
- Cover Seele, Lexikon der Bismarck- Denkmäler - Imhof Verlag
Nach ihrem Standardwerk zu Bismarck- Türmen und –Säulen (1997) hat Sieglinde Seele nun ein Lexikon nachgelegt, das alle zu Ehren Bismarcks errichteten Denkmalstypen erfasst. Neben den 230 Bismarck-Türmen und -Säulen werden hier zusätzlich 100 Standbilder, 55 Büsten, 270 Gedenksteine und 70 Wandtafeln vorgestellt. Trotz der beeindruckenden Rechercheleistung der Autorin erhebt sie, aufgrund der enormen Anzahl von Bismarck- Denkmälern in Deutschland, Österreich, Osteuropa und Übersee, keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Eine laufende Aktualisierung des Bestands erfolgt seit 2001 auf einer von Jörg Bielefeld betreuten Internetseite.
Aufbau des Lexikons
Nach einem kunst- und kulturgeschichtlichen Überblick über die verschiedenen Typen von Bismarck- Denkmälern, präsentiert Seeles Lexikon die einzelnen Denkmäler nach Ortsnamen geordnet. Die Angaben zu jedem Denkmal umfassen – sofern es zu ermitteln war – die Beschreibung des Denkmals nach dem ursprünglichen Aussehen, Inschriften, Namen der beteiligten Künstler, Baubeginn, Enthüllungsdatum, Zustandsveränderung nach den Weltkriegen. Leider fehlt jegliche Information darüber, wer jeweils den Bau veranlasste. Dies ist vor allem für jene Historiker, die sich über kunst- und kulturgeschichtliche Fragen hinaus mit den politik- und sozialgeschichtlichen Hintergründen des Bismarck- Kultes befassen wollen, ein bedauerlicher Mangel. Leider informiert auch der einleitende Teil nicht hinreichend über die Politisierung des Bismarck- Kultes zwischen wilhelminischem Kaiserreich und Drittem Reich. Erfreulich ist hingegen die reiche Bebilderung des Lexikons mit zum Teil zeitgenössischen Fotografien der Denkmäler. So wird deutlich, dass die Bismarck- Denkmäler sehr vielfältig und kreativ gestaltet wurden, obwohl es die Tendenz gab, Standbilder und Türme nach einheitlichen Entwürfen zu errichten.
Anhang und Gliederung
Ein ausführlicher Anhang gliedert die die Bismarck- Denkmäler nochmals nach verschiedenen Kriterien tabellarisch auf: nach Orten, Bismarck- Türmen und –Säulen, figürlichen Denkmälern, Brunnen, Büsten, Gedenksteinen, Wandtafeln – alles jeweils nach Bundesländern und Enthüllungsjahren sortiert. Die Ordnung nach Bundesländern ist aus der Sicht des Historikers wenig sinnvoll, da fast alle Bismarck- Denkmäler im wilhelminischen Kaiserreich und der Weimarer Republik errichtet wurden und die damaligen Länder- und Provinzialgrenzen nicht den heutigen entsprechen. Dieses Faktum berücksichtigt Seele nur für die nach dem Zweiten Weltkrieg an Polen und Tschechien gefallenen Ostprovinzen. Darüber hinaus erfasst der Anhang auch Bismarck- Ehrungen im Zusammenhang mit anderen Denkmälern (zumeist für Kaiser Wilhelm I.), geplante, aber nicht ausgeführte Denkmäler sowie ein Verzeichnis der Bildhauer und Architekten. Neben den Lebensdaten und den Bismarck- Denkmalsprojekten, an denen sie beteiligt waren, hat die Autorin leider keine weiteren biographischen Angaben über die Bildhauer und Architekten angeführt.
Der auf den ersten Blick recht stattliche Preis ist für ein Lexikon dieser Größenordnung (49,80 €, 480 Seiten) durchaus angemessen. Außerdem handelt es sich um ein auf seinem Gebiet konkurrenzloses Standardwerk, das geschichtswissenschaftlich und touristisch Interessierte gleichermaßen bedient.
