit García Márquez, Cortázar und Fuentes verglichen, den bekanntesten lateinamerikanischen Schriftstellern. Vargas Llosa kandidierte 1990 für die peruanische Präsidentschaft, doch verlor er die Wahl gegen Alberto Fujimori. Anschließend zog er sich aus der Politik zurück und wandte sich vollkommen der Schriftstellerei zu.

Quelle: Besuch der Veranstaltung

Mario Vargas Llosa, Der Traum des Kelten (El sueno del celta), Suhrkamp Verlag, September 2011, gebunden, 447 Seiten, 24,90€

Jeannine Hélène Teichert - Erfolgreich abgeschlossenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien sowie absolviertes ...

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