Libyens Tuareg könnten nach dem Sturz Gaddafis die Verlierer sein

Tuareg in Libyen - Rudolf Baumann
Tuareg in Libyen - Rudolf Baumann
Die Tuareg befürchten nach dem Umbruch in Libyen Ausgrenzung und Diskriminierung. Sie gelten allgemein als Unterstützer Gaddafis und flüchten nach Algerien.

Während die politische Zukunft des Landes noch recht ungewiss ist, fürchten vor allem die zum Teil auch in Lybien ansässigen Tuareg mit der Neugestaltung des Landes auch erhebliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen, werden sie doch gemeinhin als Gefolgsleute Gaddafis dargestellt. 500 Tuareg aus der Region Ghadames im Südwesten Libyens hätten nach einer Pressemitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker vom 7. September 2011 deshalb in den vergangenen Tagen im Nachbarland Algerien Schutz und Zuflucht gesucht.

Politische Bedeutung der Tuareg in Libyen umstritten

Dass diese Verallgemeinerung jedoch an der Wirklichkeit vorbeigeht, betonte nun der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius: "Es ist fatal für die Tuareg, dass sie pauschal als Gefolgsleute Gaddafis dargestellt werden und ihnen sogar eine führende Rolle bei der Flucht des Diktators beigemessen wird." Damit würde einerseits ihr politischer Einfluss in Nordwestafrika überschätzt und gleichzeitig die Vielfalt der Tuareg- Bewegung ignoriert werden. Denn auch Repräsentanten der 600.000 in Libyen lebenden Tuareg wären von Gaddafis Schergen bedroht und mussten deshalb das Land verlassen.

Die Tuareg - ein Volk ohne Grenzen

Die Tuareg sind ursprünglich Berber, die sich aber in Ihrer Eigenart inzwischen weit von anderen Berber-Gruppen entfernt haben und auch eine eigene Sprache sprechen. Ursprünglich Wüstennomaden, lebt heute nur noch ein kleiner Teil der Tuareg als Wanderhirten oder Karawanenführer, der größte Teil dieser nach einem strengen Kastensystem hierarchisch gegliederten Gesellschaft soll derzeit von der Landwirtschaft leben. Die Verbreitung dieses rund 1 Million starken Volkes kann vor allem durch ihre Siedlungsgebiete markiert werden, die sich von Algerien bis zu den Staaten Niger und Mali erstrecken.

Nur weinige Tuareg waren Söldner Gaddafis

Tatsächlich hatte der Diktator seit Beginn der 90er Jahre die Tuareg-Freiheitsbewegungen im Norden Malis und Nigers zwar unterstützt und auch aus ihren Reihen Söldner angeworben, dennoch wäre es fatal, mit diesen wenigen Mitgliedern eine ganze Volksgruppe in Verbindung zu bringen. Die meisten der in Libyen lebenden Tuareg hätten nichts mit diesen Söldnern zu tun und Gaddafi schon immer kritisch gegenübergestanden, da dieser die Existenz nicht-arabischer Völker in Nordafrika lange Zeit geleugnet hätte, führte Delius weiter aus. Auch die Vermutung, die Tuareg könnten Gaddafis Asyl vermitteln hält er für unrealistisch, dazu hätte dieser den Tuareg zu oft die Unterstützung entzogen, wenn es ihm opportun erschien.

Zukunft der Tuareg in Libyen ungewiss

Doch nicht nur der politische Umbruch Lybiens setze nach der Einschätzung der BfbV dem Nomadenvolk zu, denn seit der weltweite Kampf gegen den Terrorismus sich auch gegen „El Kaida im Maghreb“ (AQMI) richtet, leiden sie unter der Militarisierung der Sahara. So ist der Tourismus zusammengebrochen, der lange als eine der wichtigsten Einnahmequellen der Tuareg galt.

Quellen : gfbv.de

Weiterführende Literatur:

- Alberto Vázquez-Figueroa: "Tuareg", Goldmann Verlag, München 1989

- Harald Haarmann: "Kleines Lexikon der Völker", Beck Verlag, München 2004

Kornelia Matzanke Politik- und Sozialwissenschaft, Kornelia Matzanke

Kornelia Matzanke - Politik- und Sozialwissenschaftlerin Studium der Ethnologie, Kunstgeschichte und klassischen Archäologie an der Freien ...

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