Lissabon des Fernando Pessoa

Literarischer Spaziergang durch Portugals Hauptstadt

Eine typische Straßenbahn im Zentrum von Lissabon - Lars Hartfelder
Eine typische Straßenbahn im Zentrum von Lissabon - Lars Hartfelder
Auf den Spuren des bedeutenden europäischen Schriftstellers Fernando Pessoa - Literatur-Freunde erkunden Portugals Hauptstadt Lissabon aus einem besonderen Blickwinkel.

Fernando Pessoa (1888 bis 1935) ist einer der bedeutendsten Dichter Europas und ein Sohn Lissabons. Er liebte sein "Dorf", wie er Portugals Hauptstadt gern nannte. "Wenn ich die Welt in der Hand hätte, würde ich sie gegen eine Fahrkarte zur Rua dos Douradores eintauschen." Die kleinen altmodischen Straßenbahnen, auf die sich das Zitat bezieht, rumpeln heute noch wie vor 100 Jahren durch die engen Gassen der Stadt. Ein literarischer Spaziergang mit Fernando Pessoa zeigt "Lisboa" aus einem besonderen Blickwinkel.

Forschungszentrum in Pessoas altem Wohnhaus

Das auf sieben Hügeln an der Flussmündung des Tejo erbaute Lissabon liegt im äußersten Südwesten Europas, nur wenige Kilometer vor der Atlantikküste der Iberischen Halbinsel. Pessoa liebte seine Stadt. Wer Lissabon auf den Spuren des melancholischen Schriftstellers erkunden möchte, sollte seine Reise in der "Casa Fernando Pessoa" beginnen. Das Forschungszentrum befindet sich im Stadtteil Campo Ourique, in der Rua Coelho da Rocha, Nummer 16, in jenem Haus, in dem der Dichter die letzten 15 Jahre seines Lebens verbrachte. Hier können unter anderem seine Schreibmaschine, die persönliche Bibliothek und ein großes Porträt besichtigt werden. Pessoa war zu Lebzeiten nicht sehr berühmt, Veröffentlichungen gab es kaum. Aus diesem Grund landeten die meisten Manuskripte in einer Truhe. Sein Werk umfasst rund 24 000 Fragmente, die neben Prosa und Dichtungen auch politische Schriften enthalten. Das kleine Museum kann wochentags kostenlos besichtigt werden.

Mit dem Hafen, dem Regierungssitz und den sechs Universitäten ist Lissabon das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Die Stadt selbst zählt 500 000 Einwohner, im Einzugsgebiet leben rund 2,6 Millionen Menschen. Fernando Pessoa genoss es, in seinem Lieblingscafé Martinho do Arcada am großen Handelsplatz (Praco do Comércio) im Süden der Stadt einfach nur "hier zu sitzen, auf diesem Platz, an diesem Tisch, in diesem Kaffeehaus". Noch heute bleibt sein Tisch immer leer. An der Wand lassen Fotografien mit dem Dichter die Vergangenheit lebendig werden. Hier trank Pessoa im November 1935 seinen letzten Kaffee, bevor er vier Tage später an den Folgen einer Leberzirrhose starb.

Ruhiges Landleben im Zentrum

Überall in der Stadt sind kleine Details zu finden, die auf das Leben von Fernando Pessoa hindeuten. Am auffälligsten ist die Skulptur vor dem Café a Brasileira im Stadtteil Chiado. Sitzend, die Beine übereinander geschlagen, scheint sich der menschenscheue Dichter vor den vorbeischlendernden Personen unter seinem typischen Hut verstecken zu wollen. Pessoa zog sich gern in ein Café zurück, um gemütlich etwas zu trinken. "Ich liebe diese einsamen Plätze [...], sie sind Dorf in der Stadt", schreibt er in seinem berühmtesten Werk, dem "Buch der Unruhe". Das "ruhige Landleben in der Stadt", wie der Dichter Lissabon häufig charakterisierte, ist heute während der Mittagsstunden immer noch zu erleben. Dann lohnt vor allem eine Fahrt mit dem über 100 Jahre alten Aufzug Elevador de Santa Justa, der 30 Meter gen Himmel führt. "Schweigend breitet sich die Stadt vor meinen sehnsüchtigen Augen aus", schrieb Pessoa über die atemberaubende Aussicht von der Terrasse.

Der überschaubare Stadtkern ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln von überall leicht zu erreichen. Besonders interessant ist eine Fahrt mit der Straßenbahn in den Lissabonner Vorort Belem, entlang an bröckelnden Häuserfassaden und frisch restaurierten Villen. Im Kreuzgang des prunkvollen Hieronymusklosters befindet sich das Grab von Fernando Pessoa. Im angrenzenden Park lassen sich unter Schatten spendenden Palmen die berühmten portugiesischen Vanilletörtchen "Pasteis de Nata" genießen, die überall in kleinen Konditoreien angeboten werden.

Stadtführung im Mondschein

Ein besonderes Erlebnis ist die literarische Stadtführung "Lissabon bei Mondschein" von der deutschen Auswanderin Simone Klein. Die Pessoa-Spezialistin verziert den nächtlichen Spaziergang durch die Altstadt bis zur Spitze der Burg Sao Jorge mit zahlreichen Zitaten des Schriftstellers. Ihre Reise endet mit Pessoas Worten: "Ich bin nichts. Ich werde nie etwas sein. Ich kann nicht einmal etwas sein wollen. Abgesehen davon, trage ich in mir alle Träume der Welt." Passend zu den traurigen Dichtungen mutet die traditionelle Musik des Fado, die nachts in den Stadtvierteln Bairro Alto und Alfama gesungen wird, wie eine Hommage an den Lyriker an. Die wehmütige Grundstimmung der leidenschaftlich vorgetragenen Lieder verleitet zum Träumen. Dass, worum auch Fernando Pessoa nie umhin kam, wenn er sagte: "Ich bin es müde, geträumt zu haben, freilich nicht müde zu träumen."

Internet-Tipps:

Lars Hartfelder - Lars Hartfelder, M.A. Geboren 1977 in Finsterwalde (Brandenburg). Arbeitet seit 2005 als freier Journalist in Cottbus, unter anderem ...

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