Die Anhaftung des Menschen kann an verschiedene Objekte oder Subjekte erfolgen. Aus buddhistischer Sicht kann eine sogenannte Anhaftung aufgrund von Gier oder auch Hass erfolgen, letztlich ist sie jedoch Resultat der menschlichen Verblendung.

Konkret bedeutet dies, dass es zu einer emotionalen Bindung an erwünschte oder gewollte Subjekte und Objekte kommt, von denen nicht abgelassen werden will. Durch das sogenannte Anhaften entsteht jedoch ein leidhaftes Verhalten, das vor allem in Beziehungen zu finden ist. Da in der buddhistischen Lehre die wiederholten Hinweise auf die Aufhebung des Leids zu finden sind, stellt sich die Frage, wie dieser Problematik im realen Leben begegnet werden kann.

Hinweise aus der Theravada-buddhistischen Perspektive

Der Theravada-Buddhismus zeichnet sich durch eine Nähe zum Wort Buddhas aus, das in der kanonisierten Sammlung, dem sogenannten Pali Kanon zusammengefasst ist. Kennzeichnend für den hinayanischen Weg ist die Betonung der Achtsamkeitsschulung. Durch das sogenannte Vipassana (Klarsehen) darf und soll erkannt werden, was gerade auf der Ebene des Körpers, der Gedanken, Emotionen und der sogenannten Geistesobjekte passiert.

Für Personen, die als Laien – das heißt in einem säkularen Kontext – leben, sind viele Hinweise aus dem Pali Kanon nicht umsetzbar, da dieser zu einem Großteil auch an Mönche oder Schüler des Buddha gerichtet ist. Für einen Mönch oder eine Nonne ist es ein klarer Auftrag, sich dem Weg des Dhamma hinzugeben und dementsprechend eine zölibatäre Richtung einzuschlagen. Diese Verhaltensregeln finden sich im sogenannten Vinaya-Korb (Vinaya Pitaka)

Für den Laien gilt es auf jeden Fall zu versuchen einen achtsamen Pfad einzuschlagen. Dabei wird von Buddha betont, dass es in jeglicher Hinsicht hilfreich ist zwischen heilsamen (kusala) und unheilsamen (akusala) Handlungen zu differenzieren. Hierbei ist zu beachten, dass heilsames Handeln im Idealfall für beide Seiten hilfreich sein sollte.

Was bedeutet dies nun für die Lebenspraxis in Beziehungen?

Ein gewisses Maß an Anhaftung ist wohl dem Mensch zu eigen und wird sich nicht umgehen lassen. Allerdings kann ein achtsamer Umgang mit diesem Anteil erreicht werden. Dies würde konkret bedeuten, dass ein bewusstes Wahrnehmen eines starken persönlichen Empfindens ein massives oder geringeres Verlustempfinden auslösen kann. Demzufolge geht es darum, dies nicht zu verurteilen oder prinzipiell zu bewerten, sondern dies als eine persönliche Tendenz wahrzunehmen. In diesem wahrnehmendem Umgang mit dem eigenen Empfinden wird der tiefen Emotion der vermeintlichen Liebe Tribut gezollt und diese darf so sein, wie sie gerade empfunden wird. Dieses Annehmen hat einen zutiefst heilsamen Aspekt und ist als ein Akt der Zuwendung zum eigenen verletzlichen Selbst zu betrachten.

Grundsätzlich darf natürlich auch die Frage nicht ungestellt bleiben, ob die tatsächliche bedingungslose Liebe nicht für den Partner oder die Partnerin das Beste wünscht und dies nicht ein Zustand ist, der angestrebt werden sollte?

Prinzipiell ist es sicherlich eine Haltung, die als heilsam zu betrachten ist, jedoch einen hohen Grad persönlicher Reife und spiritueller Entwicklung voraussetzt. Frei interpretiert dürfte es wohl als eine Bestätigung zu sehen sein, dass der Mensch sich sehr wohl spirituell weitentwickeln kann und sich für das Wohl seines Partners engagieren kann. Dies wäre sicherlich als Ideal zu betrachten, jedoch für viele Menschen nicht erreichbar. Im Sinne eines heilsamen Umgangs mit sich selber und dem Partner wäre es jedoch dienlich auch in dieser Hinsicht einen achtsamen Zugang an den Tag zu legen und ein mögliches Misslingen oder bestehende Schwierigkeiten zur Kenntnis zu nehmen, ohne diese in irgendeiner Form zu bewerten.

Quellen:

Pali Kanon

Stenek, Sonja Eliane: Frei sein von Anhaftung – eine Lebensmaxime im Buddhismus

Stenek, Sonja Eliane: Gelebte Beziehung - Verblendung in nahen Beziehungen