Liebe und Leidenschaft mit Hilfe von Google

Liebe, Leidenschaft - rororo
Liebe, Leidenschaft - rororo
Die ungeahnten Folgewirkungen des hemmungslosen Suchens. Viele wollen gefunden werden.

Wer in den letzten Augusttagen des Jahres 2011 bei Google die Begriffe „Liebe und Leidenschaft“ sucht, also entsprechend googelt, hat eine besondere Fülle von Ergebnissen zu verzeichnen. Er findet Liebe und Leidenschaft in vielerlei Varianten, allerdings manchmal auch in solchen, die Leiden schaffen können. Das reicht von den verschiedenen Ratschlägen, leidenschaftlich einen Kuss anzusetzen oder langeheliche Mattigkeit im Bett zu ertragen - bis hin zum Sex im Flugzeug. Was nicht direkt etwas mit jenen kurzen rhythmischen Schlägen beim Durchfliegen einer Schlechtwetterzone über den Alpen zu tun hat. Der „leidenschaftliche“ Surfer im Internet muss allerdings auf Folgewirkungen hingewiesen werden. Sie zeigen sich anschließend im Postfach.

Die bange Frage: Wer ist Ines?

So kann es vorkommen, dass plötzlich eine Mail einschwebt mit dem dringend Hinweis, „Ines in Bonn wartet auf Dich“. Der solcherart Angesprochene martert sein Hirn. Er kennt zwar Bonn und hat dort zweieinhalb Jahrzehnte gelebt. Aber eine Ines? Unbekannt. Oder? Nein. Das muss eine Falle sein. Und Bonn ist zu nah. Der Postfachbesitzer löscht die Mail. Die Geschichte ist ihm zu heiß.

Dann kommen die Damen aus Kiew

Unverfänglicher, weil geografisch viel weiter entfernt, ist eine weitere Mail mit Grüßen von Frauen aus Kiew. Ein Blick in den Atlas zeigt, dass es sich hierbei um die Hauptstadt der Ukraine handelt. Diese Mail wird geöffnet – und siehe da: Es zeigt sich ein Dutzend hübscher, glatter weiblicher Gesichter (mehr wird nicht gezeigt). Und alle wollen den Postfachbesitzer treffen. Er könnte sich geschmeichelt fühlen. Allerdings, die Damen sind hübsch, aber nicht schön. Es mag vielleicht an den Frisuren liegen, so mit hochgewölbter Tolle über der Stirn. Es sind Frisuren, wie sie die Oma als junge Frau um 1950 getragen hat. Und außerdem haben diese Frauen allesamt kein eigenes Heim. Sie wohnen im Hotelzimmer, das sie zur Begegnung gleich mit anbieten. Allerdings wird kein einziger Zimmerpreis genannt.

Man(n) soll immer können können

Zu Liebe und Leidenschaft gehört manchmal mancherlei Rüstzeug. Es ist ein ewiges Rätsel, wie manche Anbieter dem Google-hörigen Surfer auf die Spur kommen. Aber: Gleich hinter den Mädchen aus Kiew, Ukraine, kommt eine deutsche Mail mit der Überschrift „Auch Sie möchten doch immer können können“. Warum nicht? Aber was? Die Auflösung wird rasch gegeben. Es handelt sich um ein Arzneimittel für den angejahrten Herrn. Könnte interessant sein. Aber man(n) erinnert sich an den dringenden Ratschlag der Senioren-Bravo, gemeinhin Apotheken-Umschau genannt. Man solle keine Arzneimittel ungeprüft im Internet kaufen – und „solche“ schon gar nicht. Denn die seien zwar möglicherweise in der Lage, vorübergehend die eine Schwäche zu überwinden, aber sie könnten zu einer anderen führen, nämlich zu Nierenschwäche.

Das führt postwendend zu einem anderen Angebot unter der Schlagzeile „Nachts nie mehr müssen müssen“. Auch an die Adresse der nunmehr völlig verunsicherten Männerwelt gerichtet. Das Postfach füllt sich. Das haben „Liebe und Leidenschaft“ bewirkt.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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