
- v.l. Lennart Quiring und Philipp Kasberg - Andrea Weber
Das war in der Tat ein Preisträgerkonzert, was Qualität und Quantität betraf. Geschlagene drei Stunden Musikgenuss bekamen die rund hundert Gäste Ende Januar 2011 im Autohaus Pennig in Geretsried zu hören. In dessen Ausstellungs-Pavillion finden regelmäßig Kulturevents statt. Doch bevor dem Duo „Spieltrieb“ – die Gewinner des Liedermacher-Festivals 2010 – die Bühne gehörte, mussten sich die beiden Musiker aus Oldenburg von zwei elfjährigen Jungs aus Geretsried – Elias Vollmer (Piano) und Marius Hammerschmied (Schlagzeug) – zeigen lassen, wie der Blues und Boogie geht.
„Lasst es krachen, Jungs!“ war das Startsignal der Rathaus-Chefin Cornelia Irmer an Elias und Marius, die mit frischem Spirit berühmte Klassiker interpretierten. Die beiden machten ihre Bühnenarbeit richtig, richtig gut. Ohne Nervosität spielten sie Bluessongs des deutschen Pianisten Christian Willisohn genauso exzellent und stoisch, wie die Soul- und Blues-Klassiker von Ray Charles. Für so eine jugendliche Glanzleistung gab es kräftigen Applaus vom Publikum, ehe das Programm von der farbigen Musik zu den norddeutschen Liedermacherliedern der Preisträger wechselte.
Nehmen sich selbst aufs Korn: Das Liedermacher-Duo Lennart Quiring und Philipp Kasberg aus Oldenburg
Die beiden Musiker sind seit zwei Jahren mit dem Campingbus auf Achse, um auf Deutschlands Bühnen zu spielen. Als Sieger des vergangenen Liedermacher-Festivals kehrten sie nun noch einmal nach Geretsried zurück. Ihre Lust auf Musik kommt beim Publikum an. Der Beweis: Es wurde mitgemurmelt, mitgesummt und gesungen, auch bei ihrer Interpretation von südländischer Volksmusik. Die Jodelparodie in dem Satirestück war schon scharf am bayerischen Freundschaftslimit, wären Lennart Quiring und Philipp Kasberg nicht so sympathische Kerle, denen noch einmal verziehen wird. Auch deshalb, weil sich das Duo selbst genauso scharf und albern aufs Korn nimmt, im Alltag, im Leben, beim Lieben. Ihre Lieder haben Wortwitz und Silbenspiel, wie etwa auf ihrem Urlaubstrip nach „Sardinen“ mit „dem Hanfgebäck im Handgepäck“.
Frischer Akustiksound mit witzigen und frechen Texten und gutem Rock, Funk und sentimentalen Balladen
Es geht um die Trägheit einer „Schildkröten-Gesellschaft“, ums „Machoschwein in Uniform“, um die „idealtypischen Mitschlafgelegenheit“ und vom „Präpostliebeslied, in dem das Ende einer Beziehung schon von Beginn an zu sehen ist. Den jugendsprachlichen Ausdruck „verpeilt sein“, der für orientierungslos steht, übersetzte das Liedermacher-Duo „Spieltrieb“ sicherheitshalber. „Ihr könnt nicht abstreiten, dass euer Durchschnittsalter höher ist als unseres.“ Doch egal, allen gefiel diese frische Musik, die nicht nur inhaltlich und sprachlich witzig, spritzig und frech war, sondern durchaus als purer Akustiksound aus Rock, Funk und sentimentale Balladen durchgehen könnte. Fazit: Der Konzertbesuch hat sich fürs süddeutsche Publikum genauso gelohnt wie für die nordischen Künstler.
