Literarisches Enfant Terrible - Bret Easton Ellis

Der US-Schriftsteller Bret Easton Ellis gilt seit den 80ern als einer der wichtigsten, aber auch kontroversesten Autoren in der Literaturszene.

Geboren am 7. März 1964 in Los Angeles wuchs Bret Easton Ellis in Sherman Oaks, Kalifornien auf. 1986 absolvierte er eine Musikausbildung am Bennington College in Vermont. Dieses College diente später als Vorlage für das fiktive „Camden Arts College“, welches in seinem Roman „Einfach unwiderstehlich“ („The Rules of Attraction“) eine zentrale Rolle spielt. In den frühen 1980er-Jahren spielte er Keyboard in einigen New-Wave-Bands.

Früher literarischer Durchbruch und Skandal um den Roman „American Psycho“

Ellis konzentrierte sich künstlerisch auf das Schreiben. Während seines Studiums gab er den späteren Roman „Unter Null“ („Lower Than Zero“) als Arbeit für einen Creative Writing Kurs ab. Sein Professor war von der Arbeit beeindruckt und motivierte Ellis, den Roman zu veröffentlichen. Der Roman wurde auf Anhieb ein Bestseller. 1987 zog Ellis nach New York City, wo er seinen zweiten Roman „Einfach unwiderstehlich“ veröffentlichte. 1991 stieg Ellis mit seinem dritten Roman „American Psycho“ zum Kultautor auf. Um diesen zu veröffentlichen, musste er allerdings den Verleger wechseln. Die detailliert beschriebenen Gewalt- und Sexexzesse, die in das sinnentleerte Leben des Protagonisten Patrick Bateman eingebettet sind, stießen nicht nur seinen ersten Verleger ab. Viele Leser und Kritiker bewerteten den Roman als abstoßend, pervers und frauenfeindlich.

Schaffenskrise, Drogenexzesse, Abgründe

1994 erschien „Die Informanten“ („The Informers“), eine Kurzgeschichtensammlung, in der einige Charaktere aus seinen vorherigen Büchern auftauchen, was ein typisches stilistisches Merkmal von Bret Easton Ellis ist (siehe unten). „Die Informanten“ war lediglich als kurzweiliger Lückenfüller gedacht, da sich das Erscheinen seines nächsten geplanten Romans „Glamorama“ mehrmals verzögerte. Durch den Druck des Ruhms und der Öffentlichkeit und aufgrund seiner Drogen- und Alkoholsucht zog sich die Arbeit an dem Roman lange hin. „Glamorama“ erschien schließlich 1999, wurde jedoch von den Kritikern recht negativ aufgenommen.

Sein nächstes Werk, „Lunar Park“, erschien erst 2005, stieß aber auf deutlich mehr Wohlwollen. In dem halbautobiografischen Roman, dessen Hauptfigur Bret Easton Ellis heißt und Autor ist, schildert er die Probleme seiner Ehe, seinen Drogenkonsum, die Affäre mit einer Studentin und beschreibt die wahr werdenden blutrünstigen Visionen aus seinen früheren Werken. In der fiktiven Figur Bret Easton Ellis offenbaren sich die Abgründe und Leiden des wahren Bret Easton Ellis. Eine Fortsetzung zu Ellis’ Erstling „Unter Null“ mit dem Titel „Imperial Bedrooms“ ist aktuell erschienen. In diesem Roman tauchen dieselben Protagonisten, um 20 Jahre gealtert und desillusioniert, auf. Auch dieses Werk wurde in ersten Kritiken recht zwiespältig aufgenommen; man wirft Ellis vor, dass es kurzweilig sei und er kaum noch neue Ideen zu Papier brächte.

Typische stilistische Merkmale von Bret Easton Ellis

Ellis’ Werke zeichnen sich durch eine schnelle Sprache im Kurzsatzstil aus. Drogen, Sex und Depressionen sind zentrale Themen, die das Lebensgefühl einer orientierungslosen, konsumgeilen, individuellen Generation verdeutlichen sollen, vor allem aber auch Ellis’ eigene Abgründe; die physische und psychische Gewalt des Vaters in seiner Kindheit spiegelt sich in Ellis’ Werken wie auch in seinen privaten Alkohol- und Drogenexzessen wider.

Ellis benutzt häufig Wiederholungen. In „American Psycho“ wiederholt der Protagonist immer wieder den Satz: „Ich muss einige Videos zurückbringen". In seinen Romanen bedient sich Ellis auch gerne einer überschaubaren Anzahl wiederkehrender Charaktere. Clay, der Protagonist von „Unter Null“, taucht in „Einfach unwiderstehlich“ auf, der Protagonist ist Sean Bateman. In „American Psycho“ werden Szenen aus „Unter Null“ erneut thematisiert, in denen Clay jedoch durch den Protagonisten, Patrick Bateman, den Bruder Sean Batemans, ersetzt wird. Ein Mittagessen, das zwischen Sean und Patrick Bateman stattfindet, wird in „Einfach unwiderstehlich“ aus der Sicht Seans und in „American Psycho“ aus der Sicht Patricks beschrieben. „Glamorama“ beschreibt über weite Strecken die Europa-Reise von Victor Ward, auf dessen Rückkehr aus Europa Lauren Hynde in „Einfach unwiderstehlich“ sehnsüchtig wartet. In „Glamorama“ wird Patrick Bateman ebenfalls erwähnt, und in „Die Informanten“ sowie in „Lunar Park“ finden sich alle von Ellis' wichtigen Charakteren wieder.

Eine weitere wichtige Komponente ist Musik. Ellis’ Protagonisten gehen gerne in Clubs, auf Partys oder hören CDs, die sie detailliert analysieren. Das lässt freilich auf Ellis eigenen musikalischen Ambitionen schließen. Zwei seiner Werke („Lower Than Zero“ und „Imperial Bedrooms“) sind nach Musikstücken von Elvis Costello benannt.

Verfilmungen von Bret Easton Ellis’ Werken

Dem Ruhm Bret Easton Ellis’ zuträglich ist die Tatsache, dass fast alle seine Werke verfilmt wurden oder werden sollen. „Unter Null“ wurde bereits 1987 verfilmt, unter anderem mit dem jungen Robert Downey junior. American Psycho sollte ursprünglich von Oliver Stone mit Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle verfilmt werden, doch angeblich fürchteten beide einen Imageverlust aufgrund des heiklen Stoffes. Mary Harron wagte sich schließlich an das Projekt heran und inszenierte 2000 eine gut gelungene Interpretation des Romans mit dosierter Gewalt. Das satirische, gesellschaftskritische Potenzial des Romans kommt gut zum Tragen. In der Hauptrolle ist Christian Bale zu sehen, dem damit der internationale Durchbruch gelang.

2002 drehte Roger Avary, sonst Produzent von Quentin Tarantinos Werken, „Rules of Attraction“ mit verschiedenen bekannten Jungstars. Technisch ist der Film gut gelungen, erfuhr aber leider nur wenig Beachtung. „The Informers“ wurde 2008 vom Senator Studio produziert und warte mit vielen bekannten Stars auf: Winona Ryder, Mickey Rourke, Kim Basinger, Billy Bob Thornton. Der Film polarisierte ähnlich wie Ellis’ Werke. „Lunar Park“ ist in der Phase der Vorproduktion und soll angeblich mit Benicio del Toro in der Hauptrolle 2011 gedreht werden. Eine Verfilmung von „Glamorama“ stand mehrmals zur Debatte, wurde aber unlängst von Bret Easton Ellis als nicht mehr realisierbar eingestuft. Kontrovers diskutiert wurden auffällige inhaltliche Parallelen der Komödie „Zoolander“ mit dem Roman. Zu rechtlichen Schritten kam es jedoch nicht.

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Christian Schmidt - selbständig, vielseitig, vielfältig, ambivalent * 1976 seit 2006 in Dresden wohnhaft Vorlieben: Literatur, Filme, ...

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