Mit der Verpflichtung der beiden Säulen aus Silvia Neids Mannschaft Linda Bresonik (28) und Annike Krahn (27) ist den Verantwortlichen des französischen Hauptstadtklubs ein echter Coup gelungen. Die Verstärkung aus dem Nachbarland jenseits des Rheins ist für die Hauptstädter allerdings aus zweierlei Gründen dringend von Nöten gewesen.

Eine enttäuschende Saison 2011/2012

Gemessen an den hohen Zielen des finanziell bestens ausgestatteten Pariser Clubs (dank einer Beteiligung des Emirats von Katar) fiel die Bilanz der vergangenen Saison unzufriedenstellend aus. Angestrebt war mindestens die Qualifikation zur Champions League - also Platz eins oder zwei - und auch im Pokal rechnete man sich gute Chancen aus. Doch die Meisterschaft sicherte sich - wie in den Jahren zuvor - Olympique Lyonnais, den zweiten Platz der FCF Juvisy. Im Pokal scheiterte man im Halbfinale an den Damen aus Montpellier, die schließlich auch in der Tabelle an den Pariserinnen vorbeizogen. Am Ende stand man dort auf Platz vier, dies sogar mit deutlichem Abstand.

Spielerinnenflucht aus Paris

Nachdem Trainer Camillo Vaz seinen Abgang verkündigt hatte, reagierte man bei PSG recht schnell und verpflichtete mit Farid Benstiti einen erfahrenen Meistertrainer (der hierfür sein Engagement für die russische Nationalmannschaft beendete), unter seine Ägide wurde eine Großoffensive an Verstärkungen angekündigt. Darauf folgte jedoch erst einmal eine erstaunliche Welle an weiteren Abgängen, darunter die beiden wichtigen Kräfte und Nationalspielerinnen Elise Bussaglia (Mittelfeld, zu Lyon) und Julie Soyer (Abwehr, zu Juvisy), mehrere Spielerinnen beendeten ihre Karriere völlig, darunter Stammtorhüterin Bérangère Sapowicz und die Ex-Internationalen Delphine Blanc und Candice Prévost.

Schweigen aus Paris

Während sich die direkten Konkurrenten Lyon und Juvisy deutlich verstärkten und es Montpellier immerhin gelang, die Mannschaft größtenteils zusammenzuhalten, hörte man aus Paris lange nichts, unter den Anhängern machten sich nach den vielen Verlusten allgemeine Nervosität breit, da die beiden Abwehrspielerinnen - ebenfalls zuverlässige Größen im Team von Natioinaltrainer Bruno Bini - Laure Boulleau von Wechselgerüchten umweht wurde (die sich nicht bestätigten), während die Rückkehr Laure Lepailleurs nach einer langwierigen Verletzung noch immer in den Sternen steht.

Die Einkaufstournee beginnt

Doch dann verpflichtete man Shirley Cruz vom Meister Lyon sowie überraschend die sehr junge amerikanische Spielerin Lindsay Horan (18). Noch überraschender aus deutscher Sicht der Wechsel Annike Krahns, die allerdings schon vorher angekündigt hatte, ihren Verein FCR Duisburg verlassen zu wollen, für den sie immerhin 146 Spiele absolviert hatte. Ihre Bilanz ist beeindruckend: 81 mal trat sie für ihre Nation (im A-Kader) an, schoß vier Tore und gewann eine EM (2009), eine WM (2007), die Bronzemedaille 2008 in Peking und den prestigeträchtigen Algarve-Cup in diesem Jahr. Mit Duisburg wurde sie mehrfach Vizemeister und zweimal Pokalsieger (2008, 2010). Kein Wunder also, dass sie französischen Hauptstädter ihre Chance zur Verpflichtung nutzten.

Linda Bresonik folgt Annike Krahn nach Paris

War die Verpflichtung von Annike Krahn schon eine buchstäbliche Neuheit - auf diesem Niveau hatte es bisher noch nicht allzuviele deutsche Spielerinnen nach Frankreich gezogen, wo der Frauenfußball allerdings gerade einen markanten und auch international beachteten Aufschwung nimmt - dann erstaunt es umso mehr, dass ihre Nationalmannschafts- und Vereinskollegin Linda Bresonik kurze Zeit darauf ebenfalls ihren Wechsel nach Paris verkündete. Die Titelsammlung der Mittelfeldspielerin ist ähnlich beeindruckend: Weltmeisterin 2003 und 2007, Europameisterin bereits 2001 und noch einmal 2009, Algarvecup 2012 sowie Pokalsiegerin 2009 und 2010 mit Duisburg. 2001 gewann sie mit Duisburg auch die Champions League. Obwohl seit über zehn Jahren in der Nationalmannschaft verteten und dort für gewöhnlich auch gesetzt, weist Linda Bresonik weniger Einsätze (78, 8 Tore) als Annike Krahn auf, bedingt durch mehrere schwerere Verletzungen.

Neue alte Ziele in Frankreich

Beiden Spielerinnen ist eines gemeinsam: eine auffällige Lücke in den beeindruckenden Trophäensammlungen. Weder Annike Krahn noch Linda Bresonik konnten bisher einen nationalen Meisterschaftstitel erwerben. Ob dies nun gegen die Übermacht des derzeit erfolgreichsten europäischen Vereins Olympique Lyonnais und die verstärkte Vorstadtkonkurrenz aus Juvisy mit ihrem neuen Verein Paris St-Germain gelingt, wird die neue Saison zeigen müssen. Die Voraussetzungen wurden jedoch sicher wesentlich verbessert. Und noch scheint die Einkaufstournee nicht beendet.