
- Körperbeherrschung und Umgang mit Emotionen - Stefan Käser, Basel
Um es vorwegzunehmen:Light-Contact Boxing ist keine Sportart für Leute, die sich konditionell schonen wollen, wie das der Begriff vielleicht vermuten liesse. Alles, was Boxen auszeichnet - nämlich Einklang von Kampfgeist, Kraft, Technik, Schnelligkeit, Nähe und Distanz - bleibt in der "Light"-Version erhalten. Im Unterschied zum Olympischen Boxen jedoch führen harte Schläge zu Punktabzug, im Wiederholungsfall zu Disqualifikation. Zentral bei dieser jungen Disziplin ist die Beherrschung der Schlagstärke und der Emotionen. Der Gegner wird touchiert aber nicht geschlagen. Damit erfahren Kinder, Jugendliche und Erwachsene alle Bereicherungen des Boxsportes, ohne ihre Gesundheit zu gefährden. Im deutschsprachigen Raum noch weitgehend unbekannt, bildet Leichtkontaktboxen in Frankreich unter dem Begriff "Boxe Éducative" seit den 1970er Jahren ein fester Bestandteil des Schulunterrichts und der Sozialarbeit. In der Schweiz entschied man sich für den englischen Begriff "Light-Contact Boxing", um den Sprachregionen gerecht zu werden.
Leichtkontaktboxen: pädagogisch sinnvoll und umstritten
Der eher zwiespältige Ruf, den der Boxsport im Allgemeinen umgibt, ist seiner Verbreitung nicht gerade förderlich. Die Schweizer Institution „Jugend+Sport“ beispielsweise weigert sich, Light-Contact Boxing in ihr Programm aufzunehmen: Zu sehr herrscht die Meinung vor, dass der K.o.-Schlag Ziel der Auseinandersetzung sei und Jugendliche davon ferngehalten werden müssten. Nichtsdestotrotz scheint bei diesen ein Bedürfnis dafür vorhanden zu sein, wie eine Umfrage des Sportamts Basel-Stadt ergab. Stefan Käser, Präsident der Sparte Leichtkontaktboxen beim Schweizerischen Boxverband "Swiss Boxing", setzt sich seit Jahren für eine Verbreitung des Leichtkontaktboxens ein und betont die Vorteile dieser neuen Sportart: „Neben einer guten Fitness, erhöhter Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit lernt der Boxer oder die Boxerin auch den besseren Umgang mit Emotionen, erhöht seine Frustrationstoleranz und sein Selbstvertrauen.“ Es gebe kaum eine Sportart, bei der auf sanfte und doch körperlich anspruchsvolle Weise gelernt werde, Treffer einzustecken und mit Niederlagen umzugehen, ohne in Angst zu erstarren oder in einem Wutausbruch seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, führt Käser weiter aus: "Emotionen kontrollieren zu können, ist für Jugendliche eine wertvolle und wichtige Erfahrung."
Gegen Vorurteile aus den eigenen Reihen
Seit Jahren setzt sich der Sportstudent Käser für seine Vision ein, nämlich Lichtkontaktboxen in den Schweizer Boxclubs und im Turnunterricht an den Schulen zu etablieren. Nicht selten stösst er dabei auf Widerstände aus den eigenen Reihen. Light-Contact Boxing wird von den Vertretern des Olympischen Boxens nicht immer ganz ernst genommen, bemängelt der Akademiker. Im Rahmen des Boxclubs Basel organisiert er seit Jahren Leichtkontakt-Turniere für Kinder und Jugendliche. Käser ist zuversichtlich und glaubt, dass Leichtkontaktboxen einen festen Stellenwert im Boxsport einnehmen wird: "Es dauert eben eine gewisse Zeit, bis sich eine neue Sportart etabliert hat. "
Weitere Infos: Light-Contact Boxing
