Die Mitglieder der Literatenkreis "Generación del 27" wollten in erster Linie das Leben genießen; aber das auf sehr intellektuelle Art und Weise. Die 'Generation des Jahres 27' war eine Gruppe von Poeten und Schriftstellern, aber auch von Malern, Regisseuren, Bildhauern und Fotografen. Die Liste der Schaffensbereiche der Mitglieder ist endlos fortzusetzen, denn die Gruppe charakterisierte sich gerade dadurch, dass sie stets offen für Neues war. Das Kino, das gerade erst im Kommen war, nahmen sie mit Enthusiasmus auf. Das Ergebnis war unter anderem der surrealistsiche "El Perro andaluz" (Der andalusische Hund), bei dem Salvador Dalí und Luis Buñuel Drehbuch schrieben und Regie führten. Technik und Fortschritt waren für die Generación del 27 eine immerwährende Inspirationsquelle. Der weltbekannte katalanische Surrealist Salvador Dalí gehörte zu der Gruppe, genauso wie der im Bürgerkrieg ermordete Dichter Federico García Lorca und der spätere Regisseur Luis Buñuel.
Ihren Namen gaben sich die Poeten nach dem spanischen Barockdichter Luis de Góngora, dessen Todestag sich im Gründungsjahr der Gruppe, im Jahr 1927, zum 300. Mal jährte. Trotz der unterschiedlichen Epochen, fanden die 27er ihren Stil in den kuriosen Gedichten und Aphorimsen von Góngora wieder. Die Feier zum Todestag des Poeten im Kultursaal Ateneo in Sevilla wurde deshalb auch als Gründungsakt der Literatengruppe gesehen. Den gleichen Kultstatus wie Gongora erhielt im Kreis der jungen Männer (es gab ausschließlich Mitglieder männlichen Geschlechts) die 'Residencia de Estudiantes', ein Studentenwohnheim in Madrid. Die Unterkunft war im Jahr 1910 als alternative Bildungsinstitution für die Söhne liberaler Politiker gegründet worden. Es gab dort nicht nur eine riesige Bibliothek, sondern auch Fremdsprachenunterricht, Diskussionsrunden und Konzerte. Anfang der 20er Jahren trafen dort drei der wichtigsten spanischen Kulturschaffenden aufeinander: Der spätere Regisseur Luis Buñuel, Dalí und Lorca. Die Stimmung in der Residenz und die intelektuelle Freiheit, die dort herrschte, wurde für die 'Generación del 27' schnell zum Lebensideal.
Treffpunkt Málaga
Die lebensfrohe Stadt Málaga mit dem nahen Mittelmeer, dem entspannten Lebenswandel und dem Bohème-Gefühl, das dort Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte, wurde bald zum Treffpunkt der Gruppe. Die Dichter Emilio Prados und Manuel Altoaguirre recherchierten und schrieben in der Küstenstadt monatlich die Zeitschrift Litoral, welche die neuesten literarischen Früchte der Literaten veröffentlichte. «Die Zeitung kann diese Woche wegen zu schönen Wetters nicht erscheinen» schrieben die Herausgeber der Druckerei in Madrid, wenn sie den Redaktionsschluss nicht einhalten konnten.
Die Residencia de Estudiantes in Madrid organisiert auch heute noch regelmäßig Konferenzen und Votragsreihen zu ihren berühmten Bewohnern. In Málaga hat die Provinzregierung den Literaten ein eigenes Forschungszentrum gewidmet.
