
- Cover - Reprodukt
Ob „erstaunlich“ oder „haarsträubend“, mit/von oder ohne Herrn Hase – Lewis Trondheim ist vor allem durch seine Abenteuergeschichten bekannt geworden, die mit anderen Funnies so gar nicht verglichen werden können. Bei Reprodukt ist nach Band 1 („Slaloms“) und Band 2 („Blacktown“) der dritte Band der Serie Die erstaunlichen Abenteuer von Herrn Hase erschienen.
Der Genre-Jongleur
In „Verflucht“ wechselt Trondheim erneut das Genre: Nach seiner genialen Western-Satire parodiert er diesmal das Mystery-Genre. Auf der ersten Seite scheint Trondheim noch kurz dem Western verhaftet zu sein, aber nur um ein weiteres Mal den Leser mit einer aberwitzigen Wendung und trockenem Humor zu überraschen.
Denn nach einigen skurrilen Situationen ist schnell klar, wie hier der Hase läuft: Herr Hase und Richard nehmen von einem Selbstmordkandidaten einen mysteriösen Stein an. Der Stein soll angeblich aus der Tschnyptz-Dynastie stammen und verflucht sein. Zum Beginn machen sich die beiden noch lustig. Doch dann wird Richard von immer mehr seltsamen Zwischen- und Unfällen heimgesucht.
Der Trondheim-Code
Der Humor schwankt bei Trondheim von trocken über skurril bis absurd. Stets ist die Fabulierfreude des Autors zu spüren. Und stets blickt Trondheim in satirischer Weise durch die anthropomorphen Wesen auf unsere heutige Welt. Das tolle bei Trondheim ist, das man seine Geschichten auch als Nicht-Genre-Liebhaber lesen kann. Vielleicht bekommt der eine oder andere Leser sogar aufgrund der unernsten Verballhornung erst einen Anreiz einen Western- oder eben einen Mystery-Comic zu lesen?
Trondheims führt einen klaren und kitzeligen Strich. Die bunt und flächig kolorierten Zeichnungen entsprechen aber nur scheinbar dem Funny-Durchschnitt, denn der Zeichner bemüht sich nicht um eine bewusst karikierende Strichführung. Trotz oder gerade aus der Mischung von realistischem Hintergrund und den Tierwesen speist sich eine gelungene Gratwanderung zwischen Fiktion und Realismus.
Funnies für Erwachsene
Dem unermüdlichen Comickünstler Lewis Trondheim scheinen die Ideen für absurd erzählte Geschichten niemals auszugehen. Neben zahlreichen Gemeinschaftsprojekten wie Donjon Monster (Reprodukt) mit Joann Sfar oder Die Kosmonauten der Zukunft (Ehapa/Finix Comics) mit Manu Larcenet ist der Franzose ebenso durch zahlreichen Einzelpublikationen wie fennek (Reprodukt) in Erscheinung getreten.
Doch die Massenproduktion zeigt auch Spuren des Verschleißes: „Verflucht“ ist wie immer wendungsreich und mit einmaligem Trondheim-Humor erzählt, aber an das Feuerwerk, das er zuletzt mit „Blacktown“ abgefeuert hatte, kann er diesmal nicht ganz anknüpfen. Was fehlt, sind zum Beispiel die philosophischen Einschübe. Nicht unbedingt ein Trondheim-Comic für Neu-Einsteiger, eher ein Band für Kenner, Fans und Alles-Sammler.
Lewis Trondheim: Die erstaunlichen Abenteuer von Herrn Hase 3 – Verflucht. Reprodukt, 2011. Softcover, 48 Seiten. 12 Euro.
