Liebe, Leidenschaft - und die Wahrheit

Adam und Eva - Alexander Spoerl
Adam und Eva - Alexander Spoerl
Die Literatur ist voller schöner und tragischer Liebesgeschichten, aber die knappe Form des Aphorismus vermittelt auch bittere Erkenntnisse.

Den Anfang der Geschichte hat Mark Twain nachempfunden, in einem Tagebuch. Und das fängt mit den Worten an: „Als ich erwachte, war ich nicht mehr allein. Ein neues Geschöpf war da mit langen Haaren…Das neue Geschöpf ist mir überall im Wege…“. Und dann hatte es auch noch ein neues Wort erfunden, es hieß „Wir“. Dieser Anfang von Mark Twains Geschichte – es ist leicht zu erahnen, trägt den Titel „Adam und Eva“. Und endet mit dem verhängnisvollen Genuss eines Apfels. Und so weiter.

Amo ergo sum oder Sum, ergo amo?

Die Fortsetzung dieser Geschichte ist in vielen Jahrhunderten in allen Sprachen weitergeschrieben worden. In vielerlei Varianten, beispielsweise: „Ich liebe meine Familie, ehrlich (Anna Johann), „Der gute Ton in allen Liebeslagen“ (Herrmann Mostar), „Das Hexenspiel der Liebe“ (Odile Granville) oder „Ich lieb Dich überhaupt nicht mehr“ (Monika Helfer). Daneben gibt es natürlich auch „Werthers Leiden“ von Goethe oder Shakespeares „Romeo und Julia“. Alles Geschichten also um Liebe und Leidenschaft, um Entfachtes und Erlöschendes. Sie bündeln sich in einem knappen Aphorismus: „Amo ergo sum“. Es gibt Zeitgenossen, die den Satz umdrehen: „Sum, ergo amo“.

Der Aphorismus gleicht einem Spiegel

Liebe und Leidenschaft, das wird von vielen mit einer Lohe verglichen, die zum Brand werden kann. Hier schaltet sich, literarisch zumindest, häufig der Aphorismus – auch dämpfend – ein. Der Aphorismus, hat ein schlauer Mensch einmal gesagt, will mit dem geringsten Aufwand an Worten schlagartig einen möglichst weit oder möglichst tief greifenden Gedanken ausdrücken. Beispielsweise so: „Es gibt nichts Ernsteres als ein Liebespaar. Für die Beteiligten selbst. Aber auch nichts Komischeres. Für die anderen“. Der Aphorismus hält einen Spiegel vor. Auch und besonders den Liebenden. Und gibt Ratschläge, die beispielsweise Carl Hagemann in seinem Bändchen „Aphorismen zur Liebesweisheit“ gesammelt hat, z.B.:

„Nichts ist in der Liebe gefährlicher als konventionelle Gesten. Es gibt sehr diskrete Frauen, die trotzdem nicht leiden können, wenn man kurz vorher die Tür zusperrt“.

„Das Geheimnis langfristiger Liebe ist ein Geheimnis der Distanz“.

„Jede Frau ist präokkupiert. Sie hat immer schon irgendwen. Ehe die Männer mit einer Frau anfangen, sind sie schon betrogen."

Der unbegabte Liebhaber des Alexander Spoerl

Es gibt von Alexander Spoerl ein Schmunzelbuch, das heißt „Der unbegabte Liebhaber“. Es ist die Geschichte des Dr. Martin Leberecht, der jene bestimmte Art von schüchternem Charme besitzt, die ihn für Frauen eigentlich unwiderstehlich macht. Aber im entscheidenden Augenblick macht er nervös und tollpatschig alles falsch. Weil er etwas nicht erkannt und für sich realisiert hat, was ihm der Aphorismus hätte sagen können: „Frauen sind im Übersehen von Mängeln wahre Virtuosen. Ob von Natur aus oder mit Rücksicht auf das Männermaterial, sei dahingestellt.“

Die „Salonschlange“ – ein giftige Reptil

Dabei allerdings, lehrt die Welt der Literatur, lauern überall Gefahren. So sagt wiederum Carl Hagemann: „Die Frauenwelt ist voller Kanaillen. Auch eine ‚Salonschlange’ ist ein Reptil. Ein giftiges“. Und dazu passt: „Die Frau kommt häufig erst dann zum letzten Genuss einer Liebesstunde, wenn sie einer Freundin davon erzählt“. Der Mann ahnt es nicht, denn er ist in einer anderen Vorstellung gefangen: „Wenn sich eine Frau verliebt, pflegt der Mann alles auf sich zu beziehen. Er irrt. Ein gut Teil ist Autosuggestion.“

Vertiefende Einblicke: Carl Hagemann, Aphorismen zur Liebesweisheit, Verlag der Greif

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Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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