
- Linda Castillo - Blutige Stille Buchcover - Fischer Verlage
Als Romantic Novels oder auch Romantic Suspense Novels werden in den USA Romane bezeichnet, die sich an weibliche Leser wenden und Liebesroman und Thriller miteinander verknüpfen. Die Qualität schwankt zwischen Groschenromanniveau und gehobenem literarischen Niveau. Linda Castillo ist eine routinierte und anerkannte Autorin des Genres. Nach über 20 Romantic Novels hatte Castillo Lust auf Härteres. 2010 Erschien ihr erster Kate Burkholder Krimi „Die Zahl der Toten (Sworn to Silence)“, der zum New York Times Bestseller avancierte. Auch ihr zweiter Krimi „Blutige Stille (Pray for Silence)“ dreht sich um die junge Polizeichefin und spielt im Milieu der Amish People in Ohio.
„Blutige Stille“: Massenmord in der Amish Gemeinde
Eine Amish Familie, Vater, Mutter, vier Kinder und ein Baby, werden brutal ermordet. Die minderjährigen Töchter wurden vorher gefoltert. Kann jemand aus der tiefgläubigen Gemeinde eine so grausame Tat begangen haben? Polizeichefin Kate Burkholder, die als Kind selbst zu den Amish gehörte, fühlt sich persönlich von dem Fall betroffen. Aber erst als Kate das Tagebuch der ermordeten Mary findet, ergibt sich langsam ein Motiv für die Tat und ein Kreis Verdächtiger. Um den Mörder aus der Reserve zu locken, lässt sich Kate auf ein riskantes Unterfangen ein.
„Blutige Stille“: Detailreiche Grausamkeiten
Linda Castillos Krimireihe setzt auf Kontraste. Schauplatz ist die pazifistische, tiefgläubige Amish Gemeinde und im Gegensatz dazu die Welt der „Englischen“, in der Gewalt, Sex und Lügen zum Alltag gehören. Castillo verdeutlicht die extreme Bösartigkeit der Täter durch detaillierte und ausführliche Schilderungen ihrer extremen Grausamkeiten. Das wirkt sensationsheischend, liegt aber im Trend. Der voyeuristische Blick der Autorin auf Folter und Pornografie wird durch die verbalisierte Betroffenheit der Hauptfigur weder abgemildert noch entschuldbar.
„Blutige Stille“: Klischeehafte Charaktere
Gute und Böse sind durch Castillos eher klischeehafte Charakterisierungen recht leicht erkennbar und so gibt es nicht allzu große Überraschungen bei der Auflösung des Falls. Die Spannung hält sich ebenfalls in Grenzen, da der Krimi aus der Sicht der ermittelnden Hauptpersonen geschildert wird, die sich nur langsam an die Täter herantasten. Dafür entschädigt das filmreife Finale mit Hochspannung.
„Blutige Stille“: Eine typische Krimiheldin
Kontrastreich gestaltet Castillo auch ihre Heldin Kate. Einerseits ist sie eine toughe Polizistin, die sich nicht immer an Regeln hält. Andererseits ist sie eine verletzliche und mitfühlende Person, die sich durch ihr Trauma mit dem Opfer identifiziert. Das ist nicht besonders originell, aber genreüblich. Die Romantic Novel Schreiberin lässt Linda Castillo weitgehend außen vor, die Romanze mit dem ebenfalls traumatisierten Polizisten Tomasetti in „Blutige Stille“ bleibt angenehm moderat.
„Blutige Stille“: Kenntnisreicher Blick in die Welt der Amish
Zu den Pluspunkten von „Blutige Stille“ zählt die realistische und detailliert beschriebene Ermittlungsarbeit und die atmosphärische, beinah anthropologische Schilderung der Welt der Amish. Kate Burkholder kennt beide Welten, die der Amish und die der „Englischen“ und fungiert quasi als Dolmetscherin für den Leser. Der aus Deutschland stammende Dialekt ermöglicht dem deutschen Leser im Gegensatz zum amerikanischen ein tieferes Verständnis für die Bedeutung der Worte.
„Blutige Stille“: Routinierter Krimi
Linda Castillo hat mit „Blutige Stille“ einen konventionellen Krimi geschrieben, der unnötige Härte aufweist und mit klischeehaften Figuren weitgehend voraussehbar verläuft. Für einen Thriller besitzt „Blutige Stille“ zu wenig Spannung. Interessant ist sein Setting in der Glaubensgemeinschaft der Amish, die Castillo einfühlsam und kenntnisreich beschreibt.
Alles in allem eine kurzweilige Lektüre für zwischendurch, nicht mehr und nicht weniger.
Linda Castillo. Blutige Stille. Fischer Verlag Taschenbuch. 8.99 €. Juli 2011. 391 Seiten
