Licht und Fotografie - Tipps für Hobbyfotografen

Licht und Fotografie - Stefan Dassler
Licht und Fotografie - Stefan Dassler
„Fotografieren ist Malen mit Licht" - vielleicht ist Ihnen dieser faszinierende Satz auch in Büchern oder Fotozeitschriften aufgefallen.

Allzu oft fotografiert man, was einem ins Auge fällt, ohne sich über Licht und Farbe allzu viel Gedanken zu machen. Nach dem Motiv ist jedoch das Licht einer der wichtigsten Faktoren für ein gelungenes Foto – für ein echtes „Hingucker“-Bild.

In der Fotografie – dem Malen mit Licht – spielen vor allem die drei Kriterien „Farbe des Lichtes“, „Lichtrichtung“ und „Lichtqualität“ eine Rolle. Beispielsweise hat das Licht eines Sonnenunterganges intensive rote und gelbe Farben. Die Lichtrichtung kann als eindeutiges Gegenlicht beschrieben werden. Wenn dann Wolken vor die Sonnen ziehen, wirkt das Licht noch weicher (Lichtqualität).

Ein geübter (Hobby-) Fotograf erkennt intuitiv und ohne viel nachzudenken, wie er das vorhandene Licht am besten nutzen kann. Für Einsteiger können die folgenden Tipps und Informationen noch zusätzliche und anregende Hilfestellungen geben.

Farbe des Lichtes

Das für den Menschen sichtbare Licht liegt in einem Bereich von etwa 380 bis 780 nm Wellenlänge. Dabei ist die Lichtfarbe von der Wellenlänge abhängig. Der Farbton Violett (380-420 nm) liegt im unteren Teil des sichtbaren linearen Farbspektrums, es folgen Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot (650-750 nm).

In fotografisch-gestalterischer Sicht verwendet man für die Farben lieber einen Farbkreis. Der einfachste Farbkreis besteht aus den drei (Primär-) Farben Rot, Gelb und Blau („RGB“), die im Uhrzeigersinn angeordnet sind. Dazwischen sind die Sekundärfarben positioniert, Mischungen aus beiden angrenzenden Farben. Der erweiterte Farbkreis besteht somit aus Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett.

Neben dem Farbton zählen auch Helligkeit und Farbsättigung zu den Eigenschaften von Farben. So kommt es, dass der Mensch rund 20 Millionen Farben/Farbeigenschaften unterscheiden kann. Der Betrachter eines Fotos kann also kleinste Abstufungen erfassen.

Farben, die sich im Farbkreis gegenüber stehen (beispielsweise rot-grün, gelb-blau), bilden den jeweils stärksten Kontrast (Komplementärfarben). Beispielsweise scheinen sich bei einer leuchtend roten Mohnblume vor einer saftig grünes Wiese die Farben zu verstärken, so dass das Foto oftmals noch wirkungsvoller ist.

Farben, die nebeneinander im Farbkreis liegen (beispielsweise rot-gelb-grün, blau-violett), wirken dagegen harmonischer. Beispielsweise harmonieren in der Landschaftsfotografie bei einem wunderbaren herbstlichen Baum in einem Park die Blätter von rot, gold, gelb bis grün nahezu perfekt. In der Dämmerung wirkt die Kombination von Blau- und Violett-Tönen bei modernen, futuristischen Architekturmotiven in einer Stadt ebenso stimmig.

Auflicht, Gegenlicht und seitlich einfallendes Licht – die Lichtrichtung

Auch die Lichtrichtung spielt in der Fotografie eine wichtige Rolle. Von „Auflicht“ spricht man, wenn sich die Lichtquelle genau hinter dem Fotografen befindet (beispielsweise die Aufnahme einer interessanten mittelalterlichen Burg bei strahlend blauem Himmel und der Sonne im Rücken des Fotografen).

Die zweite extreme Aufnahmesituation stellt das „Gegenlicht“ dar, wobei sich die Lichtquelle genau hinter dem Motiv befindet. Wenn Sie beispielsweise Kinder im Gegenlicht vor der Sonnen am Strand porträtieren, empfiehlt sich ein Aufhellblitz mit manuell reduzierter Blitzleistung. Das Gesicht würde sonst zu dunkel vor dem hellen Hintergrund aufgenommen.

Ein Aufhellen des Gesichts bei Gegenlicht kann auch durch einen Reflektor geschehen. Weiß- und silberfarbene Reflektoren reflektieren neutrales Licht. Goldfarbene Reflektoren reflektieren das Licht wärmer und werden daher gerne für Porträts eingesetzt. Sie schmeicheln der Hautfarbe.

Fotografiert man durchscheinende transparente Motive im Gegenlicht, so spricht man von Durchlicht. Beispielsweise sind wehende Fahnen und Segel in leuchtenden Farben vor blauem Himmel oder dünn aufgeschnittene Früchte, Geleefrüchte und Gummibärchen mit dahinterstehender Lichtquelle im Heimstudio lohnende Motive.

„Seitlich einfallendes Licht“ ist für (Hobby-) Fotografen ein sehr angenehmes Licht. Es modelliert, das heißt man kann durch die Schatten im Motiv dreidimensionale Strukturen herausarbeiten. Beispielsweise betont das seitlich einfallende morgendliche Licht bei einem prächtigen Rokokoschloss die räumliche Wirkung des Objekts. Bei Kinderporträts ist der Vorteil des seitlichen Lichts, dass es nicht so blendet wie Auflicht. Das Kind muss weniger Zwinkern und die Augen zusammenkneifen. Allerdings können auch die Schatten neben oder unter der Nase, um die Augen oder unter dem Kinn für fotografischen Ärger sorgen.

Eine Sonderform des Seitenlichts ist das Streiflicht. Es entsteht, wenn das Licht fast parallel zur Oberfläche des Motivs einfällt. Beispielsweise wenn nur die Gipfel eines Gebirgszuges in den Alpen vom Licht erfasst werden, das darunterliegende bleibt im dunkleren Bereich.

Hartes und weiches Licht – die Lichtqualität

Die beiden Extreme in Sachen Lichtqualität sind hartes und weiches Licht. Ob ein Licht hart oder weich in der Fotografie ist, hängt von der Größe der Lichtquelle und gegebenenfalls ihrer Entfernung ab.

Ein Beispiel für hartes Licht ist die Mittagssonne, die auf ein kunstvolles Fachwerkhaus scheint. Die Sonne ist eine sehr große Lichtquelle, zudem sehr weit entfernt und wirkt von daher wie eine punktförmige Lichtquelle mit hartem Licht. Es werden harte Schatten und hohe Kontraste erzeugt. Auch Blitzgeräte mit kleinen Reflektoren bei Porträtaufnahmen in Räumen sind zunächst punktförmige Lichtquellen, die hartes Licht hervorbringen.

Wenn hartes Licht nicht wünschenswert ist, sind Diffusoren beispielsweise bei Porträts und Produktfotos im Freien das beste Hilfsmittel. Diffusoren sind durchscheinende Stoffe, die zwischen Lichtquelle und Motiv platziert werden – im Freien beispielsweise zwischen Sonne und zu porträtierender Person.

Weiches Licht bringt beispielsweise eine Flächenleuchte in einem Studio bei Gruppenporträts hervor. Auch im Freien können Wolken vor der Sonne oder ein bedeckter Himmel deutlich weicheres Licht erzeugen. Durch die schwach ausgeprägten Schatten bei weichem Licht entsteht eine flache Wirkung des Objektes im Bild. Aber das weiche Licht bringt die Farben sehr schön zur Geltung – bestens geeignet für Porträts, Blumen, Landschaften und Architekturdetails.

Kontrastumfang und Dynamikbereich – die HDR-Technik hilft

Licht und die von ihm verursachten Schatten bestimmen den Kontrastumfang im Bild. Manchmal ist dieser aber größer als der Dynamikbereich der Kamera, der angibt, wie viele Belichtungsstufen (EV) zwischen Weiß und Schwarz der Sensor aufzeichnen kann. Aktuell kann man bei Kameras von rund 10 EV im normalen ISO-Bereich ausgehen.

Im Motiv – beispielsweise einem kontrastreichen Alpenpanorama oder einer bunten Herbstszenerie - können jedoch bis zu 16 oder 17 EV zwischen hellster und dunkelster Stelle liegen. Die hellen und dunklen Partien werden oft einfach auch als „Lichter“ und „Schatten“ bezeichnet.

Im Rahmen der HDR-Technik (HDR = High Dynamic Range) schießt man wenigstens drei Bilder des Motivs am besten mit Stativ – eines auf den mittleren Tonwert abgestimmt, eines unter- und eines überbelichtet. Die Bilder werden anschließend kombiniert.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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