Leubingen bei Sömmerda in Thüringen

Grabhügel bei Leubingen - Harald Rossa
Grabhügel bei Leubingen - Harald Rossa
Bei Leubingen gibt es mehrere besonders interessante archäologische Fundstellen. Besonders bekannt ist der Grabhügel mit dem Fürstengrab von Leubingen.

Leubingen ist seit 1994 ein Ortsteil der Stadt Sömmerda. In dem Dorf leben rund 900 Menschen. An der Straße von Leubingen nach Stödten erhebt sich ein mächtiger Grabhügel. Hier handelt es sich um ein bedeutendes Denkmal der frühen Bronzezeit. Bei Ausgrabungen konnten aus einer Grabkammer wertvolle Funde geborgen werden.

Der Grabhügel von Leubingen

Der Grabhügel von Leubingen wird als Fürstengrab bezeichnet. Es gehört zur Aunjetitzer Kultur der frühen Bronzezeit. Er hatte eine Höhe von etwa 8,5 Meter und einen Durchmesser von rund 34 Meter. Bei einem Umfang von 145 Metern entstand ein Bauvolumen von 3.270 Kubikmetern. Die hölzerne Grabkammer konnte dendrochronologisch datiert werden. Um 1942 vor Christus entstand diese Anlage.

Der Grabhügel wurde 1877 unter Leitung von Friedrich Klopfleisch ergraben. Dabei wurden im oberen Bereich des bronzezeitlichen Hügels 70 slawische Gräber aus der Zeit zwischen 700 und 1100 freigelegt. Auf dem Niveau des gewachsenen Bodens stießen die Archäologen auf eine zeltförmige Grabkammer aus Eichenholz. Die war mit Schilf bedeckt, mit Kalkmörtel verfugt und mit Sandsteinen abgedeckt.

In der Grabkammer fanden sich zwei Skelette. Die Hauptbestattung war ein männlicher Erwachsener. Der muss eine herausragende Persönlichkeit gewesen sein. Quer über den Hüften des auf dem Rücken liegenden Toten lag das Skelett eines etwa zehnjährigen Kindes. Die reichen Grabbeigaben umfassen Goldschmuck (ein goldener Armring, zwei goldene Ösenkopfnadeln, ein goldenes Spiralröllchen, zwei goldene Noppenringe), bronzenen Waffen (eine Stabdolchklinge, drei Dolchklingen, zwei Randleistenbeile) und Werkzeuge (zwei Knickwandmeißel, zwei Randleistenmeißel, ein Schuhleistenkeil, ein Wetzstein). Dazu gab es ein großes Grabgefäß sowie weiteren Keramikbeigaben. Verbunden mit dem gewaltigen Aufwand für die Schaffung dieser Begräbnisstätte ist hier die Bestattung eines besonders Mächtigen aus der frühen Bronzezeit anzunehmen.

Ähnliche Grabhügel der Aunjetitzer Kultur gibt es bei Helmsdorf in der Nähe von Gerbstedt und bei Dieskau. Im mitteldeutschen Raum sind weitere 13 Grabhügel durch Luftbilder zu lokalisieren. Bei Leki Male (Klein Lenka) in Polen gibt es eine Gruppe aus elf Grabhügeln der Aunjetitzer Kultur.

Nachbildungen der Grabkammer des Fürstengrabes von Leubingen sind im Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar und in der Leubinger Heimatstube zu sehen.

Weitere archäologische Funde bei Leubingen

2010 wurden auf der Trasse der in Bau befindlichen Autobahn A 71 eine Gruppe von Gräbern entdeckt. Hier waren vor rund 1.500 Jahren um 510 vermutlich Krieger des Königreiches der Thüringer bestattet worden.

In der Nähe des Grabhügels wurden 2011 die Bodenspuren eines fürstlichen Langhauses entdeckt. Dieses Haus bedeckte 462 Quadratmeter und ist einer der größten Bauten dieser Art in der mitteldeutschen Urgeschichte. Funde von Keramik lassen die zeitliche Nähe zum Bau des Hügelgrabes vermuten. Außerdem wurde an der Stirnseite des Langhauses ein großer Hortfund an Bronzebeilen geborgen.

Petruskirche in Leubingen

Die Leubinger Kirche ist dem Apostel Petrus geweiht. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt von 1217. Die Kirche in ihrer heutigen Form wurde 1271 geweiht. Der etwa 50 Meter hohe Turm trägt noch immer seinen gotischen Spitzhelm. Der Flügelaltar stammt aus der Zeit um1420/30. Sehenswert sind der spätgotische Crucifixus über dem Triumphbogen und die geschnitzte Kanzel. Unter dem Chor gibt es eine Gruft.

Heimatstube Leubingen

1994 gründete sich der Verein Heimatfreunde Leubingen e.V. Mit der Unterstützung durch die Stadt Sömmerda wurde die Heimatstube im alten Leubinger Pfarrhauses von 1715 geschaffen. Gezeigt werden in ihr vor aller Gegenstände aus dem Alltag des dörflichen Lebens. Prunkstück der Heimatstube ist eine Nachbildung des bronzezeitlichen Fürstengrabes.

Literatur

  • Sigrid Dusek: Ur- und Frühgeschichte Thüringens. Theiss Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1504-9

Quellen

  1. Stadt Sömmerda
  2. Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens Weimar
  3. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle
  4. Katharina Bolle: Fürstliches Wohngebäude aus der Bronzezeit entdeckt. In: Epoc 7.7.2011
  5. Bärbel Albold: Archäologen entdeckten 1500 Jahre alte Gräbergruppe. In: Thüringer Allgemeine vom 14.10.2010