Ein unglücklicher Stoß genügt, um Ellenbogen und Oberarm mit einem schmerzhaften Kribbeln zu durchdringen. Der Volksmund macht dafür den sogenannten Musikantenknochen verantwortlich, den es in Wahrheit jedoch gar nicht gibt. Vielmehr verursacht die unangenehme Empfindung ein oberflächlich im Ellenbogen verlaufender Nerv. Das Wort „Musikantenknochen“ ist somit ein irreführender Begriff. Doch jener steht längst nicht allein da, denn die deutsche Sprache ist reich an Wortschöpfungen, deren falsche Aussage nicht bemerkt oder zumindest großzügig toleriert wird.
Tierische Missverständnisse
Wer denkt schon daran, dass Koalabären keineswegs eine wirkliche Bärenart darstellen? Immerhin verfügen die rund 60 Zentimeter großen Tiere über eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren Teddybären. Dennoch gehören die putzigen Baumkletterer aus Australien biologisch richtig klassifiziert zu den Beuteltieren. Ebenso drollig präsentieren sich die „Präriehunde“ (Erdhörnchen), deren Name nicht weniger irreführend ist, denn sie zählen eigentlich zur Familie der Nagetiere. Zu jener gehören auch die Meerschweinchen, bei denen natürlich keinerlei Verwandtschaft zu echten Schweinearten besteht.
Ein ebenfalls weit verbreiteter Sprachirrtum betrifft die sogenannten Glühwürmchen. Dabei handelt es sich in Wahrheit um zahlreiche Leuchtkäferarten, wobei das „Glühen“ oft den Larven und/oder den Weibchen vorbehalten bleibt. Eine weitere Sorte angeblicher Würmer gehört gleichfalls in die Kategorie der Käfer: Die Holzwürmer erhielten ihren Namen vermutlich, weil sie (gleich den Würmern in der Erde) das Holz kanalartig durchlöchern. Dennoch werden diese wenig beliebten Tierchen korrekterweise den Nagekäfern zugeordnet.
Pflanzliche Irrtümer
Doch auch die Pflanzenwelt birgt einige sprachliche Tücken. Wer macht sich schon bewusst, dass die im Supermarkt als „Erdnüsse“ offerierten Produkte in Wahrheit keine Nüsse, sondern Hülsenfrüchte sind? Die wahrscheinlich häufigste Falschbezeichnung in der Welt der Pflanzen betrifft jedoch den sogenannten Heuschnupfen. Dabei handelt es sich nicht um einen echten Schnupfen, sondern um eine Allergie, welche in der Regel auch nicht durch Heu ausgelöst wird. Stattdessen sind verschiedene Pollen für das nervige Leiden verantwortlich. Weshalb der Begriff „Heuschnupfen“ dennoch so populär wurde, lässt sich nur vermuten: Der durch das Heu entstehende Staubdreck kann ebenfalls recht lästig jucken und animiert zum fortwährenden Niesen ...
Sprachliche Fehlgriffe aus der Welt der Chemie
Mittlerweile dürfte es jedes größere Schulkind schon einmal gehört haben: Bleistiftminen bestehen aus Graphit. Trotzdem behauptet sich die Bezeichnung „Bleistift“ unangefochten im deutschen Wortschatz, denn kaum jemand verlangt heute im Schreibwarengeschäft einen „Graphitstift“. Dennoch: Das giftige Blei ist kein Bestandteil von Bleistiften und war in diesen auch früher nicht enthalten. Selbst im 17. Jahrhundert bestanden die Minen der ersten sogenannten Bleistifte aus einer Graphitart, welche man allerdings irrtümlich für ein Bleierz hielt. Lediglich die Vorgänger der Bleistifte, die bereits im Altertum verwendeten Schreibgriffel, wurden unter anderem aus Blei hergestellt.
Einfacher verhält es sich hingegen mit der Kohlensäure. Wahrscheinlich jeder Freund prickelnder Erfrischungsgetränke ist sich darüber im Klaren, dass Kohlensäure nicht auf dem Grundstoff Kohle basiert. Dennoch findet der Begriff unter Fachleuten und Laien gleichermaßen Verwendung. Zu ihrem Namen kam die Kohlensäure übrigens durch das ihr zugrunde liegende Kohlendioxid.
Chemisch und sprachlich unkorrekt ist heute auch die Verwendung des Wortes Eisenbahn. Die Miniaturmodelle beinhalten schließlich größtenteils Kunststoff. Die großen Originale des Bahnverkehrs wiederum bestehen hauptsächlich aus Stahl, also einer Verbindung des Eisens mit Kohlenstoff und anderen Elementen. Weil dies aber nicht immer so war, erhielt die Eisenbahn ihren auch heute noch gebräuchlichen Namen: In der Pionierzeit des Bahnverkehrs im 19. Jahrhundert sollen Räder und Schienen tatsächlich überwiegend aus Eisen bestanden haben, denn die industrielle Stahlherstellung war damals noch längst nicht ausgereift.
