Die exklusivste Reise, die Sie noch heute Abend fest buchen können – vorausgesetzt, dass Sie über viel Mut und noch mehr Geld verfügen –, wird Sie nicht auf einem Kreuzfahrtschiff über die Weltmeere führen, auch nicht in einem Boot zur Walbeobachtung oder zu Fuß an den Rand eines Vulkankraters. Sie wird Sie in den Himmel führen, genauer gesagt an den Rand des Weltraums. Sie werden höher aufsteigen als fast alle anderen Menschen vor Ihnen. Sie werden schwerelos sein, einen schwarzen Himmel über sich sehen und auf die unbeschreibliche, zerbrechliche Schönheit unseres einzigartigen Planeten herabblicken. Und Sie werden die teuerste Reise erleben, die mit Ausnahme einer Handvoll Multimillionäre jemals ein Tourist unternommen hat.
Viele Weltraumtouristen haben schon gebucht
Um diese Reise zu buchen, brauchen Sie nur auf die Internetseite von Virgin Galactic zu gehen, sich dort zu registrieren und einige tausend Dollar Anzahlung zu leisten. Doch Sie müssen sich beeilen, um noch zu den Pionieren des Weltraumtourismus zu gehören. Trotz des unvorstellbaren Preises von 200.000 Dollar haben offenbar bereits Hunderte zahlungskräftiger Kunden fest gebucht. Dabei steht noch nicht einmal genau fest, wann es losgeht. Der Veranstalter wird Sie rechtzeitig informieren, bis dahin können Sie auf der genannten Website den aktuellen Stand der Vorbereitungen verfolgen. Allzu lange wird es allerdings nicht mehr dauern, gut zwei Jahre, vielleicht auch weniger.
Ein kurzer Abstecher in die Schwerelosigkeit
Worum geht es genau? Kurz vor dem Start werden die Passagiere eine dreitägige Vorbereitung einschließlich medizinischer Tests durchlaufen. Dann erfolgt der Start vom Mojave Spaceport in Kalifornien oder vom ersten kommerziellen Weltraumbahnhof der Welt, dem Spaceport America in New Mexico. Das eigentliche Raumschiff mit zwei Piloten und sechs Passagieren an Bord wird huckepack von einem eigens dafür entwickelten Flugzeug in große Höhe transportiert. Dort klinkt es sich aus und steigt dann mit Raketenantrieb bis an die Grenze des Weltraums, wo die Passagiere für einige Minuten den atemberaubenden Blick auf die Erde und das Gefühl der Schwerelosigkeit genießen können. Dann beginnt auch schon wieder der allmähliche Senkflug zur Erde, wo das Raumschiff wie ein Flugzeug oder ein Space Shuttle landet.
Die ersten Testflüge fanden schon statt
Das alles ist keinesfalls eine kühne Zukunftsvision, sondern knallhartes Geschäft. Hinter Virgin Galactic steht der britische Milliardär Richard Branson. Die Technologie, die erstmals die Ideen des österreichisch-deutschen Raumfahrtpioniers Eugen Sänger verwirklicht, ist zum größten Teil bereits fertig entwickelt. Sie erlebte 2004 ihren Durchbruch, als das von Burt Rutan und Paul Allen gebaute Raumschiff SpaceShipOne innerhalb von zwei Wochen zweimal in den Weltraum flog und damit einen heiß umkämpften 10-Millionen-Dollar-Preis für das erste privat gebaute Raumschiff gewann. Raumschiff und Trägerflugzeug wurden daraufhin zu der Version weiterentwickelt, die nun die zahlenden Touristen befördern soll. Das neue Trägerflugzeug befindet sich bereits in der Erprobung, die Testflüge des SpaceShipTwo (des ersten Passagierschiffs) werden wohl Mitte diesen Jahres beginnen.
Die Meinungen über die Weltraumflüge von Virgin Galactic sind geteilt
Insgesamt plant Virgin Galactic den Bau von zunächst fünf Raumschiffen des neuen Typs. Damit sollen erstmals Touristen per Linienflug, also nach regelmäßigem Fahrplan, in den Weltraum starten können. Bisher gab es lediglich einige wenige zahlende Weltraumtouristen, die sich jeweils für mehrere Tage in einer Raumstation aufhielten – ein natürlich noch faszinierenderes Erlebnis, das dafür aber auch bis zu 20 Millionen Dollar kostete. Umstritten ist Virgin Galactic vor allem aus Gründen des Umweltschutzes – Kritiker halten es für nicht zeitgemäß, die Atmosphäre durch diese neue Form von Tourismus weiter zu verschmutzen. Ähnliche Kritik wird natürlich auch schon im Hinblick auf die traditionelle Luftfahrt geäußert. Auf der anderen Seite steht eine Hoffnung: Je mehr vermögende und damit einflussreiche Menschen die Erde in ihrer Gesamtheit erblicken, desto mehr werden vielleicht auch geistige Grenzen abgebaut – zum Wohle des Friedens in der Welt.
