
- Neukaledonien, Teufelsgrotte in Lifou - destination iles loyauté
Ukan Trohmae, Sohn eines Kanaken-Häuptlings, führt seine ausländischen Gäste durch dichten Busch zu der Grotte du diable, einer Höhle, die für Frauen Tabu ist. Über eine aus rohen Baumstämmen gezimmerte Leiter erreichen sie den Höhleneingang und steigen hinein in die versteinerte Zone aus Zauber und Geheimnis. Der Kanak geht vor, taucht ein in den dicken Strahl aus gebündeltem Sonnenlicht, das sich durch ein Loch in der Felsendecke direkt über ihn ergießt und seinen dunklen Körper leuchten lässt wie eine mythische Gestalt aus der Geisterwelt. Seine Worte werden von den düsteren Wänden der riesigen Grotte reflektiert, hallen dumpf in die Ohren der Besucher: „Hneope i Qanopeu, die Teufelsgrotte, ist der Uterus unserer Welt. In ihr wurden vor Jahrtausenden die ersten Kanaken geboren. Im Schutz ihrer mächtigen Felsen sammelten sie Kraft und Stärke, bevor sie – beseelt vom guten Geist der Erde – hinaustraten in das Licht und begannen Drehu (Lifou) zu besiedeln.“
Lifou, Neukaledoniens Vorzeigeinsel im Pazifik
Lifou ist ihre Insel. Alles Land gehört ihnen, den Kanaken, und sie verwalten es weise: les blancs, die Weißen dürfen keine Grundstücke besitzen und nur pachten, wenn die Häuptlinge kein Veto einlegen. Und nicht immer stimmen sie zu. Dies mussten beispielsweise die Pariser Macher des Club Med erfahren, die hier und auf der Nachbarinsel Maré luxuriöse Resorts aus dem Boden stampfen wollten. Abgelehnt. Mehr Glück hatte Henry William, der an der Baie de Châteaubriand das Drehu Village managt. Dem Franzosen waren die Häuptlinge gewogen und dafür beschäftigt Monsieur auch ausschließlich Einheimische in seiner exklusiven Hotelanlage. Zwanzig Bungalows reihen sich am puderzuckerweißen Traumstrand. Ein perfektes Südsee-Ambiente: Palmen biegen sich in der Brise des Südostpassats. Bunt wuchernde Bougainvilleen und Hibiskus. Grün schimmern Pool und Lagune. Stille – und die Trägheit der Tropen. Zum Lunch servieren braune Schönheiten fruits de mer: Kokosnusskrabben, Langusten, Austern, Riesengarnelen und Chardonnay im stilvollen Eiskübel.
Lifou, Insel der Farben und Kontraste
Einen Steinwurf vom schlichten Luxus des Resorts entfernt: la chapelle mission, ein trutziges blassblaues Kirchlein, 1897 von katholischen Missionaren errichtetet. O ja, die Männer im schwarzen Priesterrock verstanden ihr Geschäft. Zusammen mit der anglikanischen Konkurrenz, die an der Westküste landete, teilten sie brüderlich und missionierten die Insel erfolgreich im Namen des gemeinsamen HERRN. Der tiefe Süden Lifous ist Lossi-Land: endlose einsame Sandstrände, gigantische bis zu hundert Meter hohe Korallenklippen, zerfressen von der ewigen Brandung des Pazifiks, Pinien- und Pandanusalleen und ein paar zeitlose Dörfer, wo Frauen in knallbunten, mit Spitzen besetzten Schlabberkleidern (robes mission) Caledonian Cricket spielen, ihre ureigene heiter beschwingte Version des altenglischen Nationalsports.
Neukaledoniens Inseln bilden die größte Lagune der Welt
In der Halbmondbucht von Mu werfen Fischer in der anrollenden Flut ihre Netze aus. Wo der flirrende Horizont mit dem Blau des Ozeans verschmilzt, schimmern drei unbewohnte Inseln: Leliogat, Huo und Nie. Sie sind Refugien für wilde Ziegen und Kokosnusskrabben, die leicht ein Gewicht von vier Kilogramm erreichen. Und wo einst Strandräuber, Menschenhändler und Missionare an Land wateten, an der Baie du Santal, veranstalten zweimal im Monat australische Rentner eine Riesenparty, wenn eines der Kreuzfahrerschiffe aus Sydney vor der Kitschkulisse aus Palmen und Picknickhütten ankert. Die Kanaken bleiben cool: Hauptsache die bleichhäutigen Fremden kaufen genug Souvenirs (Holzschnitzereien, Bastkörbe, geflochtene Matten, Fächer, Vanille) und reinigen den blütenreinen Strand von Bierdosen, Papptellern und Plastikgeschirr.
Quellen: Fremdenverkehrsamt Neukaledonien, eigene Recherche auf Lifou
