
- Balian Buschbaum via Leinwand - Elvira Lauscher
„Hallo Ulm, ich habe mich wahnsinnig auf diesen Satz gefreut“, meinte Balian Buschbaum, der am 9. Februar 2011 in der Ulmer Buchhandlung Gondrom aus seinem Buch „Blaue Augen bleiben blau“ las. Ein Buch, das nicht nur von einem Leben als Sportlerin erzählt, sondern vor allem davon, wie es sich anfühlt, in einem falschen Körper geboren zu sein. Es ist ein Buch über die Umwandlung von einer Frau zu einem Mann, oder besser gesagt, über die Umwandlung eines Körpers, denn auch Yvonne fühlte sich stets als Mann. Es ist ein Buch über das Menschsein, unabhängig vom Geschlecht. Und vielleicht auch ein Buch über die Liebe – zum Leben und zur Offenheit.
Der Prolog über einen Samen, der ins Licht will
Und so fing Balian Buschbaum auch mit dem Prolog im Buch an und erzählte von einem Samen. „Auf verschlungenen Pfaden irrte er durch die Unterwelt, auf der Suche nach Licht.“ Wenn der Samen es nicht schafft, ans Licht, in die Freiheit zu kommen, so wird er sein Leben unter den Steinen verbringen, nie ein Grashalm werden. Balian Buschbaum hat den Weg an die Oberfläche gefunden. Doch es war kein einfacher Weg. Es war ein Weg der Kompensation, aber auch ein Weg des Mutes. Sport und Erfolg, schnelle Autos, materielle Dinge, Medaillen waren lange Zeit eine gute Ablenkung, aber auch ein Ausgleich, um die Wut darüber loszuwerden, dass sich vieles so falsch anfühlte. „Ich wusste zwar, auf welche Toilette ich gehen sollte, aber es passte nicht“, las Balian Buschbaum aus dem ersten Kapitel, das seiner Oma „Omili“ gewidmet ist, die sicher eine kluge und tolerante Frau war. Sie gab ihm die Liebe mit, die er sich selbst nicht geben konnte und schenkte ihm Poesie, wenn er sich als Kind aus der Realität träumte. „Du denkst wohl über die Unsterblichkeit der Maikäfer nach.“
Aus der äußerlichen Frau wird ein Mann
Diese Poesie ist auch in seinem Buch zu hören, wenn er über die Sinnlichkeit spricht, über die Liebe und auch den Sex. „Mit allen Sinnen zu lieben, ist die wahre Kunst. Ich lernte von den Frauen eine sinnliche Sprache.“ Da wäre es nicht wichtig gewesen, dass ein entscheidendes Teil fehlte. Auch wenn er es sich oft so sehr wünschte, ganz Mann zu sein. Yvonne hatte ab Beginn der Sexualität nur Freundinnen, eigentlich heterosexuelle Frauen. „Ist denn das Geschlecht so wichtig? Verlieben wir uns nicht in einen Menschen? Ich hätte mich mit Männern gefühlt, als ob ich schwul wäre. Dabei fand ich schon meine Kindergärtnerin so toll und war in sie verliebt“, scherzte Balian Buschbaum.
Der Tag der Geschlechtsumwandlung
Und doch vergingen noch viele Jahre, bis aus dem Wunsch, ein „richtiger“ Mann zu sein, Wirklichkeit wurde. „Ich wollte einfach nur funktionieren.“ Und obwohl ihm das Leben, aus heutiger Sicht, immer wieder Lektionen erteilt habe, hatte es einen Hinweis von außen geben müssen. „Warum lässt du dich nicht operieren?“, fragte seine damalige Freundin. Erst ab da befasste er sich mit seinem Problem, erkannte, dass es real und er damit nicht allein war. Und er opferte für den Traum, endlich selbstbestimmt und frei im richtigen Körper zu leben, sogar die Olympia-Teilnahme. Er ließ sich operieren und aus Yvonne wurde Balian. „Es gibt einen Weg zum vollkommenen Glück, man muss nur bereit sein, diesen zu gehen.“ Und weil er ihn gegangen ist, wollte er – je länger er an seinem Buch „Blaue Augen bleiben blau“ schrieb – sich auch mitteilen, anderen dabei helfen, ihr wahres Leben zu finden.
Premiere: Public Viewing in der Buchhandlung Gondrom
„Es gibt nichts Peinliches. Ihr dürft mich alles fragen.“ Locker gab sich Balian auch nach der Lesung und locker ging er mit der Situation, zwei Stockwerke mit interessierten Zuhörern in der Buchhandlung Gondrom zu füllen, um. Denn der Andrang war so groß, dass die Lesung und das anschließende Gespräch via Leinwand in den oberen Stock übertragen wurde. Souverän wiederholte er jeweils die Zuschauerfragen, damit auch die zweite Etage dem Gespräch folgen konnte und beantwortete diese ebenso souverän, direkt und mit viel Humor. Ob Hormonbehandlung, Operation oder die Frage, ob er als Mann besser einparken könne. Nicht einmal sein „wunder Punkt“, keine eigenen Kinder zeugen zu können, war für ihn tabu. „Ich habe kürzlich meinen Hund angesehen und mir gedacht, wie sehr ich ihn liebe. Dabei bin ich mir ganz sicher, dass ich diesen auch nicht gezeugt habe. Ich will Kinder und werde eine Lösung finden.“ Auch der Frage, ob er denkt, es war eine verlorene Kindheit, wich er nicht aus, sondern beantwortete diese ebenso schlagfertig und humorvoll charmant. „Wenn ich als ganz normaler Mann auf die Welt gekommen wäre, wäre ich ein Arschloch geworden. Ich glaube an das Schicksal und so wie es jetzt gelaufen ist, war es richtig.“ Er hat zwei Leben gelebt, als oft unglückliche Frau und heute als Mann. Seinen dadurch erlernten Respekt Frauen gegenüber möchte er weitergeben. „Ich möchte Werte vermitteln.“ Dazu hat er als Coach von jugendlichen Sportlern aber auch als Schriftsteller viele Gelegenheiten.
