Lewis Trondheim & Yoann: fennek

Cover - Reprodukt
Cover - Reprodukt
Trondheim & Yoann inszenieren in ihrem rotzfrechen Tiercomic „fennek" das schwarzhumorige und wunderschön aquarellierte Abenteuer eines Wüstenfuchses

Fennek? Was ist das eigentlich? In Lewis Trondheim und Yoanns Comic fennek ist das ein junger Wüstenfuchs. Der Autor, Trondheim, ist hierzulande durch Serien wie Donjon oder Herr Hase (beide Reprodukt) längst ein Begriff. Auch den Zeichner Yoann kennt man: durch seine Arbeit bei Spirou & Fantasio oder Toto das Schnabeltier (beide Carlsen). Die beiden Comickünstler haben bereits bei Donjon Monster 4 „Geheimsache Gerstensaft“ (Reprodukt) zusammengearbeitet, weshalb die Vorzeichen zu diesem Projekt gut stehen.

Frechheit siegt

Der junge Wüstenfuchs Fennek hat gerade seine Erzfeinde, die Schlangen, abgehängt. Trotzdem ist er so aufgebracht über die „dämlichen Schlangen“, die er vorzugsweise auch „kriechende Exkremente“ nennt, so dass er kurzerhand beschließt, das magische Halsband des Schamanen zu suchen.

Damit will er nämlich soviel Regen herbeizaubern bis die Schlangen, die die Sonne brauchen, erfrieren. Doch die Suche beginnt katastrophal: Ein Raubvogel fängt Fennek und will ihn an seine Kinder verfüttern. Der Vorschlag Fenneks, auf vegetarische Kost umzusteigen wird schlicht ignoriert.

Schwarzhumorige Dialoge

Die größte Stärke von fennek liegt in dem Gegensatz der Kinderbuch-Illustrationsästhetik und den schwarzhumorigen Dialogen. Aus diesem Widerspruch, den die beiden Comickünstler herausragend ausspielen, fühlt man sich in höchst angenehmer Weise als Leser hin- und hergerissen. Das witzige äußere Erscheinungsbild wandelt sich abrupt dann, wenn sie zu fluchen beginnen oder über Moral philosophieren.

Während man nichtsahnend, ausgehend vom niedlichen Eindruck des Covers oder des Ersteindrucks beim Überblättern, mit der Lektüre beginnt, wird man eines besseres belehrt. Denn Trondheim unterfüttert die Illustrationen mit bissigen, absurden oder lakonischen Dialogen und führt damit die vermeintliche Kinderbuch in den Bereich der Satire.

Nuancenreiche Aquarellbilder

Yoann führt einen detailierten und – bei den Tieren – leicht karikierenden Strich. Die Umwelt erscheint realistisch: in strahlenden und nuancenreichen Aquarellfarben erblüht die Wüsten- und Steppenlandschaft, in der der Fennek vagabundiert.

Die Tiere schwanken zwischen Realismus und gemäßigter Karikatur. Auf Tusche- oder Bleistiftkonturen verzichtet Yoann völlig, die wenigen Konturen trägt er ebenfalls mit Aquarellfarben auf, wodurch die Illustrationen insgesamt plastischer wirken.

Grandiose Zusammenarbeit

Dieser einmalige Comic ist bei Reprodukt als gebundene Ausgabe im handlichen Querformat erschienen. Die grandiose Zusammenarbeit von Trondheim und Yoann ist ein Paukenschlag von Fabulierfreude, witzigen Dialogen, kleinen philosophischen Einsprengsel und wundervollen Bildern.

Wer Geschichten wie Der kleine Prinz mag, wird sich auch an diesem Comic erfreuen. Man kann nur hoffen, dass dies nicht das letzte Projekt der beiden Comickünstler gewesen ist. fennek ist sicherlich auch als Geschenk eine seh gute Idee und eignet sich sowohl für große Kinder oder für erwachsene Kindsköpfe gleichermaßen.

Wertung: 4,5 von 5

Lewis Trondheim & Yoann: fennek. Reprodukt, 2011. Hardcover, 64 Seiten. Euro 12.