
- Verdun 1916 - AK-Archiv Verfasser
Im Alter von 110 Jahren starb der US-Amerikaner Frank Woodruf Bukkles in Charles Town, Virginia. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Heldenfriedhof “Arlington National Cemetary” - die Geste einer dankbaren Nation. Eine besondere Ehre für den einfachen Soldaten, der Friedhof steht sonst nur Trägern höchster Tapferkeitsauszeichnungen oder Gefallenen zu.
Lebensweg von Frank Bukkles
Im Alter von 16 Jahren meldete sich Bukkles freiwillig zum Militärdienst und wurde abgelehnt - zu jung. Mit einer gefälschten Altersangabe hatte er im zweiten Anlauf Glück und kam nach kurzer Ausbildung in den USA und Großbritannien an die Front nach Frankreich. Als Sanitäter und Kradmelder überstand Bukkles unbeschadet den Ersten Krieg. In der Zwischenkriegszeit arbeitete er im Schifffahrtsgewerbe. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Frank Bukkles im Pazifik gegen Japan. Dort in Gefangenschaft geraten, durchlebte er drei schreckliche Jahre.
Nach dem Kriegsende arbeitete Bukkles in Soldatenverbänden und unterstützte den Bau eines Denkmals für die Gefallenen des ersten Weltkrieges in Washington. In Frankreich wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen würdigten sein Leben. 2008 empfing ihm der damalige US-Präsident George W. Bush.
Letzter deutscher Veteran des Ersten Weltkriegs
Der letzte deutsche Weltkriegsveteran starb hingegen von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Oberlandgerichtsrat i. R. Dr. Erich Kästner war 107 Jahre, als er am 1. Januar 2008 in einem Seniorenheim in Pullheim bei Köln verstarb. Ein Unbekannter war Kästner dagegen nicht. Seine 75-jährige Ehe fand einen Eintrag in das Guinness Buch. Außerdem war Kästner der zweitälteste männliche Deutsche. Während in der deutschen Medienlandschaft Kästners Tod weitgehend keine Beachtung fand, berichteten ausländische Zeitungen, wie die “Neue Züricher Zeitung”, über ihn - französische und britische Medien folgten. Der “Daily Telegraf” forderte sogar eine Würdigung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel - erfolglos.
Kästner wurde am 10. März 1900 in Leipzig-Schönefeld geboren und diente als Angehöriger des königlich-sächsischen Infanterieregiments 1918 in Flandern, als „des Kaisers letztes Aufgebot“. Die Niederlage Deutschlands war zu diesem Zeitpunkt schon besiegelt.
Höhepunkt seiner Soldatenzeit, so hat es Kästner seiner Familie gerne erzählt, sei eine "Kaiserparade" mit Wilhelm II. höchstpersönlich gewesen, an der er teilgenommen habe. Nach der deutschen Kapitulation kam Kästner in seine Heimatstadt Leipzig zurück. Dort studierte der 19-Jährige Jura, trat in den Justizdienst ein und gründete 1928 eine Familie. Während des Zweiten Weltkrieges diente Erich Kästner als Major im von Deutschland besetzten französischen Angers, später als Stabs-Adjutant im Oberkommando der Luftwaffe.
In Deutschland werden keine Listen von Veteranen des Ersten Weltkrieges geführt. Weder das Verteidigungsministerium noch der Bundeswehrverband oder das Militärgeschichtliche Forschungsamt in Potsdam können Auskunft geben, wer damals als Soldat in den Armeen des Kaiserreichs das große Gemetzel zwischen Nordsee und Alpen mitmachen musste. So nimmt hierzulande niemand Notiz, wenn einer dieser Zeitzeugen stirbt. Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen kommen die Veteranen von 1914/18 nicht vor. Sie sind eine verlorene Generation, deren Leben, Leiden und Sterben in den Schützengräben an Marne und Somme im Schlagschatten des Zweiten Weltkriegs verschwand.
Quellen:
- Spiegel Online International
- Website Frank Woodruf Buckles
- Los Angeles Times
