
- Luftballons können nicht nur Freude bereiten - Diana Mohr / pixelio.de
Ligyrophobie kann aus dem Griechischen frei übersetzt werden als "Angst vor lauten Geräuschen". Genau das zeichnet diese phobische Störung auch aus. Besonders laute Knallgeräusche stehen ganz oben auf der schwarzen Liste der Betroffenen. Ein Zugabteil fluchtartig zu verlassen, weil ein Kind mit Luftballon zusteigt, ist Alltag für jemanden mit dieser krankhaften Angst.
Ligyrophobie ist eine spezifische Phobie
Auf der langen Liste der möglichen menschlichen Phobien findet sich die Ligyrophobie auf der Seite der spezifischen Phobien. Als solche werden all jene Angstzustände bezeichnet, die unter ganz bestimmten Umständen, eben in spezifischen Situationen auftreten. Bei der bekannten Arachnophobie, verfällt der Betroffene bei Konfrontation mit einem Spinnentier in den pathologischen Angstzustand. Bei Ligyrophobie wird dieser zum Beispiel durch Luftballons, Sektkorken, Gewitter, Feuerwerkskörper oder Pistolenschüsse hervorgerufen.
Diagnosekriterien für Ligyrophobie
Eine spezifische Phobie ist meist als solche zu erkennen, wenn die folgenden Punkte zutreffen:
- Die eigene Angst und Reaktion sind der Situation nicht angemessen. Im Falle der Ligyrophobie wäre das, um das Beispiel von vorhin zu nennen, das zwanghafte Verlassen eines Raumes, sobald ein "gefährlicher" Gegenstand wie ein Luftballon auftaucht.
- Chronisches Wiederauftreten dieser Angstreaktionen, das heißt, dem stets gleichen panischen Reagieren beim Zusammentreffen mit potentiell "gefährlichen" Knallkörpern. Den Betroffenen ist es weder möglich die Angst zu erklären noch sie zu kontrollieren oder gar abzustellen. Dass die Panik in den jeweiligen Situationen das Leben der Betroffenen stark beeinflusst, ist das abschließende Kriterium.
Mögliche Auslöser für Ligyrophobie
Was der ursprüngliche Aulöser einer Ligyrophobie sein könnte, ist bis dato unbekannt. Ein traumatisches Erlebnis im Zusammenhang mit Knallkörpern wäre eine ebenso mögliche Erklärung wie eine Fehlfunktion der Synapsen im Gehirn. Hierbei schaffen die Rezeptoren es nicht, den Lernfaktor zu bewältigen, das heißt, das ligyrophobe Hirn lernt nicht, dass Laut und Lärm nicht gleich Gefahr bedeutet.
Leben mit Ligyrophobie
Ligyrophobie ist eine relativ häufig auftretende Phobie und wird meist in Eigendiagnose erkannt. Tritt eine der spezifischen Situationen ein, in welcher ein Angstauslöser jemandem mit Ligyrophobie zu nahe kommt - ein Feuerwerk, ein Schuss im Theater, eine laute Hupe oder Sirene et cetera - ist bei dem Betroffenen generell ein der Situation unangemessen panisches Verhalten zu beobachten. Körperlich können Reaktionen wie eine erhöhte Herzfrequenz, Schwitzen, trockener Mund, Zittern, Hyperventilieren oder Muskelkrämpfe auftreten. Die betroffene Person weiß, dass das eine Überreaktion ist, kann diese aber weder kontrollieren noch abstellen. Berichte über erfolgreiche Therapien sprechen aber für die mögliche Bewältigung dieser Phobie.
Unterstützung über das Internet
Eine Phobie muss man nicht allein durchstehen. Besonders im Zeitalter des World-Wide-Webs finden sich diverse Foren, wie zum Beispiel das deutsche Ligyrophobie-Forum. Gleichgesinnte können dort Erfahrungen austauschen, Therapieformen diskutieren oder einmal so richtig über Sektkorken ablästern.
Quellen:
Diplom-Psychologe Christian Hilscher
uni-protokolle.de
