
- Zur Paarung verhakte Herbst-Mosaikjungfern am Ufer - Foto: Gundula Klämt (September 2011)
Wer hätte es gedacht? Insekten der Ordnung Libellen bzw. Wasserjungfern und ihre Larven stehen unter Naturschutz! Das bedeutet, sie dürfen nicht gefangen werden, weder zur Beobachtung noch zur Artbestimmung; auch nicht, wenn sie im eigenen Garten vorkommen. Um festzustellen, welche Arten es sind, können Nachschlagewerke und Fotos zu Rate gezogen werden.
Immer mehr Libellen auf der Roten Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN
In Mitteleuropa sind circa 75 Arten bekannt; weltweit sogar 6.000, davon jeweils zur Hälfte Klein- und Großlibellen. Sie waren bereits vor den Dinosaurier auf der Erde und überdauern hier so mehr als 300 Millionen Jahre. Die damaligen Libellen waren mit Flügelspannweiten bis zu 70 Zentimeter riesig. Obwohl heute deutlich kleiner, zählen Libellen nach wie vor zu den größten Insekten der Welt. Allerdings sind mindestens 14 bis 15 Prozent der Libellenarten stark gefährdet, verschollen und vom Aussterben bedroht, wie etwa die Griechische Adonislibelle. Die internationale, nationalen und regionalen Rote/n Liste/n füllen so leider immer häufiger diese Wirbellosen.
Worin unterscheiden sich Kleinlibellen von den Großen?
Sind die Hinter- und Vorderflügel nahezu identisch geformt und in Ruhestellung nach hinten oben zusammengeschlagen oder ausgebreitet, ist der Körper eher zart unter vier Zentimeter klein und sind die Komplexaugen weit voneinander entfernt, zum Beispiel seitlich angeordnet, handelt es sich um eine Kleinlibelle. Die typischen Merkmale der Großlibellen sind hingegen einen Hauptteil des Kopfes ausmachende und in der Kopfmitte zusammentreffende Netzaugen. Vorder- und Hinterflügel können verschiedenartig geformt und unterschiedlich groß sein. Beispielsweise bei der Herbst-Mosaikjunfer sind die Hinterflügel an der Basis breiter. Großlibellen sind zwischen 40 und 80 Millimeter lang.
Libellen sind schön und für Menschen ungefährlich
Libellen, besonders Großlibellen mit Flügelspannweiten bis zu 19 Zentimeter (in Mitteleuropa bis zu 12 Zentimeter) sind auffällige Flugakrobaten mit schönen Färbungen des schmalen Körpers, angefangen am Kopf über die Brust bis zu dem lang gestreckten Hinterleib. Etwa die Herbst-Mosaikjungfer zeigt sich in leuchtend türkis, schwarz, weiß und braun gemustertem Gewand. Mitunter sind die weiblichen und männlichen Tiere einer Libellenart anders gefärbt. So tragen die Männchen der Hufeisen-Azurjungfer eine blaue und die Weibchen grüngelbe Grundfärbung. Auch ihre Hinterleiber sind verschiedenartig metallschwarz gezeichnet. Für Menschen sind die Li(e)bellen ungefährlich. Sie können uns weder stechen noch beißen. Der bei einigen Libellenarten, wie bei der Quelljungfer, vermeintliche Stachel ist lediglich ein Legebohrer des weiblichen Tieres und dient der Eiablage in den Boden des Bachbetts.
Räuber-Beute-Beziehungen, trophische Ebenen, Nahrungsnetze und -kette
Dennoch ist die Lebensweise der Libellen räuberisch. Die Beine dienen nicht dem Laufen, sondern vielmehr dem Fang von lebender Beute. Libellen ernähren sich von anderen Insekten, manchmal sogar von kleineren Libellenarten. Auch die noch flugunfähigen und im Gewässer lebenden Larven erbeuten kleinere Insekten- und Libellen- sowie Amphibienlarven, seltener Jungfische. Auf der anderen Seite sind sowohl die Libellenlarven, als auch die Libellen wichtige Beute für Fische, Molche, Wasserkäfer, größere Insektenlarven und Vögel. Ohne Libellen und ihre Larven geraten aquatische Ökosysteme quasi aus dem trophischen Gleichgewicht außerhalb der natürlichen Schwankungen, da die Interaktionen innerhalb des Nahrungsnetzes mit sinkender Artenvielfalt zu limitierten Ressourcen führen.
Bedrohte Limnoökologie … gefährdete Libellen
Die anthropogenen Ursachen schlechter Gewässerzustände und dadurch fehlender Libellenarten sind zerstörte Einzugsgebiete - etwa infolge abgeholzter Auenwälder -, Uferbebauungen, Schiffsverkehr, Einträge mit Schadstoffen, allgemeine Umweltverschmutzung, Eutrophierung und auch der Klimawandel in Parallele zu hohen Wasserentnahmen aufgrund der Austrocknung in Regionen mit immer heißeren und trockeneren Sommern. Wichtige Libellengebiete liegen im Süden Europas in Südfrankreich, Griechenland und im benachbarten Albanien, Bulgarien und in der Türkei.
Libellen als Zeigerorganismen und Indikatoren für Ökologie und Naturnähe
Seen, Flüsse und Teiche, die sich von ihrem natürlichen Zustand immer weiter entfernen, lassen Libellenarten verschwinden. Daher sind Libellen so genannte Indikatoren und Zeigerorganismen für Gewässerzustände und die Situation aquatischer und semiterrestrischer Lebensräume. Libellenbiotope setzen nicht nur das Vorhandensein von Süßwasser voraus. Die Gewässer wie Seen und Flüsse, auch Gartenteiche und Feuchtgebiete müssen sich in einem naturnahen Zustand befinden. Dann bieten sie den Libellenarten ideale Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen sowie Brutstätten und Kinderstuben für den Nachwuchs. Eine hohe Biodiversität an Libellenarten lässt auf eine intakte Biozönose, ökologische Gewässerstrukturen und Wasserqualität schließen.
Quellen und Literaturtipps:
- Lampert, W.; Sommer U.: Limnoökologie. Thieme-Verlag.
- "Rote Liste - Alarmstufe rot für Europas Insekten" scinexx - Das Wissensmagazin. Springer
- verschiedene Lexika „Insekten“
