In früheren Zeiten gehörte ein edler Holzkoffer mit ebenso edlem liquidem Inhalt in Form von Likörfläschchen zur Ausstattung eines gehobenen Haushalts, mit dem man seine Gäste verwöhnte und Eindruck schinden konnte. Auch heute noch erfreuen sich Liköre großer Beliebtheit. Die im konventionellen Handel erhältlichen Produkte sind allerdings oft von minderer Qualität – für einen wirklich guten Tropfen muss man einiges auf den Tisch legen. Oder aber man macht sich munter selbst ans Werk und produziert eigene Ansätze: frei nach Vorlieben hinsichtlich Süße, Frucht und Alkoholgehalt.

Liköre selber machen – Alkohol und Früchte oder Kräuter

Für das Ansetzen eines Likörs bedarf es nicht viel: Alkohol, Süßungsmittel, Früchte oder Kräuter sowie etwas Zeit. Die Zutaten, ihre Abstimmung und das richtige Mischungsverhältnis spielen die entscheidende Rolle für die Qualität des Endprodukts. Im Allgemeinen kann man jede Art von Alkohol verwenden – ob Obstler, Rum, Whiskey, Gin oder Weinbrand: Hauptsache, der Geschmack der Spirituose harmoniert mit den Früchten bzw. Kräutern. Meist empfehlen sich jedoch eher geschmacksneutrale Schnäpse wie Wodka, Korn oder (verdünnter) Weingeist. Der Alkohol konserviert den Likör und löst die Aromen aus den Grundstoffen. Als solche eignen sich nicht nur viele Früchte von Ananas über Beeren, Holler und Schlehe bis hin zur Zitrone, sondern auch einige Kräuter: beispielsweise Pfefferminze, Bärlauch, Salbei und Kamille. Des Weiteren können Liköre mit Nüssen, Eiern, Kaffee und Gewürzen angesetzt werden – die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

Die Wahl der richtigen Süße – Zucker oder Honig

Süßen kann man den Ansatz mit weißem oder braunem Zucker, Kandis- oder Invertzucker, Zuckersirup oder Honig. Art und Menge des Süßungsmittels wirken sich unterschiedlich auf den Geschmack aus. Prinzipiell ist weißer Zucker in all seinen Varianten eher geschmacksneutral, Honig besitzt viel Eigengeschmack. Die Lagerzeit wiederum schwankt je nach Ansatz zwischen einem Tag und mehreren Monaten. Einige Liköre müssen während der Reifezeit ab und an geschüttelt werden. Manche sollten hell, manche dunkel, manche warm und andere kühl gelagert werden. Alles in allem gibt es keine Faustregel für die Zubereitung von Likör – diese variiert je nach den verwendeten Zutaten. Was es allerdings gibt, das ist eine Vielzahl leckerer Rezepte. Einige werden im Folgenden vorgestellt.

Einfaches Rezept für Schlehenlikör

Nach dem ersten Frost sind alljährlich die Schlehensammler unterwegs – der Kälteschock macht die zuvor sehr herben Früchte erst genießbar. Schlehenlikör gehört zu den absoluten Klassikern: Als Alkohol empfiehlt sich Gin, Wodka oder Korn. Auf einen Liter Spirituose wird ein Pfund Schlehen gegeben und mit 250g Zucker gemischt. Der Ansatz muss ca. zwei Monate bei Zimmertemperatur lagern, dann kann er filtriert und abgefüllt werden. Anschließend den Schlehenlikör noch einige Wochen reifen lassen.

Lecker und gesund: Rezept für Holunderlikör

Ebenfalls sehr beliebt ist Hollerlikör. Hierfür werden ein Kilogramm gewaschene und entstielte Holunderbeeren mit einem halben Liter Wasser, zwei Vanilleschoten und der Schale einer ungespritzten Zitrone eine Viertelstunde gekocht und anschließend durch ein Sieb gepresst. Den gewonnenen Saft mit einem Liter Rum oder Weingeist mischen und zwei Wochen dunkel lagern. Nach dem Filtrieren den Likör einige Wochen reifen lassen. Achtung Schleckermäuler. Erhitzter Holunderlikör schmeckt köstlich über Vanilleeis!

Rezept für feinen Kirschlikör

Für die Zubereitung von Kirschlikör ein Kilogramm entkernte Kirschen in einem Liter Wasser kochen und anschließend filtrieren. Der erkaltete Saft wird mit 500g Zucker verrührt und auf einen halben Liter Weingeist oder einen Liter Wodka gegeben. Der Ansatz muss mindestens zwei Wochen lagern, bevor er noch einmal filtriert und abgefüllt werden kann. Kirschlikör genießt man pur oder in der bayrischen Goaßn-Variante: Hierfür werden vier cl Kirschlikör auf einen halben Liter dunklem Bier und ebensoviel Cola gegeben. Dieses Rezept setzt einen Maßkrug voraus.

Edler Fitmacher: Rezept für Kaffeelikör

Eine gute Nachricht für alle Kaffeejunkies: Kaffee lässt sich auch nach Feierabend genießen. Für dieses exklusive Rezept zerstößt man zunächst 250g ökologisch angebaute Kaffeebohnen aus fairem Handel und setzt sie anschließend mit zwei Vanilleschoten, 50g Zimtrinde und einem Liter Wodka an. Nach einem Monat gibt man ca. 200g braunen Zucker oder Kandiszucker hinzu und lagert den Kaffeelikör noch einmal dieselbe Zeit kühl und dunkel. Dann den Likör filtrieren, abfüllen und nachreifen lassen. Macht sich auch exzellent im Kaffee…

Zum Abschluss einige Tipps: Likör sollte prinzipiell in dunkle Flaschen abgefüllt werden oder zumindest dunkel aufbewahrt werden – so halten sich Inhaltsstoffe und Aromen besser. Es gibt eine Vielzahl gesunder Liköre, die gegen so manches Wehwehchen helfen können. Und: Selbstgemachte Liköre ohne Sahne halten sich gut, aber nicht ewig. Bei sachgemäßer Lagerung in einem dichten Gefäß gewinnen sie jedoch lange an Qualität hinzu.